Schüler fragen: Wo steckt das Glück?

Von Renate Allwicher

Glück. Was ist das eigentlich? Gibt es Dinge, die alle glücklich machen? Was macht das Glück an Weihnachten aus? Gibt es vielleicht ganz andere Wege zum Glück als wir ahnen? Viele dieser Fragen versuchen wir in der Kurier-Adventsserie zu beantworten. Die evangelische Religionsklasse der 13. Jahrgangsstufe der FOS/BOS machte eine Projektarbeit daraus. Um Antworten zu finden, sprachen die Schüler mit buddhistischen Mönchen, mit Menschen, die andere beim Sterben begleiten, mit einem Flüchtling, mit Vertretern aller Generationen – und die Schüler selbst haben natürlich auch eine Meinung.

Für ein gemeinsames Projekt von Kurier und der Bayreuther Berufsoberschule gingen die 21 Schüler der 13. Religionsklasse der BOS mit ihrem Lehrer, dem Heinersreuther Pfarrer Otto Guggemos auf die Suche nach Glück. Daraus entstanden sieben Texte – und viele neue Eindrücke und Ansichten seitens der Schüler. Foto: Andreas Harbach Foto: red

Das Hier und Jetzt wahrnehmen

Mitten im Naturpark Frankenwald treffen die Schüler auf buddhistische Mönche, die seit dem Jahr 2008 Farbe ins Dorfbild von Stammbach bringen. „Dort sind sie, nicht anders als unsereins, auf der Suche nach Glück“, schreiben David, Lukas und Sabine. Der Grundgedanke der buddhistischen Lehre sei die Überwindung des Leids und die Erlangung der vollsten Zufriedenheit durch das Ablegen aller Störfaktoren, die dem puren Glück im Wege stehen, erfahren sie von Bhikku Cattamalo vom Waldkloster Muttodaya.

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Die Mönche wollen sich von äußeren Einflüssen frei machen und suchen das Glück im sogenannten sechsten Sinn, dem Geist. Dazu gehört die vollständige Lösung von weltlichen Normen und materiellen Bedürfnissen. „Ganz können sich die Mönche jedoch nicht abschotten“, sagen die Schüler: Wie in Deutschland üblich müssen auch sie sich krankenversichern und Behördenauflagen für ihr Kloster erfüllen. Sie dürfen auch ihre Familie und Freunde zu besuchen, was natürlich zu Regelverstößen führt: Wenn zum Beispiel ein Mönch seine Mutter umarmt, obwohl sie normalerweise auf körperliche Nähe verzichten. „Dies ist für uns jedoch nur selbstloses Handeln, weil der Mönch für das Wohlbefinden seiner Mutter einen Verstoß in Kauf nimmt“, sagen die Schüler – hier geht das Glück der Mutter vor.

Sie kommen nach ihrem Gespräch zu folgendem Schluss: „Glück wird von jedem anders empfunden und es gibt viele Möglichkeiten, Glück zu erlangen, jedoch gilt auch im buddhistischen Sinne, dass jeder selbst seines Glückes Schmied ist.“ Ihr Tipp: „Vielleicht sollten wir uns im stressigen Alltag einige Minuten Zeit nehmen und den Geist sammeln, die Gegenwart spüren, das Hier und Jetzt wahrnehmen, alles andere ausschalten.“

Glück im Angesicht des Todes: Gibt es das?

Aufgrund eines tragischen Ereignisses, dem Tod eines guten Freundes von Jan, kam bei ihm, Alex und Eduard die Frage auf, ob und wie Menschen Glück empfinden, wenn sie auf der Schwelle zum Tod stehen.

Angesichts des Todes gibt es alles, berichten die Mitarbeiter des Hospizvereins den drei Schülern: Menschen, die friedlich im Kreise der Familie sterben genauso wie einen Streit noch am Sterbebett. Manchmal treffen sie auf Menschen, bei denen es ganz einfach ist, einen letzten Wunsch zu erfüllen -  so habe einmal ein schwer kranker Mann unbedingt ein Eis haben wollen und dies dann auch mit Genuss gegessen. Manchmal können die Helfer des Hospizvereins nur den Angehörigen Trost spenden, nicht den Sterbenden.

Erfüllend und glücksbringend ist diese Arbeit in jedem Fall für die Ehrenamtlichen des Vereines, die sich durch die Dankbarkeit der Sterbenden und ihrer Angehörigen beschenkt fühlen.

