Schmelze glüht wie Lava im Gießofen

Von Kerstin Goetzke

Mit praktischen Übungen machen die angehenden Metall- und Glockengießer, so heißt der Ausbildungsberuf offiziell, erste Erfahrungen im Bereich der Kunstgießerei. Für die meisten Schüler ist das der Höhepunkt des Blockunterrichts in der Berufsschule.

Für einige der Auszubildenden ist der Tag, an dem die Schmelze wie Lava im pfeifenden Induktionsofen glüht und später in die Gussformen gefüllt wird, ein spannender Tag und wohl der Höhepunkt des Blockunterrichts. „Hier ist alles noch echte Handarbeit“ sagt Lehrer Robert Thurn. Denn in vielen Betrieben läuft der Guss maschinell ab.

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Flüssiges Metall kühlt ab

So ist der Ablauf in der Schule: Eine Sandform wird nach der anderen befüllt. Bereits nach etwa einer Viertelstunde ist das flüssige Metall so weit abgekühlt und erhärtet, dass man die Sandformen öffnen kann und das Ergebnis sichtbar wird. Dabei werden auch Fehler sichtbar. Es sei genauso wichtig, dass man das Ergebnis eines Fehlers sieht, der in der Vorbereitung eingebaut wurde, sagt Thurn.

Etwa einen Tag brauchen die gegossenen Figuren oder Wappen, bis sie ganz abgekühlt und fertig zur Weiterverarbeitung sind. „Das theoretische Wissen ist für alle Auszubildenden weitgehend identisch“, erklärt der Lehrer weiter. Egal ob Metall- oder Glockengießer.

Nur ein Auszubildender

In der Praxis allerdings muss der Ausbildungssektor „Glockengießen“ Abstriche machen: Weil es aktuell nur einen Auszubildenden in ganz Deutschland gibt, der in Pegnitz unterrichtet wird (wir berichteten). Der Rest der Klasse konzentriert sich auf das Metallgießen mit Fachrichtung Kunstguss. Kunstgießer stellen unter anderem Figuren aus Bronze her, aber auch Wappen und Plastiken. Dazu wird ein Modell aus Holz, Styropor oder Kunststoff in eine Silikonform übertragen. Diese erhält eine stabile Gipsform und aus dem Silikon wird wiederum ein Wachsmodell angefertigt.

90 Prozent Kupfer

Dieses wird mit einer speziellen Masse aus Gips und Schamott ummantelt und mit der flüssigen Bronzelegierung, die zu 90 Prozent aus Kupfer und zehn Prozent aus Zinn besteht, befüllt. Dabei schmilzt das Wachs und die Gipsmasse wird nach dem Erkalten entfernt. „Wenn Künstler ein Modell anfertigen, das in Bronze gegossen werden soll, ist es für sie immer besser, nicht von Anfang an Wachs zu bringen. Lieber Holz oder Kunststoff. Denn wenn beim Gießen etwas schief geht, ist die Wachsfigur kaputt und der Künstler muss von vorne beginnen und ein neues Modell anzufertigen“, so Thurn.

Im Anschluss daran muss unter anderem das Einflussloch des Metalls entfernt werden. Danach ist das gegossene Werk bereit, um gegebenenfalls bestrahlt zu werden. Dabei erhält es einen Überzug, mit dem die Oberflächenfarbe verändert werden kann. Zusammen mit Jürgen Tauber unterrichtet und betreut Thurn im Blockunterricht die Schüler an der Schule.

Die Gipsmasse wird entfernt

Er selbst ist gelernter Feinwerkmechaniker und hat sich das Wissen für die Gießer durch Fortbildungen, Praktika in (Glocken-)Gießereien und Kollegen angeeignet. Mit den Schülern geht Thurn die praktischen Abläufe des Bronzegießens in der schuleigenen Gießerei durch. Dazu sind zwei Schmelzöfen vorhanden, die eine Temperatur von 1100 Grad Celsius erreichen. Wenn das Metall geschmolzen ist, verteilen die Lehrer die Aufgaben an ihre Schützlinge. So werden aus anderen Formen, die im Gegensatz zum Wachs aus verdichtetem Sand bestehen, beispielsweise Wappen oder Figuren eines traditionellen Gießers. Das Sandform- oder Sandgussverfahren funktioniert nach dem Prinzip der verlorenen Form – das bedeutet, dass die Form nach einmaliger Verwendung zum Auslösen des Gusskörpers zerstört wird. Zum Guss in einer Sandform wird ähnlich wie für die Wachsvariante ein Gießereimodell in Sand abgeformt, dann entfernt und der verbliebene Hohlraum mit dem geschmolzenen Werkstoff ausgegossen. Nach dem Erstarren des Gusskörpers wird der Sand entfernt, um das Werkstück zu entnehmen.