Schönheits-Chirurgie im Intimbereich: Schamlippen sind die neuen Problemzonen Ein Trend zur Designer-Vagina?

Von Susanne Will

Frauen haben eine neue Problemzone: die Vagina. Schönheits-Chirurgen sprechen von einem wahren Boom:  Die Zahl der Eingriffe, um vor allem die inneren Schamlippen zu verkleinern, sei sprunghaft gestiegen. Geht der Trend zur Desginer-Vagina? Oder liegt da ein echtes Problem vor? Sabrina Fauch*, 42, hat sich die Schamlippen verkleinern lassen.

Viele Frauen trauen sich nicht mehr in den Bikini. Um den Grund zu entfernen, suchen sie immer häufiger einen Schönheitschirurgen auf. Foto: Daniel Kahrmann/dpa Foto: red

„Meine inneren Schamlippen haben etwa drei Zentimeter aus der Vagina herausgeragt“, erzählt die Frau, die nicht erkannt werden möchte. Im Bikini wollte sie sich kaum noch zeigen. Sie bestätigt: Das sei für sie ein ästhetisches Problem gewesen.  Aber eben nicht nur: „Beim Fahrradfahren, manchmal beim Sitzen und beim Sex hat das geschmerzt.“

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3000 Euro für die Operation

Die Krankenkasse zahlte den Eingriff nicht, etwa 3000 Euro kostete  sie die Operation. Jetzt ist sie erleichtert: „Ich gehe gerne wieder ins Freibad. Und ich fühle mich einfach wohler.“

„Das ist der Hauptgrund, warum Frauen zu mir kommen“, sagt der Plastische Chirurg Dr. Hans-Peter Heckel aus Bayreuth. Er verhehlt allerdings nicht, dass es Frauen gibt, die sich ihre Vagina designen lassen.  „Es gibt in den Medien zahllose Sendungen über  Schönheitschirurgie und Schönheitsideale. Das bleibt nicht ohne Auswirkung.“  Frauen, die sich die Vagina nur verschönern lassen wollten, um einem Bild der pornoisierten Gesellschaft gerecht zu werden, seien selten. „Und die haben meist ein Problem mit ihrem Selbstwertgefühl.“

"Sexualität hat sich verändert"

Was Heckel auch beobachtet hat: „Die Sexualität hat sich verändert. Die Bereitschaft, etwas auszuprobieren, ist größer geworden. Ein Swingerclub-Besuch ist in manchen Kreisen bereits salonfähig geworden.“

Der Großteil allerdings wende sich an ihn, um ein Problem korrigieren zu lassen. „Diese Frauen haben Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, beim Sport.“ Sie würden lieber mit dem Arzt als mit ihrem Partner reden. Die jüngste Patientin, die er behandelte, war 22 Jahre alt.

Junge Frauen sind verunsichert

Vor drei Jahren begann er mit der Intimchirurgie. Seit 2008 operiert seine Kollegin Dr. Aletta Eberlein in der Intimzone. Sie sagt: „Durch die Mode, sich zu rasieren, wird der Blick auf die Vagina freigelegt.“ Und damit wird der weibliche Körper um eine Problemzone erweitert. „Gerade viele junge Frauen sind verunsichert, was normal ist und was nicht.“ Als Ärztin frage sie die Motivation der Frauen auch ab, warum sie sich für den Schnitt entscheiden. „Wenn eine von ihrem Mann gedrängt werden würde, lehne ich das in jedem Fall ab.“ Im Alltag kämen Frauen zu ihr, „die sich nicht an Models orientieren, sondern sich einfach wieder wohlfühlen wollen.“

Gesellschaft gegründet

Früher scheinen viele Fehler auf dem neuen Operationsfeld gemacht worden zu sein. Denn zu Dr. Dominik von Lukowicz kommen Frauen zum Nacharbeiten. Der Münchner von Lukowicz  ist Gründungsmitglied der Gesellschaft für ästhetische und rekonstruktive Intimchirurgie. Deren Zweck: Da die Intimchirurgie einen rasante Nachfrage erfährt, bilden sich die Mitglieder weiter, klären auf und unterstützen die behandelnden Ärzte, um eine Qualitätsverbesserung zu erreichen.

Dominik von Lukowicz: „Mittlerweile kommen Patientinnen zu mir, die das Ergebnis einer Operation korrigieren lassen wollen.“ Denn: Jeder Gynäkologe könne, quasi nach einem Wochenendseminar, innere Schamlippen verkleinern. „Jedoch“, sagt von Lukowicz, „es ist nicht so einfach: Nur wegschneiden funktioniert nicht.“ Häufig sehe es nach dem Eingriff schlimmer aus als vorher.

Großer Leidensdruck

„Der Leidensdruck der Frauen ist  groß: Schmerzen, wundreiben, Schwellungen. Dazu kommt das Gefühl, sich im eigenen Körper in intimen Situationen unwohl zu fühlen. Die Frauen gehen nicht in Fitnessclubs oder Saunen – das kann niemand nachvollziehen, der das Problem nicht kennt.“ Kritikern, die von Unfug sprechen, zeigt er Fotos von Betroffenen. Wenn die dann die bis zu neun Zentimeter langen Häute sehen, „rudern die sofort zurück“.

Er lehne allerdings auch Patientinnen ab. „Regelmäßig“, sagt er. „Es gibt Patientinnen mit einer verschobenen Selbstwahrnehmung.“ Denen zeige er Fotos verschiedener Vaginas – „so kann ich ihnen zeigen, was alles normal ist“. „Die Frauen müssen sich aber auch darüber klar sein: Es ist eine Operation. Das kann man nicht auf die leichte Schulter nehmen.“

Die Kassen zahlen nichts

Zwischen 1500 und 4000 Euro kosten Eingriffe bei ihm, je nach Schwierigkeitsgrad. Die Kasse zahle nichts. Auf was müssten die Patientinnen achten, wenn sie nach einem Arzt suchen? „Das ist eine junge Chirurgie, die immer mehr Zulauf erfährt. Und auch die Kollegen sehen darin einen Markt und wissen, dass sich damit Geld verdienen lässt. Mittlerweile steht auf der Webseite jedes Hautarztes, dass er Intimchirurgie vornimmt. Doch 90 Prozent davon habe ich noch nie auf einem unserer Kongresse gesehen.“

Er rät: Die Frauen sollten beim Gespräch herausfinden, ob der Arzt Erfahrungen hat. Die Frauen sollten ihm auf den Zahn fühlen, er sollte eine Zahl an Operationen nennen können. Sie sollten nach Techniken oder Standardmethoden fragen. Und ein gutes Indiz sei, wenn der Arzt auch über Schwierigkeiten redet. „Ich hatte die auch – aber die bekommt man nur, wenn man operiert.“