„Angesichts unserer eigenen Jugend und unserer geringen Erfahrungen mit dem Tod ist es für uns schwer, uns in die Situation eines Sterbenden hineinzuversetzen“, sagen die Schüler: „Für uns ist Glück schon, wenn die Noten einigermaßen stimmen, denn das Glück, gesund zu sein, nehmen wir als solches nicht wahr. Wir empfinden es als selbstverständlich und sehen die Dinge erst, wenn sie nicht mehr sind. Durch die Auseinandersetzung mit diesem Thema wurde uns erst bewusst, dass das Glück, keine Beschwerden zu haben und sorgenfrei zu leben, wohl das höchste Gut ist, welches man haben kann. Diesem Thema stellen sich jedoch die meisten Leute nicht und fühlen sich nur glücklich, wenn sie materielle Dinge besitzen, die ein anderer nicht hat.“

Was macht in welchem Alter glücklich?

Die These der Arbeit von Rebecca, Celine und Katharina lautet: „Glück ist ein subjektives Empfinden, das sich nicht nur von Person zu Person, sondern auch in den verschiedenen Altersstufen des Lebens wandelt.“ An sich selbst nehmen sie dies bereits wahr: „Früher haben wir uns bei Geburtstagen hauptsächlich auf die Geschenke gefreut, heute ist das gemütliche Beisammensein mit der Familie essentiell.“ Geht das allen so und wie geht es weiter? Um dies herauszufinden haben sie zahlreiche Menschen unterschiedlichen Lebensalters befragt. Ihre Ergebnisse:

Kinder wünschen sich häufig Spielzeug. Werden sie aber nach den Dingen gefragt, die sie glücklich machen, nennen sie ein liebevolles und intaktes Elternhaus und eine gute Beziehung zu den Geschwistern – viel Zeit in und mit der Familie.

Jugendlichen wollen genau da raus. Glück in Liebesbeziehungen finden. „Freiheit und Unabhängigkeit sind jetzt ein wichtiger Glücksindikator“, schreiben die drei Schülerinnen. Die ersten Reisen ohne die Familie, Schulabschluss, eigene Arbeit.

Der nächste Wechsel erfolge meist mit Anfang 20: Glück bedeute in diesem Alter zum einen Unabhängigkeit, aber auch Sicherheit in beruflicher und sozialer Sicht. Es folgt die Gründung einer eigenen Familie, ein eigenes Heim.

„Dies verdeutlicht noch einmal die Bedeutung der Familie in Bezug auf Glück“, schließen die Schülerinnen: Erst die Herkunfts-, dann die eigene Familie. Dazu passt, dass nach einer Zwischenphase, in der noch einmal Freunde und Selbstverwirklichung eine große Rolle spielen, im Rentenalter oft die Enkel als Glücksfaktor genannt werden. Außerdem: Gesundheit und Selbstbestimmtheit.

„Genauso wie ein Mensch verschiedene Lebensphasen durchläuft, ändert sich auch die Einstellung zum Glück.“

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Glück wäre die Aufenthaltsgenehmigung: Gespräch mit einem Flüchtling

Antonia, Franziska und Ibrahim besuchten die Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge in der Wilhelm-Busch-Straße. Ihr Interviewpartnerin war eine junge Armenierin, die seit fast zehn Jahren in Deutschland lebt, aber nach wie vor ohne Aufenthaltsgenehmigung ist.

 An Glücksmomente in der alten Heimat kann sie sich kaum erinnern. „Im Nachhinein empfinde ich es jedoch als Glück, eine Arbeitsstelle besessen zu haben“, berichtet sie den Schülern. Sie habe nicht das Gefühl, in Deutschland mehr Glück zu erfahren: „Die andauernde Ungewissheit bezüglich meiner Aufenthaltserlaubnis belastet mich sehr.“ Kraft und Hoffnung zieht sie aus ihrer Familie, die auch in Deutschland lebt. „Die warme Unterkunft, meine Familie und das geregelte Einkommen sind meine bisherigen Glücksmomente in Deutschland gewesen“, sagt sie.

