Schallmessung im Windpark Bürgerinitiative Vogelherd drängt Landratsamt zum Handeln

Hoch über dem Eckersdorfer Ortsteil Busbach drehen sich acht Windkraftanlagen, die bei Gegnern in der Umgebung immer wieder Protest hervorrufen. Sie befürchten unter anderem, dass sich die Windräder negativ auf die Gesundheit der Anwohner auswirken. Archivfoto: Andreas 
Harbach

ECKERSDORF/THURNAU. Acht Windkraftanlagen stehen auf dem Vogelherd – einer Anhöhe auf dem Gemeindegebiet von Eckersdorf und Thurnau. Mal drehen sie sich die Windräder, mal drehen sie sich nicht. Das hängt aber nicht nur vom Wind ab, sondern auch von Vorschriften. Gegner des Windparks sehen diese verletzt und haben sich nun an die Landräte der Landkreise Bayreuth und Kulmbach gewandt.

Man darf den Windpark Vogelherd wohl als einen der umstrittensten in der Region bezeichnen. Kurz nachdem die Anlagen in Betrieb gegangen waren, gab es mehrfach Streit um Greifvögel, deren Vorkommen in der Gegen den Betrieb einschränken sollte. Und plötzlich fand man die Tiere tot. Sogar die Staatsanwaltschaft hatte sich eingeschaltet, die Ermittlungen aber schließlich eingestellt. Und seit einiger Zeit sind es Anwohner, die Windräder argwöhnisch beobachten. Und nach eigener Aussage immer wieder beobachten, dass vorgeschriebene Abschaltzeiten und Grenzwerte zum Lärmschutz nicht eingehalten werden.

Landratsamt: Bisher keine korrekte Messung möglich

Hinter Madeleine Luhzing aus dem Eckersdorfer Ortsteil Busbach steht die Bürgerinitiative Vogelherd. Sie wirft den zuständigen Landratsämtern Bayreuth und Kulmbach nun in einem offenen Brief vor, mit ihrem Anliegen nicht ernst genommen zu werden. „Auf alle Beanstandungen durch die Bürgerinitiative Vogelherd haben Sie bisher wenig reagiert“, heißt es in dem Schreiben, das auch an den „Kurier“ ging. Die Windkraftanlagen „dröhnen ohne Unterlass“. Vor allem nachts sei „der schreckliche Lärm deutlich hörbar“. Der konkrete Vorwurf: Bis heute habe keine Schall-Immissionsmessung stattgefunden, obwohl diese spätestens sechs Monate nach Inbetriebnahme hätte erfolgen müssen.

Das Landratsamt Bayreuth bestätigt diese Behauptung auf Anfrage unserer Zeitung. Die Frist sei bei der Genehmigung der Anlagen festgelegt worden, habe aber bisher nicht durchgeführt werden können, „da bestimmte Rahmenbedingungen einzuhalten sind“, wie Michael Benz schriftlich mitteilt. Der Sprecher des Landratsamtes führt weiter aus, dass Windrichtung, Windgeschwindigkeit, Wetterverhältnisse und Witterungsbedingungen bestimmten Vorgaben genügen müssen, um eine aussagekräftige Messung zu bekommen. In den Sommermonaten hätten die Anlagen aufgrund der Vorgaben des Artenschutzes oft stillgestanden, was ebenfalls dazu geführt habe, dass keine Messung durchgeführt werden konnte.

Behörde und Bürgerinitiative widersprechen sich wechselseitig

Um die vorgeschriebene Messung zu bekommen, wolle das Landratsamt mit dem beauftragten Messinstitut nun einen anderen Weg einschlagen. Die vorgeschriebenen Messungen sollen nun nicht mehr auf einmal durchgeführt, sondern gesplittet werden. Das mache es einfacher, geeignete Zeitkorridore zu finden. Es habe allerdings schon „mehrere überschlägige Messungen“ durch einen Fachmann gegeben, die allesamt „die Einhaltung der geforderten Schallleistung bestätigt“ hätten. Dem hält die Bürgerinitiative eigene Messungen entgegen. Im offenen Brief ist von „deutlich höhren“ Werten als zulässig die Rede.

Deren Aussagekraft zieht wiederum das Landratsamt in Zweifel: „Bei den durch die betroffenen Anwohner durchgeführten Messungen wurden mit hoher Wahrscheinlichkeit erhebliche Fremdgeräusche (z. B. Blätterrauschen, Windgeräusche am Mikrofon) mit erfasst“, heißt es auf Kurier-Anfrage. Das Landratsamt verweist darauf, dass für die Anlagen auf dem Vogelherd aufgrund von Schattenwurf und Artenschutz bereits Abschaltzeiten gelten. Sollte die vorgeschriebene Schallmessung ergeben, dass Grenzwerte überschritten werden, könnten diese Abschaltzeiten weiter ausgedehnt werden. „Bislang liegen aber wie bereits erläutert keine Hinweise dazu vor“, sagt Behördensprecher Benz.

Befördern Windräder das Insektensterben?

Es ist nicht zu erwarten, dass die Bürgerinitiative Vogelherd sich in Geduld üben wird. Im offenen Brief schreibt sie: „Wir fordern, dass die Rechtsvorschriften zur Einhaltung von Abschaltzeiten und Schall-Immissionen eingehalten werden.“ Madeleine Luhzing macht außerdem ein neues Thema auf, das gegen den Betrieb von Windrädern spricht. Zu tausenden kämen an den Propellern jeder einzelnen Anlage Insekten zu Tode – vor dem Hintergrund des laufenden Bürgerbegehrens in Bayern ein Argument, das durchaus Gehör finden könnte.


Infraschall - für den Mensch schädlich oder nicht?

Infraschall – das sind Schallwellen, die auch von Windrädern erzeugt werden und sich aufgrund ihrer tiefen Frequenz weithin ausbreiten. Infraschall liegt allerdings außerhalb des Frequenzbereichs, den ein menschliches Ohr hören kann. Windkraftgegner verweisen aber immer wieder auf Studien, wonach sich Infraschall dennoch negativ auf das menschliche Wohlbefinden auswirke. Der Infraschall dringe „in unsere Häuser, in unsere Wohnzimmer, in unsere Schlafzimmer und in unsere Körper ein“, heißt es im offenen Brief der Bürgerinitiative Vogelherd.

Auf Nachfrage schreibt das Landratsamt Bayreuth, dass es bei der Genehmigung von Windkraftanlagen keine Vorschriften bezüglich Infraschall gebe – also für das Landratsamt als Genehmigungsbehörde auch keine Möglichkeit, mit dem Argument Infraschall zugunsten von Anwohnern in den Betrieb von Windrädern einzugreifen.

Behördensprecher Michael Benz verweist zudem auf eine Studie des Bayerischen Landesamtes für Umwelt aus dem Jahr 2016. Darin heißt es, dass Windkraftanlagen „nach heutigem Stand der Wissenschaft keine schädlichen Auswirkungen für das Wohlbefinden und die Gesundheit des Menschen“ haben. Das Landratsamt erklärt: „Weitere Untersuchungen mit zum Teil abweichenden Ergebnissen sind nicht belastbar."

 

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