Schloss Thurnau Im Nordflügel sind 500 Jahre alte Malereien frei gelegt worden

Während der Bauarbeiten im Zuge der Sanierung des Nordflügels erlebte Restaurator Uwe Franke aus Wernstein „eine Sensation“. Unter dem Putz des ehemals großen Saals in der obersten Gebäudeebene fanden sich historische Malereien „in einem Alter und einer Qualität, wie wir sie im ganzen Landkreis vergeblich suchen“.

Der im Jahr 1430 erbaute Nordflügel ist neben der Kemenate der älteste Gebäudeteil der Thurnauer Schlossanlage. Bereits die Befunde der Voruntersuchungen ließen den Schluss zu, dass an den Wänden etwas überputzt worden sei. Dass es sich dabei um „solch einen Schatz“ handeln würde, war auch dem Baudenkmalpfleger nicht bewusst.

„Wir haben hier Darstellungen des höfischen Lebens gefunden“, erklärt Franke. Sie stammten vermutlich aus der Zeit des Wolf Förtsch von Thurnau, der von 1511 bis 1551 lebte. In einer Inschrift werden er und seine Gattin Anastasia von Vestenberg erwähnt. Darüber wurden Fragmente eines Wandgemäldes entdeckt, das einen Ritter und den Gekreuzigten zeige. Dabei handelt es sich wahrscheinlich um ein Gedächtnisbild, vermutet Franke. Der Ritter in Rüstung scheint auf Knien zu beten.

Der Baudenkmalpfleger und die Arbeiter entdeckten noch weitere Jagdszenen mit Rehen und Hunden im eingezäunten Revier und einen Jagdhornbläser. Und florale Elemente in Farbe zierten einst Fenster- und Türöffnungen.

„Wir haben alles konserviert, stabilisiert und für die Zukunft gesichert“, sagt der Fachbauleiter, der eine Spezialfirma und den Landesamtsrestaurator hinzugezogen hat. Die Funde sollen noch digitalisiert werden. So könnten sie am Computer vervollständigt und in Modelle übertragen werden. Damit wäre es möglich, das Aussehen des mittelalterlichen Saals zu rekonstruieren.

Für die künftige Nutzung durch die Institutsmitarbeiter wurde der älteste, bewohnte Teil der einstigen Burg unterteilt. Aus dem großen Saal wurden zwei Räume, im hinteren Bereich mit einem Multifunktionsraum für Vorträge und Aufführungen.

Dünnschichtige, cremefarbene Kalkputze weisen auf die historische Bauzeit hin. Die Oberflächen sind nur leicht geglättet worden, sodass das steinerne Mauerwerk darunter sichtbar bleibt. „Das Erleben der Malerei war uns wichtiger.“ Ein Arkadengang aus Naturstein an der Fassade weist auf die Vorgängerburg hin. Die Fensterbögen sind noch zu erkennen. Die erneuerten Wände sind dagegen weiß getüncht worden.

Die noch erhaltenen Kachelöfen stammen aus dem 19. Jahrhundert. Die Tapeten an den Wänden seien ebenfalls „nicht sehr alt“. Dennoch wurden sie konserviert und überarbeitet. Durch manche Öffnungen kann man sie noch erblicken.

Wie Kastellan Ralf Wirth weiß, wurde der Nordflügel um 1477 ergänzt, im Jahr 1675 war er fertig. „Leider haben wir keine Unterlagen mehr über das Rittergeschlecht von Wolfram Förtsch.“ Die Dokumente seien in Bamberg eingelagert und bei einem Brand vernichtet worden.

Restaurator Franke ist glücklich, diese „brillante, ganz besondere Wandmalerei“ entdeckt zu haben. Die freigelegten Stellen erlauben eine Rückschau in die Vergangenheit. Ihr Schöpfer wird wohl nicht mehr zu ermitteln sein.

 

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