Realschule: Mehr Alltag im Lehrplan

Von Moritz Kircher

Mehr Praxisbezug und gleichzeitig eine bessere Durchlässigkeit in weiterführende Schulen: Der neue Lehrplan Plus, der ab dem Schuljahr 2017/18 in den Realschulen eingeführt wird, hat ehrgeizige Ziele. Mit der Umstellung kommt erst einmal mehr Arbeit auf die Lehrer zu. Trotzdem freuen sich alle auf den neuen Lehrplan.

Elke Zahn unterrichtet an der Keppler-Realschule Englisch, BWR sowie Wirtschaft und Recht. Sie ist Konrektorin und ist in der Lehrplan-Kommission des Staatsinstituts für Schulqualität und Bildungsforschung. Foto: red Foto: red

Elke Zahn ist gleich doppelt betroffen vom neuen Lehrplan. Als Lehrerin für Englisch, BWR sowie Wirtschaft und Recht muss sie ihn in mehreren Fächern umsetzen. Außerdem sitzt die Konrektorin der Bayreuther Kepler-Realschule in der Kommission, die die Inhalte des neuen Planes ausgearbeitet hat. "Es sollten möglichst lebensnahe Sachverhalte in den neuen Lehrplan", sagt sie. Daran hat die Kommission lange getüftelt. Und das nicht im stillen Kämmerlein. Es wurden Eltern und Schüler befragt, der aktuelle Lehrplan ausgewertet. Und all das durchforsteten die Experten auf der Suche nach Ansätzen für Verbesserungen.

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Die Schüler müssen nicht mehr lernen als sonst - aber anders

Vor Kurzem hat Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle den neuen Lehrplan genehmigt. In einer Mitteilung seines Ministeriums stehen die Ziele: mehr Alltagskompetenz, Werteerziehung, soziales Lernen, bessere Vorbereitung auf die Berufsausbildung und dabei gleichzeitig eine bessere Verzahnung mit Lerninhalten auf Gymnasien und berufsbildenden Schulen, um Schülern den Übergang zu erleichtern. Klingt das nicht nach der eierlegenden Wollmilchsau? Und nach zu viel Lernstoff, der Schüler und Lehrer überfordern könnte? Schließlich soll der bisherige Lernstoff nicht vernachlässigt werden.

Elke Zahn teilt diese Befürchtung nicht. Der neue Lehrplan beinhalte nicht mehr Lernstoff. "Es wird einfach nur anders", sagt sie. Schon im nun auslaufenden Lehrplan, der seit 2001 gilt, ging es weniger ums reine Stoff pauken. Das Lernen soll jetzt in allen Fächern noch lebensnaher werden. "Es wird auch interessanter für die Kinder", sagt Zahn.

Schulleiter und Gewerkschaft mit dem neuen Lehrplan zufrieden

Auch Monika Hild, Schulleiterin der Carl-von-Linde Realschule in Kulmbach, blickt optimistisch auf den Lehrplan Plus. Die Verknüpfung von theoretischem Wissen und praktischer Anwendung sei schon immer ein "Kennzeichen des Unterrichts an Realschulen" gewesen. Das werde jetzt noch besser. Sie erwartet, dass der neue Lehrplan die Schüler zum Lernen motiviert, "weil sie den Wert des Wissens für ihr Alltagsleben kennenlernen".

Der neue Lehrplan wird Stück für Stück eingeführt - mit dem Schuljahr 2017/18 in den fünften Klassen der Realschulen. Das bedeutet, erst ab dem Jahr 2023 gilt der neue Lehrplan flächendeckend für alle Jahrgangsstufen der Realschule.

Schulleiter in Pegnitz: Lehrplan Plus ist zeitgemäß

Auch beim Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverband (BLLV) kommt der neue Lehrplan gut an. Birgit Dittmer-Glaubig, Abteilungsleiterin Berufswissenschaft, sagt: "Eine Revolution ist der Lehrplan Plus nicht. Das würden wir auch nicht befürworten." Sie spricht dennoch von einer "großen Reform". Das Lernen sei künftig viel stärker am Alltag der Schüler ausgerichtet. "Und das Befürworten wir vom BLLV sehr."

Wo man sich umhört, was da mit dem Lehrplan Plus auf die Realschulen zukommen, trifft auf Zustimmung. Christoph Kasseckert, Leiter der Realschule in Pegnitz, sagt, es sei zeitgemäß, was da jetzt geplant sei. "Der neue Plan hat viel Gutes, er sorgt für Kontinuität."

Noch weniger stupides Lernen als früher

Zumindest in der Zeit der Umstellung kommt aber mehr Arbeit auf die Lehrer zu. Sie müssen die neuen Lehrmaterialien einführen. Es gibt neue Schulbücher. In Fortbildungen müssen sich die Lehrer das draufschaffen, was neu ist. "Für die Lehrer ist das schon Aufwand", sagt Elke Zahn. Zumindest, bis der der Plan komplett eingeführt ist. Mit jeder neuen Jahrgangsstufe müssten sich die Lehrer an den neuen Lehrplan gewöhnen.

Aber sie ist zuversichtlich, dass mit dem neuen Lehrplan alles besser wird. "Der Vorwurf an die Schule war immer: Die üben zu viel stupiden Stoff." Das sei zwar schon bisher nicht der Fall gewesen. "Gerade in den Wirtschaftsfächern werden die Schüler an der Realschule sehr lebensnah ausgebildet", sagt sie. Jetzt würden die Aufgaben noch stärker an die Herausforderungen des Alltags angepasst.