Bisher eine Million Euro für Altlastenentsorgung und Reinigung des Grundwassers

Der materielle und finanzielle Einsatz über all diese Jahre ist dringend nötig. Dessen sind sich die Behörden und Fachbüros bewusst. Nichtstun würde früher oder später das Trinkwasser im Wasserwerk Ranna beeinträchtigen. Dieses versorgt bekanntlich nicht nur 40 Prozent der Nürnberger Bürger, sondern auch die Menschen in Auerbach,  Die Rückstände aus dem ehemaligen Reinigungsbetrieb sind so genannte „leicht flüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe“ (LHKWs). Die Schadstoffe haben sich zunächst im Boden abgelagert und gingen von da aus durch den karstigen Untergrund in das Grundwasser über.

Im Laufe der Zeit wären immer mehr LHKWs im Grundwasser gelandet und hätten letztendlich das Wasser der Quellfassungen in Ranna verunreinigt. Seit 2004 sind für die Untersuchungen und Sanierung der Altlasten insgesamt Kosten von rund einer Million Euro angefallen. Mit der im Bau befindlichen Anlage werden es rund 1,5 Millionen Euro.

Diese Stoffe sind leicht flüchtig

„Zum Glück sind diese Stoffe leicht flüchtig“, erklärt Walter Pirner, Sachverständiger für Altlasten und Geschäftsführer des Fachbüros PROTECT Umwelt GmbH & Co. KG, das im Auftrag des Landratsamtes Amberg-Sulzbach die Grundwasserreinigungsanlage geplant hat. Seit der Entdeckung der Kontaminierung wurden bereits etliche Maßnahmen in die Wege geleitet. Ganz wichtig war die Untersuchung des Schadensausmaßes. Dazu wurden insgesamt 20 Grundwassermessstellen rund um das Gelände der Bulag, auf dem die Novetta einst ihren Sitz hatte, eingerichtet. Dazu mussten Brunnen gebohrt werden, die zum Teil 60 Meter tief sind. Seit 2009 wird als erster Schritt die Bodenluft gesäubert. Den Fachleuten kommt es entgegen, dass die Schadstoffe leicht flüchtig sind. Somit sei ein Absaugen mittels Unterdruck möglich, erklärt Pirner. Pro Tag werden auf diese Art knapp 0,3 Kilogramm Schadstoffe – insgesamt sind es inzwischen knapp vier Tonnen – ausgetragen. Das ist eine ganze Menge. Was abgesaugt werden kann, gelangt schon nicht in das Grundwasser. Die Bodenluftsanierung wird weiter betrieben.

Dennoch haben die Messungen gezeigt, dass auch das Grundwasser bereits belastet ist. Selbst bei den Vorfeldmessungen der N-Ergie waren die LHKWs vor den Grenzen zum Wasserwerk bereits nachweisbar. Aktuell bleiben die Messwerte konstant, hat Walter Pirner erfahren. Er ist zuversichtlich, dass die Bodenluftabsaugung damit schon erste Erfolge gezeigt hat.

Und nun wird der nächste Schritt vorbereitet, die Sanierung des Grundwassers mit einer Stripanlage. Dazu wird aus acht Grundwassermessstellen in der näheren Umgebung des Bulag-Geländes das Wasser in eine noch zu bauende Anlage geleitet. Die beteiligten Handwerker sind derzeit an der Vorbereitung des Anlagenbaus. Ein Graben, in dem nebeneinander Wasserzulauf, Entwässerung und diverse Stromkabel verlegt wurden, führt auf eine Grünfläche hinter den Garagen der Polizeiinspektion. Dort wird die Stripanlage aufgestellt. Es handelt sich dabei um einen etwa sechs Meter hohen Turm mit maximal 1,2 Metern Durchmesser.

Daneben wird ein Container aufgestellt, in dem ein Nass-Aktivkohle-Filter installiert wird. Dieser „Polizeifilter“ – wie es die Fachleute nennen – reinigt das Grundwasser nochmals, bevor es in ein Regenrückhaltebecken am Neumühlweg abgeleitet wird, für den Fall, dass die Stripanlage etwas übersehen hat. Insgesamt ist die Anlage darauf ausgelegt, dass 12 Kubikmeter Wasser pro Stunde gereinigt werden. Sollte ein Teil der Anlage nicht mehr funktionieren, wird diese notabgeschaltet. Das gereinigte Wasser wird regelmäßig untersucht, kündigt Pirner an. Er geht davon aus, dass die Grundwassersanierung einige Jahre dauern wird.