Erkersreuth In Philip Rosenthals Schloss kehrt das Leben zurück

Einen Marathon der besonderen Art absolvierte Dominik Voigt vom Förderverein des Erkersreuther Schlosses am Sonntag: Fachkundig erklärte er sechs Besuchergruppen sechs Stunden hintereinander Besonderheiten wie das Teller-Kunstwerk im repräsentativen Foyer. Foto:  

Comeback mit Glanz und Gloria: Interessierte drängen am Tag des Denkmals durch das Erkersreuther Schloss. Der neue Besitzer, die Stiftung Kulturerbe Bayern, bietet im ehemaligen Wohnhaus ­ des exzentrischen Selber Porzellankönigs Non-Stop-Führungen an, um den Riesenrun­ zu bewältigen. Philip Rosenthal ließ sein Barock-Refugium ­ ­ von weltbekannten Künstlern aufpeppen.

Selb - „Willy Brandt war da, Franz Josef Strauß auch. Und Andy Warhol .“ So charakterisiert die Stiftung Kulturerbe Bayern das Schloss Erkersreuth, das frühere Refugium des 2001 gestorbenen Porzellanunternehmers Philip Rosenthal. Selbst posthum bleibt dieser Begegnungsort ein Publikumsmagnet.

Sechs einstündige Rundgänge

Am Tag des Denkmals meldeten sich bei der Stiftung Kulturerbe Bayern, die der Firma Rosenthal das lange leer stehende Areal im April 2020 abgekauft hatte, so viele Interessierte an, dass Dominik Voigt vom Förderverein letztendlich sechs Gruppen auf einstündigen Rundgängen durch das 1748 erbaute Barockschloss geleitete, das modernes Design von Weltgeltung beherbergt. Rund 250 Gäste bestaunten am Sonntag die Fantasiewelten Rosenthals: vom Sahara-Sandboden im Schlafzimmer über die rote Halle mit Vasarely-Fliesen bis hin zum Hubschrauber-Propeller über dem Kamin im Wohnzimmer. Somit gelang schon zum Auftakt, was die Stiftung als Ziel formuliert: das stark renovierungsbedürftige Schloss samt umliegender Gebäude wieder zu einem inspirierenden Ort für Begegnungen im Sinne Philip Rosenthals zu machen. „Wir wollen die Menschen mitnehmen – das ist am Sonntag sehr gut gelungen“, freut sich Judith Schlumberger-Steger von der Geschäftsstelle Kulturerbe.

Ortsbewohner erinnert sich

Gekommen waren Kunst- und Architekturliebhaber ebenso wie Porzelliner und Ortsbewohner wie Dietmar Föhst aus Erkersreuth. Als Kind besuchte er „diverse Festivitäten“ im Schloss, weil seine Schwester mit Rosenthals Tochter Sheila befreundet gewesen sei, erzählt der 50-Jährige, der sich an das Beduinenzelt im Schlafzimmer ebenso erinnert wie an den Swimmingpool im Keller.

Vater legte den Grundstein

Mit Porzellanmalerei legte Geheimrat Philipp Rosenthal 1879 in Erkersreuth den Grundstein für seine weltbekannte Marke. Nach der Emigration seiner Familie nach England kehrte sein Sohn Philip Rosenthal 1947 nach Selb zurück. 1950 trat er in die von seinem Vater gegründete Porzellanmanufaktur ein und verwandelte das Erkersreuther Schloss in einen Gesamtkunstwerk, das zum Treffpunkt weltberühmter Politiker, Unternehmer und Künstler wurde.

Spannung aus Barock und Moderne

Jeder Raum überrascht bis heute mit ungewöhnlichen Eindrücken und Per­spektiven: Moderne Porzellankunst von internationalen zeitgenössischen Designern trifft auf fränkischen Barock – eine markante Mischung, die fasziniert und weltweit einzigartig ist.

Einladung zum Mitmachen
Wer sich dafür einsetzen will, dass einzigartige Kulturschätze wie das Erkersreuther Schloss dauerhaft erlebbar bleiben, kann sich beim Kulturerbe Bayern engagieren. Der gleichnamige Verein gründete sich 2015 mit Unterstützung des Landesamts für Denkmalschutz und des Münchner Kulturministeriums. Die Mitgliedschaft kostet zwei Euro pro Monat, man ist Gast bei exklusiven Veranstaltungen und profitiert von Aktionen. 2018 kam die Stiftung Kulturerbe Bayern dazu, die sich über Erträge, Spenden und Fördermittel­ finanziert. Wer will, kann auch als Volunteer selbst mit im Erkersreuther Schloss anpacken. Spenden sind ebenfalls willkommen auf dem Konto der Stiftung Kulturerbe Bayern  mit der IBAN: DE 38 7005 1540 0280 7801 98, Verwendung: Schloss Erkersreuth. Auskünfte gibt es in der Geschäftsstelle in Sulzemoos, Telefonnummer 08135/9377190, E-Mail: info@kulturerbebayern.de.
 

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