Köln - Was bleibt vom Dschungelcamp, wenn der Dschungel fehlt? Wir werden es erfahren: An diesem Freitag (22.15 Uhr) startet bei RTL „Ich bin ein Star – Die große Dschungelshow“. Show statt Camp, Rhein-Erft-Kreis statt Down Under. Was selbst den Waldbränden in Australien im vergangenen Jahr nicht gelang, schafft das Coronavirus: Eine der letzten großen Konstanten der TV-Unterhaltung muss umsatteln.

Die Location

Mitten in der Corona-Pandemie hielt es RTL verständlicherweise für keine gute Idee, seine Mannschaft, das Moderatoren-Duo Sonja Zietlow und Daniel Hartwich nebst zwölf Kandidaten ans andere Ende der Welt fliegen zu lassen. Auch das zunächst geplante Ausweich-Quartier in Wales war schließlich kein gangbarer Weg mehr. Deshalb wird jetzt aus dem Studio gesendet. Das, hört man aus informierten Kreisen, steht in Hürth bei Köln, wo die Kandidaten während der 14 Tage bis zum Finale am 29. Januar auch leben.

Das Konzept

RTL hat am Showkonzept geschraubt: Im Gegensatz zu den Vorjahren wird 2021 kein „Dschungelkönig“ gesucht. Stattdessen vergibt der Sender ein „Goldenes Ticket“. Wer das bekommt, hat das Ticket nach Australien für die Dschungelhatz 2022 schon im Sack. Sprich: Der Gewinner der „Dschungelshow“ fährt zum nächsten regulären Dschungelcamp. Daneben gibt es für den Sieger ein Preisgeld von 50.000 Euro. Auch Prüfungen soll es geben: Was die deutschen Äquivalenten für Disziplinen wie Känguruhoden-Verspeisen oder Fleischabfall-Wühlen sein werden, wird aber bislang nicht verraten. Welcher Kandidat die Show verlassen muss, wird von den Zuschauern bestimmt.

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Keine Veränderungen gibt es übrigens beim Personal: Zietlow und Hartwich werden – sicherlich gewohnt spitzzüngig – durchs Programm führen. Und sogar „Dr. Bob“ ist mit von der Partie. RTL lässt den beliebten Australier - eigentlich kein Doktor, sondern gelernter Rettungssanitäter - speziell für die Show einfliegen. Dabei musste sich der Aussie an die bestehenden deutschen Corona-Regeln halten: „Um nach NRW einreisen zu können, musste Dr. Bob seine Einreise anmelden und einen negativen Coronatest vorweisen“, erklärte der Sender.

Die Kandidaten

Oliver Sanne, Lydia Kelovitz, Lars Tönsfeuerborn – wer diese Namen noch nie gehört hat, muss sich keine Sorgen machen. Die diesjährige Kandidatenrunde dürfte fast ausnahmslos nur intimen Kennern des Genres Reality-TV bekannt sein. Filip Pavlovic: „Bachelorette“-Kandidat. Zoe Saip: „Germany’s next Topmodel“-Elevin. Christina Dimitriou: „Temptation Island“-Bewerberin. Namen mit Strahlkraft vom Format eines Mathieu Carrière oder einer Ingrid van Bergen sind nicht darunter. Die „Grande Dame“ des Studiodschungels muss Bea Fiedler geben, die früher in Nacktkomödien wie „Eis am Stiel 4 – Hasenjagd“ zu sehen war.

Den größten Aufreger gab es bereits, bevor die Show überhaupt startete: RTL schmiss die Dragqueen Nina Queer aus dem Kandidatenfeld. Ihre Selbstbeschreibung als „Hitler-Transe“ war für den Sender zu viel. „Vor dem Hintergrund aktueller Diskussionen und unserer Haltung, jegliche Form von Antisemitismus, Rassismus sowie Diskriminierung klar zu verurteilen, können und wollen wir jemanden, der sich selbst „Hitler-Transe“ nennt, keine Plattform in einer Unterhaltungssendung bieten“, teilte RTL-Geschäftsführer Jörg Graf mit. Der Sender will sich ganz offenbar bei diesem Thema keine offenen Flanken mehr leisten: Jüngst musste sich der Sänger Michael Wendler als „Deutschland sucht den Superstar“-Juror entledigen, weil dieser sich als Corona-Verschwörungstheoretiker entpuppt hatte. Für Nina Queer steht jetzt Sam Dylan im Dschungelcamp-Aufgebot – auch er ein „Prince Charming“-Veteran.