Repair Café zu Gast auf der Landesgartenschau – Meistens sind an Elektrogeräten nur Kleinigkeiten kaputt Repair Café: So wird Kaputtes wieder heil

Von Sarah Bernhard

Reparieren statt wegwerfen, das ist das Ziel des Repair Cafés Nürnberg. Technikbegeisterte helfen dort einmal im Monat Menschen dabei, ihre kaputten Geräte wieder funktionsfähig zu machen. Am Wochenende waren die Bastler auf Einladung des Bayerischen Umweltministeriums auf der Landesgartenschau zu Gast. Und machten Telse Reckziegel glücklich.

Fast ist Telse Reckziegel schon fertig: Nur noch den Regler einsetzen und den Toaster-Boden wieder anschrauben. Dann testet Heinz Blättner vom Repair Café, ob alles sicher ist – und schon ist der alte Toaster wieder wie neu. Foto: Andreas Harbach Foto: red

Immerhin: Der Regler für den Bräunungsgrad an Telse Reckziegels schwarzem Toaster war so abgebrochen, dass der Toast noch in Ordnung war. Nicht zu hell, nicht verkohlt. Aber ärgerlich war der Defekt trotzdem. „Meist stand der Toaster herum, ich hatte schon mit einem neuen geliebäugelt“, sagt die 64-Jährige.

Nach der Werbung weiterlesen

Bis sie am Samstag auf der Landesgartenschau den Stand des Nürnberger Repair Cafés entdeckte. Und am Sonntag mit ihrem Toaster zurückkehrte. „Das ist eine geniale Sache“, sagt Reckziegel, die vor 23 Jahren aus Norddeutschland nach Bayreuth kam. „Weil wir viel zu schnell Sachen wegwerfen, die eigentlich noch repariert werden könnten.“

Der Geräte-Besitzer soll eigentlich selber ran

Also drückt ihr Heinz Blättner einen Schraubenzieher in die Hand. Denn Repair Cafés sind als Hilfe zur Selbsthilfe gedacht. „Ansonsten müsste ja ich haften, und ich mache das nur ehrenamtlich“, sagt der 56-Jährige. Er sitzt zwischen 3D-Drucker, 3D-Scanner und einem an einen Laptop angeschlossenen Riesen-Mikroskop und kann es kaum erwarten, dass Reckziegel endlich anfängt.

Doch es scheitert schon an Schritt eins. Nicht, weil Reckziegel zwei linke Hände hätte. Sondern weil die Schrauben, die den Toaster zusammenhalten, so speziell sind, dass man einen Extra-Schraubenzieher braucht. Den herauszusuchen, dauert so lange, dass Blätter die Schrauben dann gleich selbst herausdreht.

"Die Hersteller erschweren die Reparatur mit Absicht"

„Die Hersteller machen manche Sachen mit Absicht“, sagt er. „Die Leute sollen die Geräte nicht reparieren können. Angeblich, weil sie keine Elektronikkenntnisse haben und das gefährlich ist.“ Er schüttelt den Kopf. „Aber mit ein bisschen gesundem Menschenverstand bekommt man sowas wie einen Toaster doch wieder hin.“

Und tatsächlich: Als der auseinandergebaut ist, zeigt sich, dass lediglich der Plastikstift abgebrochen ist, der den Regler mit der Regelmechanik verbindet. Für Blättner ein Leichtes. Er verbindet Regler und Plastikstift mit einem Draht und klebt alles wieder zusammen. Den Einbau übernimmt Toaster-Besitzerin Reckziegel selbst.

"Der Mann hatte Tränen in den Augen"

Seit 2012 ist Blättner, der als Informatiker arbeitet, im Fablab-Team, das einmal im Monat den Reparaturservice anbietet. Weil es ihm Spaß macht, Dinge zu reparieren. Und weil er Menschen gerne glücklich macht. „Es gibt Geräte, an denen hängt man“, sagt er. Zum Beispiel an einem alten Tonbandgerät, das ein Mann vor einiger Zeit zum Repair Café in Nürnberg brachte. „Als wir ihm das repariert haben, hatte er Tränen in den Augen.“

Manchmal helfen die Bastler aber auch, Geheimnisse zu wahren. „Einmal war eine Oma bei uns“, sagt Rolf Nietzer, der auf der Bank nebenan sitzt, und an einem kaputten Mischpult schraubt. „Sie hatte aus Versehen mit der Heckenschere das Kabel durchgeschnitten. Dabei hatten ihr ihre Kinder verboten, die Hecke zu schneiden.“ Nietzer klebte das Kabel unauffällig wieder zusammen. „Die war vielleicht froh“, sagt er.

Mit der Reparatur ist die Arbeit aber noch nicht vorbei. „Alles, was 220 Volt hat, testen wir nochmal, um sicherzugehen, dass die Leute die Reparatur auch überleben“, sagt Blättner. „Sonst gibt’s geschmorten Fischkopp“, sagt Reckziegel. Mit ihrem Toaster ist aber alles in Ordnung. Sie strahlt, als sie ihn wieder zurück in die Tüte packt. „Hach“, sagt sie. „Mein Tag ist gerettet.“

Repair-Café und Fablab

Das erste Repair Café entstand 2009 in Amsterdam, mittlerweile gibt es weltweit mehr als 1100. Die Idee besteht darin, kaputte Dinge nicht wegzuwerfen, sondern zu reparieren. In Nürnberg ist das Repair Café in ein sogenanntes Fablab integriert. Dorthin können Menschen kommen, die eine Bastelidee haben, sie aber nicht umsetzen können. Im Nürnberger Fablab gibt es zum Beispiel eine CNC-Fräse, einen 3D Drucker und einen Lasercutter.

Weitere Infos unter www.fablab-nuernberg.de oder unter www.wannistrepaircafe.de. Auch in Bayreuth gibt es ein Fablab (www.fablab-bayreuth.de) und ab Juli ein Repair Café im Transitionhaus.