Schaurige Geschichten aus Prüllsbirkig Die gute Fee im Dorfbrunnen

Das Wasser im Prüllsbirkiger Dorfbrunnen soll heilende Kräfte besitzen. Die Brunnenfee wacht über das unverzichtbare Lebenselixier und bewahrt die Bewohner vor Leid. Das Schneiderkreuz zeugt heute noch von der Begebenheit. Interessierte finden es im Prüllswalde. Foto: Martin Burger

Die Brunnenfee wacht über das unverzichtbare Lebenselixier

Es hat oftmals etwas Urig-Romantisches und gibt einen Einblick in die Fantasie und Mentalität der vergangenen Generationen, wenn Volkssagen erzählt – oder vielmehr – weitererzählt werden. Übernatürliche Dinge, die sich zunächst nicht erklären ließen, wurden gerne mittels einfallsreicher Erzählungen erläutert. Meist mündlich, von Generation zu Generation weitergetragen, wuchs eine Sage im Inhalt kontinuierlich an, wurde ausgeschmückt und der jeweiligen zeitlichen Epoche angepasst. Einige dieser Sagen aus unserer Region wollen wir in einer kleinen Serie nun vorstellen und dem Leser wieder ins Gedächtnis rufen.

Der Pottensteiner Ortsteil Prüllsbirkig hat seit Kurzem einen eigenen Ortssprecher. Mathias Fuchs kümmert sich nun um die Belange, Sorgen und Anliegen der dortigen Bürger und trägt diese ins Rathaus nach Pottenstein. Einige Sagen der Fränkischen Schweiz drehen sich rund um das schöne Dörfchen. Und wenn man einer Sage Glauben schenken mag, dann benötigt Mathias Fuchs gar nicht so viel Überzeugungskraft, denn im Dorfbrunnen der Gemeinde – der dringend einige Reparaturen nötig hat – lebt laut Aberglauben eine Brunnenfee.

Zur ersten Sage: Sehr markant und kaum zu übersehen steht inmitten des Dorfes Prüllsbirkig das Wahrzeichen des Ortes: der große Brunnen. Dabei zeugt die aufwendige Bauart von der großen Bedeutung dessen, was sich darin befindet. Denn das Wasser war und ist schon immer das unverzichtbare Lebenselixier des Menschen. Und auch das Vieh, welches die Landwirte für ihren Hof benötigen, sehnt sich nach dem kühlen Nass. Somit ist schon immer ein Brunnen Sinnbild des Lebens. Wahrscheinlich gibt es auch deshalb die Geschichte der Prüllsbirkiger Brunnenfee. Denn diese wacht darüber, dass das Wasser stets ausreichend vorhanden ist. Und kümmert sich darum, dass es auch trinkbar ist. Dadurch beschützt sie die Dorfbewohner seit jeher vor Not und Elend und wird wahrscheinlich auch deshalb von den Bürgern verehrt. Doch was wäre denn so ein schöner Brunnen mit einer Brunnenfee ohne das zusätzliche kleine Extra? Natürlich verfügt der Brunnen – laut Sage – auch noch über Heilkräfte. So soll das Wasser gegen diverse Hautkrankheiten helfen. und diejenigen, die in der Osternacht aus dem Brunnen trinken, würden das ganze Jahr von Halsschmerzen aller Art befreit werden. Mit so viel Rückenwind, guter Gesundheit und einem stets freien Hals sollte es für Ortssprecher Mathias Fuchs ein Leichtes sein, sich für die vielen Wünsche des Dorfs einzusetzen.

Zur zweiten Sage: Den drei Pottensteiner Handwerksgesellen konnte der Prüllsbirkiger Brunnen keine großartige Gesundheit verschaffen, wie diese Sage uns erzählt. Auf der Kirchweih im selbigen Brunnendorf buhlten einst die drei Gesellen um dasselbe hübsche Mädchen. Ein jeder machte sich Hoffnung, die Holde so sehr zu beeindrucken, dass diese mit ihm das Band der „Freundschaft“ einginge. Doch wie schon so oft, wenn es Streit um eine Frau gibt, geht keiner als Sieger hervor. Die Burschen – ein Schneider, ein Schuster, und ein Schmiedgeselle – gerieten nämlich derart in Streit, dass sie sich wechselseitig den Tod wünschten. Noch in derselben Nacht lauerten die drei einander im Prüllswalde auf und schlugen sich kräftig. An der Stelle im Prüll, an der heute noch das Schneiderkreuz zu finden ist, verblutete der Schneidergeselle jämmerlich. Die beiden anderen schwer verletzten Burschen kamen indes auch nicht recht weit. Im Haselbrunnbachtal, in der Nähe des Teufelsschritts hauchte der Schustergeselle sein Leben aus und am Ende des Totentals verstarb schließlich auch der Schmiedgeselle. Das Schneiderkreuz und der Schusterstein zeugen heute noch von dieser Begebenheit. Die Brunnenfee konnte keinem der drei Burschen mehr helfen.

Zur dritten Sage: Der bereits genannte Teufelsschritt ist kein unbekannter Ort für die Pottensteiner Bürger. Am Ende des Totentals liegt die sagenumwobene, felsumsäumte Waldstelle an der Abzweigung von Pottenstein nach Prüllsbirkig. Dort erzählt man sich ebenfalls eine schaurig schöne Sage. Der Leichnam einer Hexe aus Mandlau sollte mit einem Fuhrwerk zum Friedhof nach Pottenstein gebracht werden. Auf dem Weg scheuten die Pferde am Teufelsschritt und waren mit keiner Macht der Welt dazu zu bringen, ihren Weg weiter fortzusetzen. Kurzerhand nahm man den Leichnam der Hexe aus dem Sarg und legte stattdessen einige schwere Holzscheite hinein. Die Pferde taten wieder ihre Arbeit und zogen die Kutsche Richtung Pottenstein. Die Hexe wurde im angrenzenden Wald an Ort und Stelle vergraben, weshalb es bis heute im Teufelsschritt umgeht und nicht geheuer ist. Ein seltenes Passionskreuz (Mandlauer Kreuz) wurde als Schutzkreuz am Teufelsschritt aufgestellt.

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