Rückzug aus der Politik Hauptmann gibt ganz auf

Mark Hauptmann spricht bei einer Sitzung des Deutschen Bundestages. Foto: Jörg Carstensen/dpa/Archivbild/dpa

Der Südthüringer CDU-Bundestagsabgeordnete Mark Hauptmann legt sein Mandat nieder, tritt bei der Bundestagswahl im Herbst nicht wieder an und gibt auch seine sonstigen politischen Ämter und Mandate zurück. Damit zieht der 36-jährige Suhler die Konsequenz aus Vorwürfen, er habe Lobby-Arbeit für den Staat Aserbaidschan geleistet und im Gegenzug finanzielle Unterstützung für regelmäßige Publikationen in seinem Wahlkreis erhalten.

Damit verliert die Union den dritten Parlamentarier innerhalb weniger Tage. „Es läuft gegen mich eine Verleumdungskampagne, die für meine Familie und mich unzumutbar ist“, sagte Hauptmann gegenüber Freies Wort. Bei den Vorwürfen handele es sich um Anfeindungen und Falschdarstellungen, die keinerlei Überprüfung standhielten, ergänzte er

Auch sein Mandat im Stadtrat von Suhl und das Amt des Suhler CDU-Kreisvorsitzenden will Hauptmann nach eigenen Angaben aufgeben. Er habe gerne politisch gearbeitet und sich für seine Heimat engagiert, sagte er unserer Zeitung. Nun widmet er sich allein unternehmerischen Aktivitäten, die er nach eigenen Angaben bereits lange vor dem Bundesmandat betrieben hat.

Hauptmann hatte sein parteipolitisches Werbeblatt „Südthüringen-Kurier“ unter anderem dadurch finanziert, dass Institutionen aus Aserbaidschan, Taiwan und Vietnam dort Anzeigen geschaltet hatten. Diese drei Länder gehören zu denen, für die sich Hauptmann im Bundestag und in seinem Südthüringer Wahlkreis seit Jahren stark engagiert. Vorwürfe, wonach diese Geldzahlungen (die nicht an ihn selber gingen, sondern an den mit der Zeitungsproduktion beauftragten Verlag), Einfluss auf seine politische Haltung hatten, wies Hauptmann energisch zurück.

Hauptmann gehört zu den  Bundestagsabgeordneten mit den höchsten Nebeneinkünften. Er gibt an, jährlich höhere sechsstellige Beträge für Beratertätigkeiten für inländische Firmen zu erhalten. Außerdem betreibt er eine GmbH in einer brandenburgischen Niedrigsteuer-Stadt, zu deren genauer Geschäftstätigkeit er nichts sagen will. Im Zuge der jüngst aufgeflogenen Provisions-Zahlungen an CDU-Kollegen für die Vermittlung von Coronamasken-Käufen waren auch entsprechende Vermittlungsaktivitäten Hauptmanns in Südthüringen bekannt geworden. Tatsächlich habe er im März vorigen Jahres den Kreisen Sonneberg und Hildburghausen bei der Beschaffung von damals dringend benötigten Masken geholfen. Dabei sei aber keinerlei Geld an ihn geflossen. Am Mittwoch hatte Hauptmann auch  die allen CDU-Bundestagsabgeordneten abgeforderte Erklärung unterschrieben, wonach er keinerlei finanzielle Vorteile aus Geschäften im Zusammenhang mit der Pandemie erhalten habe.

Mar Hauptmann war seit 2013 direkt gewählter Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Suhl/ Schmalkalden-Meiningen/Hildburghausen, der 2017 auf Sonneberg erweitert wurde. Damals setzte sich Hauptmann mit 33,5 Prozent der Erststimmen  deutlich gegen seine Mitbewerber von AfD und Linker durch. Ein neuer CDU-Wahlkreiskandidat werde in einem geordneten Verfahren bestimmt, sagte Hauptmann. Im Wahlkreis 197 hat bisher die SPD einen Bewerber aufgestellt: den ehemaligen Biathlon-Bundestrainer Frank Ullrich aus Suhl.

Für die restliche Wahlpariode rückt für Hauptmann gemäß der CDU Landesliste Kristin Nordt aus Erfurt in den Bundestag nach. Ob die bisherige Beisitzerin im CDU-Kreisvorstand der Landeshauptstadt das Mandat  annehmen wird, war am Donnerstag noch offen.

Über die Nebeneinkünfte und Geschäfte Hauptmanns hatten in den vergangenen Tagen mehrere Medien, darunter der Spiegel und auch diese Zeitung berichtet.

 

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