Region nicht betroffen Kennametal schließt drei Standorte

Pressegespräch nach der Betriebsversammlung (von links): Stefan Winnerlein von der IG Metall Ostoberfranken, Kennametal-Betriebsratsvorsitzender Alois Heinlein und Betriebsrat Martin Fraß. Foto: Ralf Münch

MISTELGAU. Der Kennametal-Konzern will drei Standorte mit insgesamt knapp 700 Beschäftigten schließen. Betroffen sind Werke in Essen, in Lichtenau bei Ansbach sowie das Zentrallager in Neunkirchen im Saarland.

Auf einer zusätzlichen Betriebsversammlung im Kennametal-Werk Mistelgau informierten deshalb der örtliche Betriebsrat und die IG Metall die rund 340 Mitarbeiter über den aktuellen Stand der Restrukturierung. Der Gesamtkonzern mit Hauptsitz in den USA, Spezialist für die Herstellung von Schneidkörpern und Spezialwerkzeugen, befinde sich „in einer sehr guten Gewinnsituation“, erläuterte Betriebsratsvorsitzender Alois Heinlein, der auch im Aufsichtsrat sitzt, in einem Pressegespräch.

„Dem Kennametal-Konzern geht es gut. Sowohl die Umsätze als auch die Gewinne sind im gerade beendeten Geschäftsjahr – im Vergleich zum Vorjahr – weiter gestiegen.“ Deshalb habe ihn die Nachricht über Werkschließungen und der Verlust der Arbeitsplätze getroffen wie ein Hammer“, formulierte Heinlein drastisch.

Sicherheit und Perspektive gefordert

„Kennametal will noch mehr Profit machen und verfolgt das ehrgeizige Ziel, die Gewinnmargen weiter zu steigern“, betonte Stefan Winnerlein, 2. Bevollmächtigter der IG Metall Ostoberfranken in Münchberg. Es scheine, als stünde für die Konzernleitung in den USA nur noch die kurzfristige Gewinnsteigerung im Vordergrund.

Die IG Metall und die Arbeitnehmervertreter fordern hingegen Sicherheit und Perspektive für die Mitarbeiter an allen Standorten. Dazu gehörten ein europäisches Management mit Entscheidungskompetenz, das in der Lage ist, mit den örtlichen Arbeitnehmervertretern Strategien zur nachhaltigen Standort- und Beschäftigungssicherung zu erarbeiten und umzusetzen. Die IG Metall und der Betriebsrat rufen Kennametal auf, den anstehenden industriellen Wandel durch mehr Mitsprache und soziale Sicherung der Beschäftigten zu flankieren.

„Die Beschäftigten in Mistelgau sind verunsichert“, berichtete Heinlein. Durch die Schließung eines Werkes werde Mistelgau eine geringe Zahl neuer Aufträge für die Fertigung von Spezialteilen und Sonderwerkzeugen bekommen. Dies werde aber keine neuen Arbeitsplätze zur Folge haben. In Mistelgau werde derzeit wieder in Maschinen und Anlagen investiert, um Automatisierung und Modernisierung voranzubringen. Der Auftragsbestand sei gut.

Zuvor Millionen investiert

Wie Stefan Winnerlein von der IG Metall erläuterte, wurden vor zwei Jahren im Werk Mistelgau 60 Arbeitsplätze abgebaut. Das Werk Essen, das nun geschlossen werden soll, habe profitabel gearbeitet. In den vergangenen zwei Jahren seien dort rund 20 Millionen Euro investiert worden. „Offenbar gilt der Grundsatz, dass ein profitabler Standort Arbeitsplätze sichert, nicht mehr.“

Die Führung des US-Konzerns hatte gegenüber der „WAZ“ die Schließungspläne verteidigt. „Die vorgeschlagenen Maßnahmen sind schmerzhaft, aber sie sind notwendig“, sagte Firmenchef Christopher Rossi. Ziel sei es, „strukturelle Verbesserungen zu erreichen, unsere operative Effizienz weiter zu verbessern und Mehrwert für unsere Anteilseigner zu generieren.“

 

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