Schlechte Vorzeichen Ohne Rhythmus und Vorbereitung nach Ulm

Galavorstellung: Mit 32 Punkten leistete Dylan Osetkowski (rechts) den entscheidenden Beitrag dazu, dass sich die Ulmer im Eurocup mit einem 88:76-Sieg gegen Brescia gute Chancen auf die Qualifikation für das Achtelfinale erarbeiteten. Foto: Imago Images

BASKETBALL. Mit etwas Verspätung startet Medi Bayreuth in die Bundesligasaison. Die Vorfreude dürfte allerdings nicht ganz ungetrübt sein, denn die Vorzeichen für die Partie am Samstag um 18 Uhr in Ulm erscheinen denkbar schlecht.

Die Niederlagen in den Pokal-Nachholspielen in Weißenfels gegen den Mitteldeutschen BC (114:123) und die Crailsheim Merlins (77:81) haben gezeigt, dass sich nach zweiwöchiger Quarantäne der zuvor erarbeitete Spielrhythmus nicht in wenigen Tagen zurückgewinnen lässt, und nun blieb nach dem Doppeleinsatz innerhalb von 24 Stunden auch noch lediglich ein einziger Ruhetag zur Erholung und Vorbereitung auf die nächste Aufgabe. Dabei hätte man die Bayreuther in Ulm wohl auch ohne diese Erschwernisse schon kaum als Favoriten einstufen dürfen.

Als „müde, aber zum Glück unverletzt“ beschreibt Medi-Trainer Raoul Korner die Verfassung seiner Mannschaft nach den Erfahrungen im Pokal, die auch für die Moral kaum förderlich waren: „Jetzt müssen wir erst mal durch diese Phase kommen, ohne allzu viel Selbstvertrauen zu verlieren.“ Die umfangreiche Spielpraxis nach der Zwangspause betrachtet der Coach als überaus schwachen Trost: „Eine auf mehrere Tage verteilte Spielpraxis wäre mir lieber gewesen.“

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Die geringe Zeit zur Vorbereitung auf die nächste Aufgabe stört Korner noch am wenigsten: „Taktik spielt in dieser Lage ohnehin eine sekundäre Rolle. Wichtiger ist, dass wir körperlich bestehen.“ Erinnerungen an das erste Testspiel der Saisonvorbereitung hält er nicht mehr für sehr hilfreich, obwohl die nach langer Führung knapp mit 95:97 verlorene Partie auf vielversprechendem Niveau stand: „Es ist oft so, dass der erste Test die Erwartungen übertrifft, weil alle munter drauflos spielen.“

In Ulm hat man dagegen nicht nur sehr viel mehr Spielrhythmus (vor allem dank bereits sieben Partien im Eurocup), sondern auch schon ein paar Erfolgserlebnisse. Im BBL-Pokal gelang trotz einer Auftaktniederlage gegen Bamberg (65:74) die Qualifikation für das Top-Four-Turnier, weil dank des klaren 92:72-Siegs gegen Vizemeister Ludwigsburg die Korbdifferenz im Gesamtvergleich der drei punktgleichen Teams den ersten Platz in Gruppe C sicherstellte. Und im Eurocup rückte der einzige deutsche Vertreter am vergangenen Dienstag durch einen 88:76-Sieg gegen Germani Brescia aus Italien auf den vierten Gruppenplatz vor, der am Ende zur Teilnahme am Achtelfinale ausreichen würde. Herausragend war dabei die Leistung des gerade erst von einem Magen-Darm-Infekt genesenen Centers Dylan Osetkowski mit 32 Punkten und sieben Rebounds. Glänzende Trefferquoten (5/7 Zweier, 4/5 Dreier, 10/10 Freiwürfe) bescherten ihm dabei einen außergewöhnlichen Effektivitätswert von 41.

Dabei konnte man fast übersehen, dass die Ulmer derzeit ohne den an der Schulter verletzten Österreicher Thomas Klepeisz auskommen müssen. „Sein Ausfall schmerzt mich vermutlich mehr als die Ulmer“, sagt Österreichs Nationaltrainer Raoul Korner.

Stimme des Gegners: Als Kind bei trauriger Bayreuth-Fahrt

Kein anderer Spieler im Kader von Ratiopharm Ulm hat so viele Erinnerungen an Begegnungen mit Bayreuth wie Per Günther. Schließlich gehörte der heute 32 Jahre alte Spielmacher schon zum Stammpersonal der Schwaben, bevor das damals noch unter dem Vereinsnamen BBC firmierende Medi-Team 2010 in die höchste Spielklasse aufgestiegen ist. Bei der Frage nach seiner persönlichsten Erfahrung geht er aber sogar noch viel weiter zurück: „Es muss in den frühen 90er Jahren gewesen sein, als mein Vater als Co-Trainer tätig war. Da durfte ich als Kind mal im Teambus nach Bayreuth mitfahren. Es war ein ganz wichtiges Spiel, damals noch gegen Steiner Bayreuth, glaube ich – Playoff sogar –, und wir haben es knapp verloren. Ich weiß noch, wie traurig wir heimgefahren sind.“

Überraschend ist auch Günthers Antwort darauf, was er nach all den Jahren als typisch „bayreutherischen“ Faktor bezeichnen würde, auf den man sich trotz der alljährlichen personellen Veränderungen immer einstellen muss: „Die linke Klebe von Andi Seiferth! Die hat uns schon oft wehgetan.“Auch von den aktuellen Kräfteverhältnissen hat man in beiden Lagern schon eine Vorstellung, nachdem sich die Mannschaften bereits in einer frühen Phase der Saisonvorbereitung in einem Testspiel gegenüber standen. „Grundsätzlich habe ich eine sehr hohe Meinung von Bayreuth“, sagt Günther. „In diesem Spiel kam mir das Team schon sehr stark vor, und das hat sich mit dem Sieg im Pokal gegen Bayern München ja auch bestätigt.“ Abzuwarten bleibe allerdings, wie es unter den besonderen Umständen um die Tagesform bestellt sein wird: „Erst die Quarantäne, dann eine Trainingswoche mit gleich zwei Spielen – wie sich das auswirkt, ist nicht ganz klar. Ich erwarte, dass die Bayreuther Mannschaft in der Lage ist, um die Playoffs mitzukämpfen. Aber im Moment können wir vielleicht hoffen, dass sie nicht ganz auf der Höhe ist.“