Raumedic-Chef Seuferling Ein Mann mit sportlichen Zielen

Glücklich, wieder in Franken tätig zu sein: Stefan Seuferling, der seit März dieses Jahres Vorstandsvorsitzender der Raumedic AG mit Sitz in Helmbrechts ist. Foto: Roland Töpfer

HELMBRECHTS. Ein neuer Chef setzt neue Ziele. „Sportliche Ziele“, sagt Stefan Seuferling, seit September letzten Jahres im Vorstand des Helmbrechtser Medizintechnikherstellers Raumedic AG und seit März Vorstandschef. Raumedic soll auch in den kommenden Jahren im zweistelligen Prozentbereich wachsen.

Der smarte 45-Jährige, der mit seiner Familie in einem kleinen Ortsteil von Hilpoltstein im mittelfränkischen Landkreis Roth wohnt und täglich die 130 Kilometer einfach pendelt, sagt dies, obwohl die Geschäfte schwieriger werden.

Denn im großen Bereich medizinischer Schläuche denken immer mehr Kunden an eine Eigenfertigung, die mit neuer Technologie, die es früher nicht gab, möglich ist. Bei der Produktion von Spritzgussteilen bleibe Raumedic aber mit seiner Präzision Weltspitze, sagt Seuferling. Ganz generell will er weg vom reinen Produktdenken. „Wir müssen mehr in Anwendungen denken.“

Neubauten notwendig

Weil die Geschäfte gut laufen – 2018 machte das Unternehmen knapp 130 Millionen Euro Umsatz und verbuchte einen operativen Gewinn im zweistelligen Bereich - muss Raumedic in einigen Jahren neu bauen, um mehr Platz für Büros und Produktion zu bekommen. Seuferling bestätigt frühere Angaben, dass es sich dabei um eine Investition von zehn bis 20 Millionen Euro handeln wird, die er aber um ein, zwei Jahre nach hinten schieben möchte.

Bisher waren die Jahre 2021/22 genannt worden, rund 200 Arbeitsplätze sollten neu geschaffen werden. Auch hier gibt sich Seuferling zurückhaltender. Er will mit optimierten Prozessen Reserven heben und damit die Umsätze steigern. Auch, weil die Personalsuche immer schwieriger wird. „Wir brauchen immer mehr Experten“. Aktuell seien rund 30 Stellen zu besetzen. Von 830 Beschäftigten arbeiten 580 in Helmbrechts.

Raumedic produziert in Reinräumen medizinische Schläuche, Katheter, Formteile sowie Baugruppen und Systeme für diagnostische und therapeutische Anwendungen. Das Unternehmen entstand 2004 über eine Ausgründung aus der Rehau AG mit damals 240 Mitarbeitern.

4000 bis 5000 Artikel

Produziert wird in Helmbrechts, im sächsischen Zwönitz, in Feuchtwangen und seit 2016 in Mills River im US-Bundesstaat North Carolina. Das eigenständige US-Geschäft verantwortet Martin Bayer, früher Chef in Helmbrechts. 4000 bis 5000 Artikel hat Raumedic im Programm.

60 bis 70 Prozent des Umsatzes entfallen auf die unterschiedlichsten Arten von medizinischen Schläuchen, die an andere, meist größere Medizintechnik-Unternehmen geliefert werden. Der in Sachsen gefertigte Hirndruckkatheter geht direkt an Kliniken.

Stefan Seuferling hat in Nürnberg BWL studiert. Geboren wurde er in der Nähe von Neuss (NRW), ein Jahr später ging es weiter nach Niedersachsen, dann nach Bayern in den Landkreis Roth. Der Grund: Sein Vater war Berufssoldat, musste oft umziehen.

Parallel zum Studium macht Seuferling eine Lehre als Bankkaufmann, arbeitet später in München für den Wirtschaftsprüfer KPMG, macht auch noch sein Steuerberater-Examen („Das war die Hölle“), geht zum Wirtschaftsprüfer Ernst & Young und wird später Leiter Konzernrechnungswesen bei Pfleiderer in Neumarkt.

2003 bis 2011 bleibt er in der Oberpfalz, dann beginnt mit Tutogen, einem Produzenten biologischer Implantate in Neunkirchen am Brand, das Kapitel Medizintechnik, das er ab 2015 bei Dräger in Lübeck und seit 2018 bei Raumedic fortsetzt.

Stelle im Internet entdeckt

Letztendlich hat Seuferling die Familie mit zwei Söhnen, die immer in Hilpoltstein blieb, zurück nach Franken geholt. Das ständige Pendeln, die häufige Abwesenheit - Seuferling wollte das beenden.

Nach Lübeck zu Dräger waren es 630 Kilometer. Einmal hat er die Strecke in viereindreiviertel Stunden geschafft. „Ich hatte keinen neuen Job, ich musste runter“, sagt er heute. Runter nach Franken. Im Internet entdeckt er die Chefstelle von  Raumedic, bewirbt sich, wird genommen. Rund eine Stunde fährt er nun bis in sein restauriertes altes Bauernhaus nach Hilpoltstein. Klappt das Pendeln doch mal nicht, hat er noch eine Wohnung in Helmbrechts.

Mit dem Motorrad oder seinem alten Land Rover Defender geht er ins Gelände. Sport? „Zu wenig. Ich bin früher viel gelaufen. Aber nun ist das Knie kaputt“, antwortet Seuferling. Er geht zur Jagd, ist gerne in der Natur.

Von seinem Büro aus hat er einen weiten Blick ins üppige Grün. Kein Wunder, dass der 45-Jährige gerne länger bleiben möchte. „Ich kann mir gut vorstellen, hier in Rente zu gehen.“

 

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