Restaurierung Das Dornröschenhaus erzählt Geschichten

BAYREUTH. Ansehnlich war es in den vergangenen Jahrzehnten nicht. Ein Haus eben. Eines, dem die Zeit ziemlich mitgespielt hatte. Zehn Jahre stand es ungefähr leer. Jetzt zeigt es sich von seiner schönen Seite. Einer, die stadtbildprägend ist. In einem Umfeld, das gerade Aufwind bekommt als ein Quartier, auf das der Glanz des Welterbes Markgräfliches Opernhaus abstrahlt. Ein Nürnberger Architekt hat sich in das Eckhaus der Badstraße verliebt. Und das Haus nach modernen Gesichtspunkten denkmalwürdig gemacht.

Die Wiedererweckung des Hauses Badstraße 17 hat etwas von Dornröschen. Aufgewacht aus einem langen Schlummer - und mittendrin in einer neuen Zeit. Dabei hat das Haus seinem neuen Besitzer Holger Meesmann in den vergangenen Monaten viele überraschende Geschichten erzählt. Geschichten, die längst nicht auf der Hand lagen.

Meesmann (50), "Architekt und gelernter Denkmalpfleger", wie er am Donnerstag im Gespräch mit unserer Zeitung sagt, hat seit rund 20 Jahren ein eigenes Büro in Nürnberg, das sich schwerpunktmäßig mit Altbausanierung beschäftigt. "Ich finde es wunderbar, alte Häuser zu sanieren. Andere restaurieren alte Autos, ich Häuser." Was ihn reizt: "Man muss deutlich mehr Hirnschmalz reinstecken als in einen Neubau. Man braucht Liebe für einen Altbau. Man muss verstehen, warum vor Jahrhunderten so gebaut wurde."

Spagat: Modernes Wohnen in alter Substanz

Und auch, wie man den Spagat schafft, einem alten Haus die Grundlage zu geben, modernes Wohnen in historischer Substanz möglich zu machen. "Angenehm warm soll es sein, Bad, moderne Elektrik, WLAN, all so etwas braucht man heute - in einem Haus, dem diese Technik nicht mitgegeben war".

Das Haus in der Badstraße, das Holger Meesmann etwa seit Juli vergangenen Jahres saniert - bis Mitte März soll es fertig sein -, war für den Architekten so etwas wie Liebe auf den ersten Blick. Ein Architektenkollege und Freund, Christoph Mattern, habe ihn darauf gebracht, "dass es in Bayreuth einige Häuser gibt, die Pflege brauchen.

Kurz darauf ist mir die Badstraße 17 zum Kauf angeboten worden", sagt Meesmann. "Ein richtig schnuckeliges Häuschen, tolle Stadtlage" - das sei ihm gleich aufgefallen. Und eine Chance, denn: Es gebe, sagt Meesmann, zwei Wege an ein altes Haus heran zu gehen. Der eine ist der emotionale Weg, bei dem man das Haus als eine Art Hobby betrachtet. Der andere ist der Versuch, einen wirtschaftlichen Weg zu beschreiten. "Das Haus muss trotzdem bezahlbar sein."

Große Unterstützung der Stadt

In Bayreuth gebe es für den Weg "große Unterstützung. Zum einen gibt es das Fassadenprogramm der Stadt, zum anderen steht dieses Haus im Sanierungsgebiet. Gosbert Moschall vom Amt für Städtebauförderung hat mich bei dem Projekt hervorragend betreut." Meesmann sagt, er halte es auch für richtig, dass "die Allgemeinheit solche Vorhaben unterstützt". Nicht zuletzt, um zu erhalten, was an historischer Substanz einer Stadt vorhanden ist. Denn für das Haus hatte es, bevor Meesmann es kaufte, ganz andere Pläne gegeben.

Das Haus ist über 310 Jahre alt

Um der Geschichte des Hauses auf den Grund zu gehen, recherchiert Meesmann im Stadtarchiv: Es gab kaum Hinweise - "bis auf eine Schornsteinfeger-Rechnung aus dem Jahr 1860". Meesmann sagt, er sei davon ausgegangen, dass das Haus rund 150 Jahre alt sei. Doch je weiter die Sanierung des Hauses voran schreitet, je mehr An- und Umbauten zutage treten, desto klarer wird: Das Haus muss deutlich älter sein.

Meesmann lässt mehrere Holz-Abschnitte von Abbruch-Holz, unter anderem von Abort-Anbauten, untersuchen. Der Professor in Bamberg findet heraus: "Alle haben das gleiche Schlag-Jahr - nämlich 1704. Man kann davon ausgehen, dass das Haus 1705 gebaut wurde." Sogar die Reparatur eines Brandes aus dem Jahr 1863 lässt sich so dokumentieren. "Ich finde das spannend, welche Geschichten das Haus erzählen kann."

Von der Ruine zum denkmalgerechten Haus

Das Haus, sagt Meesmann, sei "eine Ruine" gewesen. "Ich habe überlegt, was man daraus machen kann." Der Architekt entscheidet sich für fünf kleine Wohnungen, die er vermieten will und die alle über ein zentrales Treppenhaus erschlossen werden, "das war die grundlegende Änderung, denn vorher gab es nur eine schmale Stiege".

Aus dem alten Gebäude macht die Sanierung ein Effizienzhaus, das innen mit mineralischem Material gedämmt und mit Farben auf Mineralbasis gestrichen wird, "damit das Haus atmen kann". Er habe "bewusst darauf geachtet, das Haus denkmalgerecht zu sanieren, obwohl es vorher - zu recht - kein Denkmal war", sagt Meesmann. Es habe ihn fasziniert, "das Fachwerk, das schon so viel erlebt hat" in den vergangenen rund 310 Jahren, wieder hervorzuholen. Und die Herausforderung anzunehmen, "aus einem kleinen Stadthaus eine Wohnanlage zu machen".

Beispiel für andere Projekte?

Und damit vielleicht Beispiel zu sein für die Wiederbelebung anderer Häuser zu sein, die wie Dornröschen dahinschlummern. In einem Schlaf mit langer Geschichte.

 

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