Sanierung der Stadthalle ist die Chance für das alte Kino Bayreuth: Die Zeit ist reif fürs Reichshof

Von Frank Schmälzle

Es bräuchte nicht viel, und Bayreuth hätte eine Ausweichspielstätte für die Stadthalle, die ab Frühjahr 2016 saniert und umgebaut wird. Gut geeignet, groß genug und mitten in der Stadt. Es braucht den politischen Willen im Stadtrat, dem Reichshof eine Chance zu geben. Das sagen Axel Gottstein, Stephan Jöris und Andreas Türk vom Verein Bayreuth Event und Festival. Dann wäre er da, der Plan B für die Stadthalle. Fast pünktlich zu Beginn des Umbaus. Und mehr als das: Das Reichshof würde über die Umbauzeit der Stadthalle hinaus dem kulturelle Leben in der Stadt einen Impuls geben, so der Verein.

In diesen Tagen ist in Bayreuth viel vom Geld die Rede. 30 Millionen Euro hatte der Stadtrat als Höchstbetrag für die Stadthalle festgelegt. Die erste konkrete Kostenschätzung geht jetzt aber von 44 Millionen aus. Fast 50 Prozent mehr. Beim Reichshof, davon sind Gottstein, Jöris und Türk überzeugt, würde das anders sein. Wenn es gut läuft, müsste die Stadt noch etwa 200.000 Euro drauflegen, dann wäre die Investition für das Reichshof gesichert.

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Was die Sanierung kostet: Dass man Überraschungen erlebt, wenn man einem alten Gebäude neues Leben einhauchen will, haben auch die Drei vom Verein Bayreuth Event und Festival feststellen müssen. Mit ihrer anfänglichen Schätzung, das Reichshof lasse sich für 600.000 Euro wieder aufmöbeln, lagen sie weit daneben. Inzwischen haben Bauexperten im Auftrag des Vereins das Reichshof genauer unter die Lupe genommen. Und kamen, wie bei der Stadthalle, auf eine deutlich höhere Summe: 2,8 Millionen Euro für die kleine Variante ohne Bühnenhaus. 3,8 Millionen für die große Lösung mit Bühnenhaus aus einem Stahlkonstrukt und Containern.

Wie die Sanierung zu bezahlen ist: Das klingt nach viel Geld. Relativiert sich aber, wenn man genauer hinschaut, sagen Gottsein, Jöris und Türk. Das Reichshof liegt in einem Sanierungsgebiet, also seien 60 Prozent Förderung aus der Städtebauförderung zu erwarten. Bleiben bei der kleinen Variante rund 1,1 Millionen. Davon, dafür gibt es konkrete Signal, würde die Oberfrankenstiftung etwa die Hälfte übernehmen. Bleiben 550.000 Euro für die Stadt. Und die, sagen Gottsein, Jöris und Türk, hat für die nächsten beiden Jahre schon 440.000 Euro für die Stadthalle in die Haushalte eingeplant. Das ist sicher der Idealfall, aber eben auch nicht ausgeschlossen. Und: Was Bayreuth mit verhältnismäßig wenig Aufwand bekommen könnte, hätte großen Wert. Regensburg hat es vorgemacht.

Wie es in Regensburg gelaufen ist: In den Jahren 1897 und 1898 baute Simon Oberndorfer das Velodrom als Radsportstätte, knapp hundert Jahre später sollte das Velodrom abgerisssen werden. Die Regensburger protestierten und verhinderten den Abbruch. Der Unternehmen und Mäzen Oswald Zitzelsberger hat das Velodrom saniert, umgebaut und wieder eröffnet. Während der dreijährigen Sanierung des Theaters am Bismarckplatz diente als Ausweichspielstätte für alle Sparten. Und das Velodrom hat überlebt, es ist  als Spielstätte erhalten geblieben. Überwiegend für Musical, Ballett und Schauspiel. Dort stehen 620 Plätze stehen zur Verfügung.

Was die Eigentümer fordern: Das Reichshof hat Platz für 550 Besucher. Und es hat, sagt Axel Gottsein, alles, was eine Bühne mitten in der Stadt braucht. Ein ansteigendes Auditorium zum Beispiel, gut für die Akustik. Einen kleinen Orchestergraben. Eine Vorbühne, die sich ausbauen lässt. Und Eigentümer, die anders als immer wieder behauptet, sehr wohl ein Interesse daran haben, das Reichshof als Kulturort zu erhalten. „Es stimmt einfach nicht, dass die Erbengemeinschaft, der das Reichshof gehört, kein Interesse an der Immobilie hat“, sagt Axel Gottstein. „Im Gegenteil: Die Erben wollen das Reichshof erhalten. Sie haben eine hohe emotionale Bindung zu dem alten Kino. Sie sind dort aufgewachsen.“

Und weil das so ist, seien sie verhandlungsbereit. Drei Bedingungen stellen sie allerdings:

-          Ein dauerhaftes und tragfähiges Nutzungskonzept.

-          Sie können und wollen sich nicht an den Umbaukosten beteiligen.

-          Sie fordern einen Ertrag aus Verpachtung des Grundstücks und Vermietung der Immobilie. In einem vertretbaren Rahmen, wie Gottsein sagt. Die Stadt  soll also mit den Eigentümern in Verhandlungen einzutreten.

Denn ohne die Stadt und ohne den politischen Willen des Stadtrates, geht es nicht. „Für uns als kleinen Verein ist das Volumen des Projektes einfach zu groß“, sagt Gottstein. Und: Ohne die Stadt bricht ein Pfeiler der Finanzierung weg. Denn nur sie könne Städtebauförderung beantragen.

Was die Kritiker sagen: Gottstein weiß wohl, dass nicht alle die Wiederbelebung des Reichshofes so positiv sehen, wie er das tut. Stadträte der Bayreuther Gemeinschaft und der Grünen sagen: Es doch nicht sein, dass die Stadt dafür sorgt, dass eine private Immobilie saniert wird. Das hält Gottsein für einen Trugschluss. Pacht und Mietverträge lassen sich so gestalten, dass Bayreuth auf Jahrzehnte hinaus profitiert. Und man muss nur mal vergleichen: Ein Zelt auf dem Geißmarkt, das als Ausweichspielstätte für die Stadthalle im Gespräch war, würde während der Umbauphase der Stadthalle mindestens ebenso viel kosten wie die Wiederbelebung des Reichshofs. Der Unterschied: Das Zelt verschwindet, das Geld ist verloren. Der Reichshof bleibt.