Sammethalle Pegnitz Brandschutz trifft die Kultur

Frank Heidler
Großveranstaltungen wie die „Fight Night Pegnitz“ (Bild) oder Garde-Events lockten – natürlich lange vor der Corona-Pandemie – regelmäßig viele Besuchermassen in die Sammethalle. Foto: red

Die Kultur hat gerade während der Pandemie sowieso keinen leichten Stand. Jetzt droht Besuchern und Veranstaltern von Events in der Christian-Sammet-Halle neues Ungemach. Dort wurden die maximalen Besucherzahlen eingeschränkt.

Pegnitz - Die städtische Beauftragte für Sport und Schulen, Rosemarie Schmitt, erklärt den Grund. „Für die Christian-Sammet-Halle wurde im Jahr 2020 der Rettungs- und Fluchtplan aktualisiert.“ Mit der Konsequenz: „Zu Veranstaltungen dürfen höchstens 600 bis 750 Gäste kommen.“ Bis zum Vorjahr lag die Höchstbesucherzahl dagegen bei 1000.

Und selbst dieses jetzt noch erlaubte Besucher-Plus von 600 auf 750 könne nur ausgeschöpft werden, „wenn wir Fluchtwege über die Umkleideräume schaffen“, erklärt Schmitt.

Zusätzliche Schilder

Dazu wäre aber kein teurer Umbau nötig. „Wir müssen zusätzliche Schilder für diesen Fluchtweg anbringen.“ Nach wie vor bleibe die Sammethalle der größte Veranstaltungsraum in und um Pegnitz.

„Laut Bestuhlungsplan“ fänden in der Wiesweiherhalle höchstens 400 Besucher Platz. Mit dem Aufstellen von Tischen oder auch aus Hygieneschutzgründen unter Corona schrumpft diese eh schon niedrigere Zahl auf maximal 240 Gäste, erklärt Schmitt. An der Notwendigkeit der jeweiligen Brandschutzregelung ließ die städtische Verantwortliche für die Hallen keinen Zweifel. „Solange nichts passiert, ist immer alles gut.“ Aber über solche Fluchtregelungen gerade bei einer aus der 1970er-Jahren stammenden Christian-Sammet-Halle sollte auch die Sicherheit von Besuchern im Brandfall optimiert werden.

Es gibt aber Ausweichmöglichkeiten. Als nächstgrößere Hallen nannte die Pegnitzer Rathausmitarbeiterin die Bayreuther Oberfrankenhalle und in Bindlach die Bärenhalle.

Absagen

Der Kulturbeauftragte des Pegnitzer Stadtrates und langjährige Brettl-Veranstalter Karl Lothes schildert die Folgen des aktualisierten Rettungs- und Fluchtplans. „Ich arbeite üblicherweise mit zwei Veranstaltern aus der Coburger Ecke zusammen.“ Wegen der nun geringeren Höchstbesucherzahlen habe „einer der beiden bereits abgesagt“.

Diesen Schritt begründete der Veranstalter mit den Worten: „Das lohnt sich nicht mehr.“ Einerseits war für die Sammethalle die Miete durch die Stadt erhöht worden. Außerdem stiegen die Nebenkosten für die Technik und den Bühnenaufbau. Um Geld zu sparen, hatte Lothes schon früher die Bühne durch Vereine aufbauen lassen, welche die Bewirtung übernommen hatten.

Keine Chance

Der heimische Kulturmanager bedauert aber: „So habe ich keine Chance mehr, einen Günter Grünwald nach Pegnitz zu holen.“ Der Starkomiker hatte in der Vergangenheit für ein volles Haus in der Sammethalle gesorgt.

Lothes blickt aber dennoch halbwegs optimistisch in die Zukunft. „Ich habe Hoffnung auf das neue Konstrukt der Eisarena.“ Denn dort würden, so die bisherigen Schätzungen, 1400 Leute untergebracht werden können. Und noch ein weiteres Plus gebe es dann: „Von Haus aus wäre eine gute Technik vorhanden.“

Übergangslösungen

Bis dahin muss sich der Beauftragte des Stadtrates allerdings mit Übergangslösungen bescheiden. „Günter Grünwald ist bis dahin nur noch im Festzelt möglich.“ Etwa beim FC Troschenreuth. Da könnte man dann eine „Brettl-Veranstaltung dranhängen“.

Einen ähnlichen Deal hatte es in der Vergangenheit auch bereits bei der ASV-Zeltkirchweih gegeben. Denn Festzelte böten für bis zu 2000 Personen Platz. „Das haben wir schon mal gemacht“, sagt Lothes.

In diesem Zusammenhang erinnerte er auch an einen Auftritt des Vokal-Ensembles Sixpack beim Schloßberg-Open-Air. Wegen eines drohenden Gewitters war das Gastkonzert vom Pegnitzer Hausberg in die Christian-Sammet-Halle verlegt worden. „Als Ausweichquartier geht das schon“, erinnert er sich. Vor allem angesichts von rund 450 Besuchern.

Eine ganz andere Situation gebe es bei Großveranstaltungen wie mit Michl Müller oder der Biermösl Blosn. Dann müsse schon von vornherein mit um die 1000 Besucher gerechnet werden. Auch eine Martina Schwarzmann würde unter den eingeschränkten Platzbedingungen nicht kommen. Von einer aus dem Fernsehen sattsam bekannten Kabarett-Ikone Monika Gruber ganz zu schweigen. „Die war leider noch nie in Pegnitz.“ Selbst unter den bisherigen Hallenbedingungen nicht.

Kleines Team

Aber von solchen Widrigkeiten lässt sich Kulturveranstalter Lothes nicht völlig ausbremsen. Seit kurzem wird er auch von einem kleinen Team unterstützt.

„Wir starten heuer am 8. April mit Herbert und Schnipsi, am 8. Mai kommt dann Sebastian Reich mit seinem Nilpferd, im Juni schließlich Stefan Otto.“

Genau genommen seien das alles Nachholtermine aus der Vergangenheit. „Corona sei Dank“. Aber auch nach diesen sicheren Terminen hat er noch Kultur-Events im Köcher. Die Verhandlungen laufen bereits.

 

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