Knapp 200 Teilnehmer Maikundgebung in Bayreuth

BAYREUTH. Fast 200 Personen nahmen an der Kundgebung in Bayreuth zum 1. Mai, dem Tag der Arbeit, teil, zu der der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Oberfranken aufgerufen hatte. Es reihten sich nicht nur unter anderem Vertreter der IG Metall ein, sondern auch Lokalpolitiker und Vorsitzende diverser Jugendorganisationen. Der Zug marschierte vom Finanzamt aus zum Herzogkeller, die Botschaft: „Europa. Jetzt aber richtig!“. Der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Oberfranken, Volker Seidel (54), der ebenfalls anwesend war, zeigte sich „sehr zufrieden“.

Laute Musik dröhnte aus der Anlage, die die jungen Teilnehmer mitgebracht haben, vereinzelt hörte man Tröten. Die Stimmung war ausgelassen, auch wenn die Straßen ansonsten relativ leer geblieben sind an diesem recht kühlen Morgen. Seit 10 Jahren war dies nun der erste Demonstrationszug durch Bayreuth vom DGB. „Wir wollen raus zum 1. Mai“, sagte Volker Seidel im Gespräch mit dem Kurier während des Demonstrationszuges, „und die Arbeiterbewegung sichtbar machen“. Dies war auch gelungen, wie die recht hohe Teilnehmerzahl am Mittwoch bewies. "Ich bin sehr zufrieden", so Seidel.

Das Motto der Kundgebung lag auf dem Themenschwerpunkt Europa. Dies habe man bewusst so gewählt, da bald die Europawahlen anstünden. „Europa hat Probleme“, sagte Seidel weiter. Insbesondere der Rechtsruck bereite Sorgen. Dem stimmte auch Petr Arnican (42) zu, Abteilungsleiter für grenzüberschreitende Beziehungen des DGB. „Die Leute sollen wählen“, sagte er, denn 70 bis 80 Prozent der Gesetze entstünden in Brüssel und nicht in Berlin. „Wir alle brauchen Europa, vor allem die Arbeiter ganz besonders.“ Auch die Gewerkschaften solidarisierten sich grenzüberschreitend: Zur Kundgebung nach Bayreuth kamen ebenso einzelne Vertreter der tschechischen Metallgewerkschaft OS KOVO.

Die Gewerkschaftsarbeit erfreut sich auf bei den Jugendlichen einer steigenden Beliebtheit. So verzeichne die IG Metall beispielsweise aktuell die meisten Neuaufnahmen seit sieben Jahren, die IG Metall Jugend die meisten seit fünf Jahren, so Seidel. Der 26-jährige Dominik Buß nahm auch an der Kundgebung teil. Für ihn stünden Gewerkschaften für Gemeinschaft und Solidarität, denn es gebe laut ihm aktuell „mehr Gegeneinander statt Miteinander“.

Später im Herzogkeller hielten Vertreter der Gewerkschaften und Lokalpolitiker vor vollem Haus ihre Reden. Insbesondere Volker Seidel sparte in seinem Monolog nicht an Kritik an der aktuellen Arbeitswelt. Er sprach dabei unter anderem die Notwendigkeit von Tarifbindungen an: Nur noch 53 Prozent der bayerischen Arbeiter würden laut DGB-Tarifreport tariflich vergütet, vor der Jahrtausendwende seien es noch 83 Prozent gewesen. Auch stagniere laut ihm die Zahl derer, die an Weiterbildungen teilnehmen, seit 2015 „auf dem niedrigen Wert von 34 Prozent“. Ein wichtiger Punkt sei aktuell insbesondere die Transformation der Arbeitswelt, die „ein großes Thema in bayerischen Betrieben“ sei. „Für die Beschäftigten bedeutet Globalisierung oft wachsender Leistungsdruck und mehr Stress“, sagte Seidel. Die Verunsicherung sei greifbar. „Es muss was passieren – sonst droht die weitere Spaltung der Gesellschaft.“

 

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