Bei zwei wichtigen Klimaindikatoren wurde nach Angaben der Mitautorin Karina von Schuckmann eine Beschleunigung über längere Zeit nachgewiesen: Das sei neben dem Energie-Ungleichgewicht der Erde der Meeresspiegelanstieg, der durch die Erwärmung der Ozeane und das Abschmelzen von Eis auf Land entsteht.
Von 1971 bis 2018 waren es laut Report rund 2,33 Millimeter pro Jahr, von 2018 bis 2025 bereits 3,84 Millimeter pro Jahr. Schuckmann ist Beraterin bei der Forschungsorganisation Mercator Ocean International in Toulouse.
CO2-Emissionsbudget in drei Jahren aufgebraucht
Wenn der Mensch die Erderwärmung mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit auf 1,5 Grad begrenzen möchte, darf er laut IGCC nur noch 130 GtCO2 produzieren. Bei den derzeitigen Emissionen werde das Budget in drei Jahren aufgebraucht sein. Bei einer Begrenzung auf 1,7 Grad seien es noch 500 GtCO2 und damit zwölf Jahre.
Für den Report haben mehr als 70 Forscher über 40 Datensätzen ausgewertet, von denen viele den Autoren zufolge nun durch Entscheidungen über die öffentliche Finanzierung gefährdet seien. Nötig sei ein abgestimmtes internationales Vorgehen, um die Kontinuität der Klimabeobachtungen zu gewährleisten.
Emissionen nehmen trotz Alternativen weiter zu
Dem Report zufolge steigt der Ausstoß an Treibhausgas-Emissionen zwar nicht mehr so schnell wie in den 2000er Jahren, er erhöht sich aber immer noch. Die Menschheit sei demnach sehr weit davon entfernt, „jetzt auf einem abnehmenden Pfad zu sein“, konstatiert Mitautorin Sonia Seneviratne von der ETH Zürich.
Die Zunahme der Emissionen „finde ich sehr schwierig zu verstehen, wenn wir wissen, dass es das Pariser Abkommen 2015 gegeben hat“, erklärt sie. „Man sieht, dass die Emissionen einfach weiter zunehmen, obwohl wir sehr viele Alternativen haben.“
CO2-Menge in der Atmosphäre so stark gestiegen wie nie zuvor
Auch nach Angaben der Weltwetterorganisation (WMO) ist die Konzentration von klimaschädlichem Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre in den vergangenen Jahrzehnten drastisch gestiegen. Die jährliche Zunahme habe sich seit den 1960er Jahren verdreifacht, berichtet die Weltwetterorganisation (WMO) in ihrem Treibhausgas-Bulletin. Auch die Treibhausgase Methan (CH4) und Lachgas (Distickstoffoxid, N2O) sind auf Rekordwerte gestiegen.
In den 1960er Jahren lag der CO2-Anstieg pro Jahr demnach bei 0,8 ppm (parts per million – Teilchen pro Million Teilchen). Zwischen 2011 und 2020 betrug er durchschnittlich 2,4 ppm pro Jahr. Von 2023 auf 2024 stieg die Konzentration nun um 3,5 ppm. Damit erreichte die CO2-Konzentration in der Atmosphäre 2024 den Wert von 423,9 ppm.
Planetarischer Teufelskreis
Die CO2-Konzentration hat über Jahrhunderte Auswirkungen auf das Klima, weil das Gas dort so lange verbleibt. Nach 1000 Jahren seien noch etwa 15 bis 40 Prozent davon in der Atmosphäre, schätzen Experten. CO2 entsteht etwa bei der Verbrennung fossiler Energieträger wie Kohle, Erdöl und Erdgas – zum Beispiel bei der Strom- und Wärmeerzeugung, im Verkehr, in der industriellen Produktion sowie in Haushalten.
Ursache für den Anstieg der Konzentration seien neben den von Menschen verursachten Treibhausgasen auch Wald- und Buschbrände, schreibt die WMO. Gleichzeitig sinke die Aufnahmefähigkeit von CO2 in Wäldern und Ozeanen. Dies selbst sei eine Folge des Klimawandels. Die WMO spricht von einem drohenden Teufelskreis.