Schick: Werden Menschen wegen ihrer Nationalität oder sexuellen Orientierung abgelehnt oder gar als minderwertig betrachtet, müssen die Kirche und jeder Christ aufstehen und sagen: «Nicht mit uns!»
Hat sich seit der jüngsten Papst-Enzyklika «Amoris laetitia» eigentlich etwas verändert im Erzbistum Bamberg und in Deutschland?
Schick: Eine Enzyklika verändert die Kirche nicht von heute auf morgen. In dieser Enzyklika geht es um Ehe und Familie. Wir haben weltweit das Problem, dass die Familien instabiler werden zum Schaden der einzelnen Menschen, besonders der Kinder und der Gesellschaft. Diese Enzyklika trägt dazu bei, die Familien zu stärken.
Sollte sich die katholische Kirche mehr öffnen, zum Beispiel was das Zölibat oder eine erneute Heirat betrifft?
Schick: Man kann nicht die Basics aufgeben, das bringt nichts. Ohne Verbindliches gibt es nichts Verbindendes! Wie soll ein Leben möglich sein, wenn es nichts gibt, woran sich alle Menschen halten? Aber auf der Grundlage dieser Basics müssen auch Öffnungen und Veränderungen, Freiheiten und Eigenverantwortung möglich sein. Dazu gibt der Papst derzeit gute Impulse: Bestand und Öffnung.
Zur Person: Der Philosoph und Theologe Ludwig Schick (66) ist seit 2002 Erzbischof von Bamberg und seit bald zehn Jahren Vorsitzender der Kommission X «Weltkirche» der Deutschen Bischofskonferenz.
dpa