Von wegen Fasern. Alles beginnt mit Granulaten. Die körnigen Kunststoffe werden in einem Extruder verflüssigt und bei einer Temperatur von bis zu 220 Grad durch feine Düsen gepresst. „Das ist etwa so, wie wenn Sie Spaghetti-Eis machen. Nur eben viel, viel feiner“, erklärt Gerhard Schoepf, der als Prokurist bei Sandler für Prozessoptimierung zuständig ist.

Erst durch diese sogenannte Meltblown-Technologie entstehen Fasern. Sehr feine Fasern, die 50 Mal so dünn sind wie das menschliche Haar.

Mit diesem Meltblown-Prozess stellt die Sandler AG in einer 30 Meter langen Produktionslage Spezial-Vlies für Schutzmasken her, die für die Arbeit in Operationssälen oder klinischen Reinräumen benötigt werden. Das Unternehmen mit Sitz in Schwarzenbach an der Saale im Landkreis Hof liefert momentan täglich Vlies für fünf Millionen Masken aus.

Ein Nischenprodukt

Die Corona-Krise hat die Nachfrage kräftig steigen lassen, sagt Vorstandschef Christian Heinrich Sandler. Dennoch handle es sich um ein Nischenprodukt. Denn damit erwirtschaftet das Unternehmen nur ein paar Prozent seines Gesamtumsatzes.

322 Millionen Euro betrug der Erlös im vergangenen Geschäftsjahr. Damit lag der Wert auf Vorjahresniveau. Trotzdem sei es ein „gutes Jahr“ gewesen, sagt Christian Heinrich Sandler. Der Ertrag sei konstant. Damit habe das Unternehmen die Basis für weiteres Wachstum geschaffen.

Der Chef berichtet von neuen Lösungen aus Vliesstoff und einem erweiterten Produktspektrum. So stellen die Oberfranken etwa wärmeisolierende und schalldämmende Materialien für die Bauindustrie und Raumakustik her. Ebenso produzieren sie Filtermedien für reine Luft in Gebäuden und Fahrzeugen, hautfreundliche Materialien für Hygieneartikel sowie geräuschisolierende Vliese für mehr Fahrkomfort in Fahrzeugen.

„Wir haben uns von einer Wattefabrik für Polstermöbel hin zu einem Hightech-Unternehmen entwickelt,“ hebt Sandler hervor. 2019 feierte die Sandler AG ihr 140-jähriges Bestehen.

Ein konkretes Umsatzziel für 2020 möchte der Vorstandsvorsitzende nicht öffentlich bekannt geben. Nicht zuletzt aufgrund der Corona-Krise seien Prognosen sehr schwierig. „Wir wissen nicht, was da noch kommt“, sagt Sandler.

Mit der Entwicklung des US-Standorts sei er zufrieden, sagt Christian Heinrich Sandler. Schritt für Schritt soll die Niederlassung in Perry zu einem Vliesstoff-Kompetenzzentrum ausgebaut werden.

Investition in den USA

In den kommenden Wochen wird nach Auskunft Sandlers in einem Neubau, der das bereits bestehende Firmengebäude ergänzt, die Montage einer weiteren Vliesstoff-Fertigungsanlage für Hygieneprodukte starten. Für Herbst dieses Jahres ist der Produktionsbeginn vorgesehen.

„Die Investition in den USA stärkt die Position der Sandler AG als einer der größten Vliesstoffhersteller weltweit – und sichert somit indirekt auch Arbeitsplätze in Hochfranken“, unterstreicht der Vorstandschef. Die Vergrößerung des Standorts in den Vereinigten Staaten ist Teil eines 80 Millionen Euro schweren Investitionsprogramms. Ein Teil des Geldes fließt auch in den Kapazitätsausbau des Stammsitzes in Schwarzenbach an der Saale.

Gedanken über ein zweiten Auslandsstandort hat sich die Führungsspitze bereits gemacht. Asien sei ein interessanter Markt, sagt Sandler auf Nachfrage unserer Zeitung. „Aber wir beobachten generell sehr aufmerksam, was sich international tut.“

Ein Engagement in China sieht der Chef skeptisch. „Es ist ein Risiko, in einem Land zu investieren, das keine Demokratie ist“, gibt er zu bedenken. Grundsätzlich müsse man jedoch Entwicklungen immer wieder neu bewerten. „Man sollte nie „nie“ sagen.“

Aktuell nimmt die Sandler AG in der Rangliste der weltgrößten Vliesstoff-Hersteller Rang 15 ein. 880 Mitarbeiter sind an den Standorten in Schwarzenbach an der Saale und Perry beschäftigt.

Wachstum um jeden Preis ist für die Oberfranken jedoch nicht das entscheidende Ziel. Während einige Konkurrenten durch Übernahmen größer werden, will die Sandler AG nach den Worten ihres Chefs aus eigener Kraft wachsen. „Wir wollen weiterhin agil und flexibel sein, schnell auf Marktveränderungen reagieren“, erläutert er. Innovationskraft ist seiner Ansicht nach ein Schlüsselfaktor.

Das Spezial-Vlies für die Schutzmasken ist zwar kein Hauptumsatzbringer. Aber das Nischenprodukt hat dem Unternehmen zuletzt viele Schlagzeilen gebracht, weil sich zahlreiche Medien aufgrund der Corona-Krise dafür interessierten. Granulate als Basis für eine Erfolgsgeschichte.