Sanierungsstau, lange Wege und nicht mehr zeitgemäße Raumaufteilung: Investition von 25 Millionen nötig Berufsschule: Warten auf Neubau

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Die Berufsschule I in der Kerschensteinerstraße ist in die Jahre gekommen. So sehr, dass es sich nicht mehr lohnen wird, den offenkundigen Sanierungsstau zu beheben. Auf 20 bis 25 Millionen Euro schätzt die Stadtverwaltung die Investition. Ein abschnittsweiser Neubau wäre günstiger. Seit 2014 tut sich: nichts. Allerdings könnte ab 2017 gebaut werden, sagt der Stadtbaureferent.

Manfred Müller kennt die Schule seit 40 Jahren. In der Zeit hat sich nicht viel verändert, sagt er. Baulich hat sich der Zustand verschlechtert. Foto: Eric Waha Foto: red

Das sagt der Schulleiter: Manfred Müller (58) kennt die Schule seit 40 Jahren. Er hat hier mit 18 die Berufsaufbauschule durchlaufen, bevor er nach seiner Elektroniker-Ausbildung "auf Anraten der Lehrer, die ich hier hatte", wie er sagt, selbst Lehramt studierte. In den 40 Jahren hat sich zwar einiges getan, aber wenig, was in Richtung eines modernen Unterrichts wichtig wäre. "Die Schule wurde 1957 gebaut und ist seither kontinuierlich gewachsen", sagt Müller im Gespräch mit unserer Zeitung. 

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2000 Schüler aus 800 Betrieben und 52 Berufen

Knapp 2000 Schüler werden hier unterrichtet. "Aus 800 Betrieben, in 52 Berufen", sagt der Direktor. "Für manche Berufe ist der Schulsprengel Bayreuth Stadt und Land, für andere, wie für die Betonfertigteilbauer, ist der Schulsprengel ganz Bayern. Die Schüler kommen bis aus Ulm zu uns." In solchen Fällen sei es ein Vorteil, dass die Schüler ins benachbarte Internat der Handwerkskammer (HWK) gehen könnten. Insgesamt pflege die Schule einen intensiven Austausch mit der HWK. Teilweise auch deshalb, um sich selbst teure Anschaffungen sparen zu können. "Wir haben ein Budget von 220.000 Euro für Investitionen im Jahr." Und viele Zweige.

Viel zu viele Mängel

Was Müller umtreibt: Die Schule hat baulich so viele Mängel, "dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll, sie aufzuzählen". Als er 2012 an die Schule kam, sei er von der Stadtverwaltung gebeten worden zu sagen, "an welchen Gebäudeteilen die energetisch Sanierung fortgesetzt werden kann. Denn der größte Teil der Schule ist ungedämmt." Müller und die 79 Lehrer seien sich schnell einig gewesen: "Es bringt nichts, Wände und Dächer zu dämmen, wenn wir hier nicht die Raumstruktur haben, die wir für modernen Unterricht brauchen. Wir können nur den Ansprüchen der Betriebe genügen, wenn wir Theorie und Praxis vernünftig verknüpfen." Das geht manchmal. Meistens jedoch nicht. Für viele Berufe ist der Weg lang vom Unterrichtsraum zur Werkstatt.

Technikerschule als Aushängeschild

Zudem kam 2012, nahezu zeitgleich mit Müller, die Technikerschule für Fahrzeugtechnik und Elektromobilität an die Berufsschule I. "Das war politisch gewollt. Darum beneiden uns viele andere", sagt Müller. Es sei bislang aber aus räumlichen Gründen problematisch, die Technikerschule so einzubinden, wie man es machen müsste. "Wir haben nicht einmal einen Projektraum, in dem die Techniker selbstständig an Projekten über einen längeren Zeitraum arbeiten können. Wir müssten aus der Technikerschule eine Einheit machen mit der Kraftfahrzeugabteilung, der Elektroabteilung, der Mechatronik." Doch das Problem ist nur eine von vielen Baustellen, die sich an der Schule türmen.

Neubau günstiger als Sanierung

Nachdem seit 2012 an einem Raumkonzept gearbeitet worden war, das eigentlich 2013 spruchreif gewesen wäre, habe die Stadtverwaltung mitgeteilt, dass "ein Neubau günstiger wäre als eine Sanierung. Man geht von rund 25 Millionen Euro aus. Einen Beschluss des Bauausschusses von November dafür gibt es." Seitdem habe sich jedoch nicht mehr viel getan, sagt Müller. "2015 ist als unbefriedigend zu bewerten." Und das erfülle ihn mit Sorge. "Die gewerblich-technische Berufsschule ist ein 100-prozentiger Standortfaktor für die Stadt, zwei Drittel der Unternehmen, deren Leute hier unterrichtet werden, sind hoch innovativ unterwegs." Er hoffe, sagt Müller, dass der Stadtrat die Bedeutung der Schule erkenne. Denn wenn sich baulich nicht schnell etwas tue, könne es passieren, "dass Bereiche wegbrechen. Wir sind beispielsweise Universitätsschule für den Bereich Metalltechnik. Die Uni will das Ausweiten auf Elektrotechnik. Hier gibt es Begehrlichkeiten aus Bamberg". Und andere oberfränkische Städte hätten auch Berufsschulen, die baulich und bei der Ausstattung auf modernem Stand seien.

Das sagt die Regierung: "Das Verfahren läuft", sagt Pressesprecher Oliver Hempfling. Das Raumprogramm werde aktuell ermittelt, "Wir warten noch auf Unterlagen von der Stadt. Da geht es um Vergleichswerte, was die Wirtschaftlichkeit von Neubau oder Sanierung angeht."

Drei bis vier Bauabschnitte

Das sagt die Stadt: Der Stadtbaureferent Hans-Dieter Striedl sagt, der Nachweis sei erforderlich, dass ein Neubau in mehreren Abschnitten die wirtschaftlichere Alternative ist. "Wir haben vor, die Planung fortzusetzen und die Baumaßnahme anzufangen", sagt Striedl. "Drei bis vier Abschnitte sind sinnvoll." Ausgehend von einer freien Wiese hinter dem ältesten Trakt, wolle man die Schule neu bauen. "Nach der mittelfristigen Planung wäre 2017 ein möglicher Termin, mit dem Bau zu starten", sagt Striedl.