Religion wird nicht so sehr ernst genommen
„Die Menschen hier nehmen Religion meistens nicht so ernst“, sagt Li Tzu-ning. „Die Religionskultur in Taiwan funktioniert anders als westliche Religionen, folgt kaum strikten Vorgaben.“ Aber viele Menschen haben eben kleinere Götterstatuen als Talismans oder Glücksbringer; man trägt sie immer bei sich, oder hat zuhause einen Altar. „Ich selbst habe zum Beispiel eine Buddhastatue in meinem Auto. Immer, wenn ich mich im Straßenverkehr von Taipeh aufrege, sehe ich sie an, und das beruhigt mich dann.“ Was Li Tzu-ning da aus seinem Privatleben erzählt, ist für Taiwan üblich. So berichtet etwa der Student Alvin Chang über seine Generation: „Wir besuchen die Tempel auch heute noch. Wir sagen uns, dass wenn man das nicht macht und seine Götterstatuen nicht zum Tempel bringt, kriegt man bei Prüfungen keine guten Noten.“ Oder man werde einen Unfall bauen. „Wenn man dann zum Beispiel einen Verkehrsunfall hatte, muss man diesen konkreten Glücksbringer auswechseln. Denn er hat dann seinen Job getan, indem er einen noch schwereren Unfall verhindern konnte.“