Den Schülern selbst macht das Gespräch ihr Glück bewusst: „Das Gefühl, seine Liebsten jeden Tag um sich zu haben, macht uns glücklich, denn wir wissen, dass nicht jeder dieses Glück hat. Aber nicht nur in solchen Situationen empfinden wir Glück. Glück wird unserer Meinung nach von vielen Faktoren, wie Ort und Zeit oder den persönlichen Einstellungen beeinflusst. Wenn wir an die Schule denken, sind es schon die kleinen Dinge, die uns glücklich machen. Zum Beispiel, wenn der Nachmittagsunterricht ausfällt und wir endlich mal wieder ein bisschen Freizeit haben neben dem täglichen Lernen.“

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Vom Glück, gebraucht zu werden

Auch Carolin, Christian und Susanna suchten sich Gesprächspartner in einer Einrichtung für Menschen, die vermeintlich nicht vom Glück begünstig sind, der IdA – Integration durch Arbeit.  Außerdem ließen sie sich von Hannes Schott, dem Pfarrer der Bayreuther Lutherkirche, beraten. Der sagt: „Wichtig ist, dass ich während einer Tätigkeit merke, dass ich zufrieden bin.“

Das trifft auch auf die Interviewpartner zu, die in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung arbeiten. „Jeder Mensch braucht eine Aufgabe. Eine Aufgabe zu haben und diese zu erfüllen, ist auch Glück für mich“, erzählt ihnen einer der Arbeiter, der als Kind einen schweren Autounfall überlebte, inzwischen aber wieder alleine leben kann – was ihn stolz und damit auch glücklich macht.

„Wenn wir von Glück reden, dann geht es – wie wir mittlerweile finden – häufig um belanglose Dinge“, schreiben die drei Schüler. Um Noten oder Geschenke. Jetzt sei ihnen klar geworden, dass Glück oft gemeinsam mit Freude, Spaß, Zufriedenheit und Stolz verwendet wird – Gefühle, die jeder Mensch in anderen Zusammenhängen empfindet. Glück könne man daher nicht näher definieren ist ihre Schlussfolgerung. Aber man kann es sich bewusst machen. Dafür geben sie einen Tipp von Schott weiter: Einen täglichen Tagebucheintrag zum Thema „Was ist mir heute Gutes passiert“. Aufschreiben, nachlesen, dankbar sein. Vielleicht sogar glücklich?

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Was passiert in unserem Körper?

Leoni und Romina untersuchten für ihr Glücksprojekt, was in unserem Körper vor sich geht, wenn wir Glück empfinden, was hinter Begriffen wie „Botenstoffe“ und „Glückshormone“ steht, wie Dopamin, Endorphin, Sorotonin, Noradrenalin und Oxytocin wirken und zusammenwirken. Ihr Fazit: „Interessant ist, dass nachgewiesen werden konnte, dass Bereiche im Gehirn, die vermehrt beansprucht werden, wachsen können. Falls nicht schon so veranlagt, kann man sich, genau wie einen Sixpack, auch positive Gedanken antrainieren. Jeder ist also fähig, die größtmögliche Dosis Glück aus seinem Gehirn zu holen. Diese ist in grenzenloser Menge vorhanden, nicht gesundheitsschädlich, kostenlos und für Menschen aller Altersgruppen geschaffen.“

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Was ist Glück an Weihnachten?

Diese Frage stellten sich Lisa, Anja und Natalie. Dazu haben sie Menschen aus verschiedenen Altersgruppen befragt, angefangen von der fünfjährigen Marie, die es glücklich macht, mit ihrem Bruder Geschenke auszupacken und dann mit ihm zu spielen, bis hin zum Ehepaar Gisela (75) und Franz (80), die glücklich sind, gesund zu sein und noch ein Weihnachten zusammen zu erleben. Ihr Ergebnis: Die Weihnachtszeit, in der sich die Familie trifft und beschenkt bedeutet den Menschen tatsächlich viel und macht sie glücklich – mit einer Einschränkung im mittleren Lebensalter, bei denen, die oft Ausrichter der Feierlichkeiten sind. Tanja (43) sagte: „Ich bin glücklich, wenn Weihnachten vorbei ist, dann habe ich keinen Stress mehr.“  Entsprechend lautet das Fazit der drei Schülerinnen: „Es mag nicht jeder ein Freund von Weihnachtsgeschenken und Bräuchen sein, aber dennoch genießen es wohl die meisten Menschen, an diesen besinnlichen Tagen Zeit mit ihren Liebsten zu verbringen. Auch für uns ist das größte Glück an Weihnachten, Zeit mit unseren Familien zu verbringen. Aber wie vermutlich viele, freuen auch wir uns über kleine Aufmerksamkeiten unter dem Weihnachtsbaum.“

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Info: Otto Guggemos, Pfarrer in Heinersreuth und Religionslehrer an der BOS/FOS betreute die Arbeiten der Schüler.