Anders als der rechtskonservative Präsident Polens thematisiert die Mitte-Links-Regierung von Ministerpräsident Tusk die Reparationsfrage nicht mehr offensiv - sie erwartet von der Bundesregierung aber zunächst einmal mindestens diese Geste der Unterstützung für die noch lebenden Opfer.
Das Projekt einer festen Gedenkstätte für die polnischen Kriegsopfer in Berlin wollen beide Seiten aber vorantreiben. Dafür sollen konkrete Ausschreibungsverfahren gestartet werden.
Vertiefte Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich
Im Zentrum der Konsultationen stand eigentlich die Vertiefung der Beziehungen in den Bereichen Verteidigung, Wirtschaft und Infrastruktur. Tusk wertete die Ergebnisse des Treffens als "eine historische Veränderung".
Er würdigte vor allem die "umfassende polnisch-deutsche Zusammenarbeit in Bezug auf die Verteidigung der Ostgrenze Europas bezeichnen". Dazu soll zum 35. Jubiläum des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrags im nächsten Jahr ein Abkommen mit konkreten Projekten unterzeichnet werden.
Merz nannte Deutschland und Polen "unverzichtbare Nachbarn und Partner". Bei der Modernisierung der Infrastruktur geht es unter anderem um die Bahnlinie zwischen dem brandenburgischen Angermünde und der polnischen Grenzstadt Stettin sowie um die Straßenverbindung an der Grenze bei Frankfurt an der Oder.
Merz beschwört Zusammenhalt in Ukraine-Politik
Merz beschwor auch die Einigkeit europäischer Partner bei den Ukraine-Verhandlungen und trat Spekulationen entgegen, Polen sei dabei außen vor. Anfang Mai war Merz zusammen mit Tusk, Macron und Starmer in Kiew, um die Solidarität mit der Ukraine zu demonstrieren.
Den aktuellen Verhandlungsprozess über einen Friedensplan führen nun aber Deutschland, Frankreich und Großbritannien ohne Polen, das lediglich konsultiert wird - obwohl Polen als Nachbarland der Ukraine und Russlands besonders von dem Krieg betroffen ist. In Polen hat das zuletzt für Enttäuschung gesorgt. "Derzeit sieht es so aus, als wären wir bei den Verhandlungen überflüssig", schrieb die "Gazeta Wyborcza", eines der wichtigsten polnischen Medien, kurz vor den Konsultationen.