Regionale Unternehmen Im Ausland lockt das Wachstum

Raimund Walter sieht für viele regionale Unternehmen vor allem im Auslandsgeschäft weitere Wachstumschancen. Foto: Andreas Harbach

BAYREUTH. Schwächelnde Konjunktur hin, Handelskonflikte her – trotz der aktuellen Sorgen und Probleme sieht die Hypovereinsbank (HVB) Wachstumschancen für viele regionale Unternehmen vor allem in einer weiteren Internationalisierung.

Rund 11.000 Arbeitsplätze hängen laut Raimund Walter, der das HVB-Firmenkundengeschäft für den Bereich Bayern Nord-Ost verantwortet, in Bayreuth und Umgebung schon jetzt direkt vom Auslandsgeschäft ab. Rechnet man die Zulieferer dieser Firmen hinzu, sind es noch viel mehr.

Exportquote bei 50 Prozent

„Das Auslandsgeschäft ist seit vielen Jahren einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren für Wachstum, Wohlstand und Arbeitsplätze im Wirtschaftsraum Bayreuth“, sagte Walter im Kurier-Gespräch. Eine Einschätzung, die von Zahlen der Industrie- und Handelskammer für Oberfranken (Bayreuth) gestützt wird. Demnach stieg die Exportquote der oberfränkischen Industrie von knapp 30 Prozent zur Jahrtausendwende auf heute rund 50 Prozent. Das heißt, die heimische Industrie erwirtschaftet mittlerweile jeden zweiten Euro mit ihrem Auslandsgeschäft. Beim Maschinenbau sind es demnach sogar fast 70 Prozent.

Und, so Walter, diese Entwicklung werde sich fortsetzen, weil das Wirtschaftswachstum nach allen Prognosen außerhalb der Industrieländer wie Deutschlands auch auf Sicht deutlich stärker sein werde. Vor allem Schwellenländer seien angesichts in den vergangenen Jahren fast durchweg zweistelliger Steigerungsraten bei den Exporten aus Bayern interessant – in Europa zum Beispiel Ungarn, Rumänien, Slowenien, Kroatien oder Bulgarien.

Da sei es kein Wunder, dass viele heimische Unternehmen an diesem Wachstum teilhaben wollen. „Es gibt bei uns kaum noch ein Beratungsgespräch bei einem mittelständischen Unternehmen, bei dem Internationalisierung nicht ein Thema ist“, sagte Walter. Viele würden sozusagen einfach ins Ausland wachsen oder müssten entweder ihren eigenen Kunden dorthin folgen, den Auslandsmarkt mit einer Produktion vor Ort bedienen oder wollten den heimischen Standort durch zunehmendes Auslandsgeschäft mit sichern.

Nicht blauäugig sein

Allerdings, blauäugig dürfe man an das Thema auf keinen Fall herangehen. Gerade Firmen mit vielleicht zehn Millionen Euro Umsatz, die in dieser Phase klassischerweise oft erstmals an ein Auslandsengagement denken, müssten sich eingehend mit dem Thema und seinen Risiken beschäftigen und bräuchten einen kompetenten Partner.

Aber auch bei Firmen mit dreistelligem Millionenumsatz, die Walter und seine Mitarbeiter in Oberfranken und der nördlichen Oberpfalz ebenfalls zu ihren Kunden zählen, gehe es dabei zum Beispiel um den reibungslosen Zahlungsverkehr. Nicht wenige Unternehmen hätten das Risiko verspäteter Zahlungsflüsse bei Auslandsgeschäften auf die eigene Liquidität und Bonität nicht genügend auf dem Schirm. Das könne man ebenso absichern wie Währungsrisiken. Schließlich seien Kursschwankungen durchaus schon mal so groß, dass die komplette einkalkulierte Marge eines Geschäfts weg ist.

Wer im Ausland eine eigene Repräsentanz aufbauen wolle, stehe nicht nur vor der Frage der Finanzierung. Er müsse auch entscheiden, ob er selber vor Ort etwas aufbauen oder ein bestehendes Unternehmen übernehmen wolle, bei dem es vielleicht Nachfolgeprobleme gebe.

Viel Eigenkapital

Grundsätzlich sei übrigens zu beobachten, dass der heimische Mittelstand die guten Jahre seit der Finanzkrise dazu genutzt habe, die eigenen Bilanzen mit viel Eigenkapital zu unterfüttern. „Das und die anhaltend billigen Kredite unterstützen die Unternehmen bei ihren Auslandsbestrebungen“, sagte Walter, der nicht davon ausgeht, dass das Firmenkundengeschäft in absehbarer Zeit voll digitalisiert werde könnte: „Unternehmen brauchen ganz individuelle Lösungen und damit auch individuelle Beratung, die sich aber natürlich auf digitale Plattformen stützen wird.“

 

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