Schloss Thurnau Forschen über fränkische Geschichte an historischer Stelle

THURNAU. Noch sind im künftigen Institut für Fränkische Landesgeschichte die Handwerker zugange. Der Umzug in den Nordflügel des Thurnauer Schlosses steht kurz bevor: Im Oktober sollen die Bauarbeiten beendet sein.

Gegründet wurde die Forschungseinrichtung der Universitäten Bayreuth und Bamberg vor über zwei Jahren. Die übergangsweise in Zimmern des Schlosshotels untergebrachten Historiker sollten bereits umgezogen sein. Doch die Sanierung des jahrhundertealten Gemäuers förderte immer wieder Überraschendes zutage. Und bei den Fußböden waren Nachbesserungen anzumahnen, da falsches Material verwendet worden sei.

Falscher Fußboden

Der Vorstand der Gräflich Giech'schen Spitalstiftung, Klaus Bodenschlägel, will am liebsten kein Wort mehr darüber verlieren. Aber klar ist, dass dies der Hauptgrund dafür ist, wenn das Institut verspätet bezogen werde. Grundsätzlich findet er: "Zweieinhalb Jahre Umbauzeit für ein Denkmal sind nicht besonders viel." Zumal das Schloss selbst für unvorhergesehene statische, archäologische und restauratorische Befunde sorgt.

So sind unlängst im zweiten Stockwerk des Nordflügels historische Wandmalereien aufgetaucht. "Sie zeigen Jagdszenen und sind sehr wertvoll für uns", sagt Kastellan Ralf Wirth. Der Gebäudeteil, der außen zum Markt und innen zum Unteren Schlosshof schaut, stammt ursprünglich aus dem 15. Jahrhundert und ist im Jahr 1675 fertig gestellt worden.

Bibliothek mit Arbeitsplätzen

Der Nordflügel umfasst 900 Quadratmeter vermietbare Fläche. In den Räumen mit den mittelalterlichen Fenstern und Gewölben, in denen Filmszenen ("Katharina Luther", "The Happy Prince") entstanden, sollen bald Studenten arbeiten. Denn hier werden die neuen Bibliotheksräume mit Arbeitsplätzen untergebracht. Hier bleibe der Original-Steinboden erhalten, der jedoch begradigt worden sei, erläutert Bodenschlägel. Von hier aus gelangt man in den Zwinger, den ehemaligen Wassergraben der Burg. In Richtung Kemenate ist das neue Fluchttreppenhaus entstanden. "Der Aufbau fällt kaum auf", sagt Bodenschlägel zufrieden. Abwasserleitungen und Stromkabel wurden im Untergrund verlegt. Eine Brandschutztür führt zum Markt, so dass die Feuerwehr schnell Zugang zum Schloss hätte.

Rund acht Millionen Euro Kosten

Verteidigen, Wohnen, Forschen: "Jede Zeit hat ihre Nutzung", sagt der Stiftungsvorstand und bedankt sich im Namen von Landrat Klaus Peter Söllner bei den Zuschussgebern. Erst sie haben die Restaurierung des Schlossflügels möglich gemacht. Fast acht Millionen Euro koste die Sanierung, die im Oktober beendet werde. Losgehen konnten die Bauarbeiten dank einer Anschubfinanzierung der Oberfrankenstiftung.

Bürgermeister und Stiftungsratmitglied Martin Bernreuther nennt die Schlossanlage "das Wahrzeichen unseres Marktes". Dass sie in der Vergangenheit nicht mehr in vollem Umfang genutzt werden konnte, habe vor allem finanzielle Gründe. "Seitdem im Jahr 2015 der Bund als Fördergeber eingestiegen ist und die Anlage als Nationales Baudenkmal anerkannt wurde, sind die Möglichkeiten ganz andere." Das Geschichts-Institut sei "eine tolle Bereicherung" und bringe in den kommenden Jahren viele junge Menschen nach Thurnau. "Ich freu mich drauf."

Die anteiligen Kosten des Marktes an der Sanierung sind Bernreuther zufolge von Bauabschnitt zu Bauabschnitt unterschiedlich. Daher ließen sie sich noch nicht genau beziffern.

Obwohl der Zeitplan nicht eingehalten werden konnte, macht er Bodenschlägel, dem Büro Spindler aus Kronach und den beteiligten Baufirmen ein großes Kompliment für die Bauabwicklung. "Alle haben sich ins Zeug gelegt." Der Untere Schlosshof habe auch in diesem Sommer als Kino-Kulisse und Theaterbühne genutzt werden können. Über weitere Nutzungsmöglichkeiten werde schon nachgedacht. "Mir ist es wichtig, dass auch die Thurnauer Bürger etwas vom Schloss haben."

 

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