Rathaus ins Pfarrhaus Noch keine aktuellen Kosten bekannt

Das neue Rathaus soll in das Pfarrhaus neben der Basilika kommen. Foto: fe/Frauke Engelbrecht

Der Marktgemeinderat Gößweinstein hat entschieden, dass das neue Rathaus ins Pfarrhaus neben der Basilika kommt. Zur Zeit laufen die Vorplanungen, Genaues ist noch nicht entschieden. Der Bürgermeister informierte jetzt über den aktuellen Sachstand.

Seit 34 Jahren beschäftigt die Marktgemeinde Gößweinstein das aktuelle Rathaus. Neubau, Sanierung oder in neue Räumlichkeiten? „Es gab immer wieder wichtigere Themen, die dazwischengekommen sind und die viel Geld gekostet haben“, erklärte Bürgermeister Hanngörg Zimmermann bei einer Informationsveranstaltung zum aktuellen Stand und Hintergründen. Rund 100 Besucher waren dazu in die neue Sporthalle gekommen.

Grundlagenermittlung und Vorplanung

Verschiedene Alternativen waren schon diskutiert worden, unter anderem das ehemalige Gasthaus Rose als Rathaus zu nutzen. Aber auch ein Neubau am aktuellen Standort in der Burgstraße war im Gespräch. Der dafür notwendige Abriss des bestehenden Gebäudes ist aber aus Denkmalschutzgründen derzeit nicht genehmigungsfähig.

Im November 2019 schließlich sprach sich der Marktgemeinderat mit 15:1 Stimmen für den Umbau des Pfarramtes neben der Basilika zum Rathaus aus, so der Bürgermeister. Anfang dieses Jahres wurde ein Architektenvertrag mit der Bewerbergemeinschaft Schoener und Panzer aus Leipzig geschlossen. „Bislang wird aber nur eine Grundlagenermittlung und Vorplanung durchgeführt“, sagte Zimmermann.

Fehlende Barrierefreiheit

Der Bürgermeister gab einen Überblick, welche Alternativen für ein neues Rathaus noch betrachtet wurden. Dazu gehören unter anderem auch, die Verwaltung in der Hauptschule, in der Volksbank, in der Jugendherberge oder dem Hallenbad unterzubringen. Auch das Dachgeschoss des Feuerwehrhauses war im Gespräch. Zumeist sprach aber die fehlende Barrierefreiheit dagegen.

Wichtige Infrastrukturmaßnahmen

Ebenfalls gab Zimmermann einen Überblick über wesentliche Infrastrukturmaßnahmen in den vergangenen 34 Jahren, die zuerst als wichtiger anstanden. Er nannte diverse Straßenbaumaßnahmen, Kanalarbeiten, Bebauungspläne und den Breitbandausbau. Dazu kam noch die Ausstattung der kommunalen Feuerwehren. Auch im kulturellen Bereich hatte es mit der Kulturwerkstatt Morschreuth, der Sanierung des Höhenschwimmbades, des Wallfahrtsmuseums sowie des Haus des Gastes wesentliche Maßnahmen gegeben, so Zimmermann.

Auch Dorferneuerungen und Flurneuordnungen, die energetische Sanierung der Schule, der Neubau der Sporthalle, die Digitalisierung, Kinderspielplätze und eine kontinuierliche umfassende Fahrzeugausstattung des Bauhofes wurden durchgeführt. „Nichts Überflüssiges“, so der Bürgermeister, „aber es war klar, dass jetzt auch mal die Mitarbeiter des Rathauses und dessen Gäste dran waren.“

Querverbindung zum Ortszentrum

„Mit der Entwicklung des Pfarrhauses und Pfarrgartens – insgesamt knapp 4000 Quadratmeter - verfolgen wir jetzt eine Aktivierung des Innenentwicklungspotenzials, eine Leerstandaktivierung und auch den Erhalt ortsbildprägender Gebäude“, erläuterte er. Die Querverbindungen zum Ortszentrum würden so gestärkt und das touristische Angebot erweitert. „Mit der Verlagerung des Rathauses ins Pfarrhaus rücken wir es zusammen mit der Touristinfo an zentralere Stelle, sanieren die denkmalgeschützte Substanz samt Außenfassade und schaffen einen barrierefreien Zugang und Ausbau eines öffentlichen Gebäudes.“ Auch die öffentliche Toilette werde saniert.

Gestalterisch aufwerten

„Unser Ziel ist, einen öffentlichen Begegnungsraum im Ortskern zu schaffen und die Verweildauer im Ort zu erhöhen“, so Zimmermann. Auch der Marktplatz werde gestalterisch aufgewertet und ein Anschluss an eine nachhaltige Energieversorgung sei möglich.

Auch eine Übersicht über die geplante Finanzierung legte der Bürgermeister vor. So wird mit gut sechs Millionen Euro an Einnahmen aus Zuschüssen und Stabilisierungshilfe gerechnet. Dem stünden Ausgaben von knapp 8,4 Millionen Euro für den Umbau des Pfarrhauses inklusive Erweiterungsbau und öffentlicher Toilette, Ausstattung und Nachnutzung des alten Rathauses gegenüber. „Der Eigenanteil der Kommune würde bei 2,79 Millionen liegen“, so Zimmermann, der aber betonte, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkten noch keine genauen Zahlen vorliegen, da noch die Vorplanung laufe.

Schwer zu finden

Das unterstrich auch Architekt Michael Schoener. Grundsätzlich sei die Lage und Ausnutzung des Areals prädestiniert für eine Umnutzung zum Rathaus mit Gästeinfo und Pfarramt. Auch er hob die Beseitigung eines langfristigen Leerstandes und einen Sanierungsstand hervor. „Außerdem ist das jetzige Rathaus schwer zu finden.“ Sein Büro habe vorgeschlagen, das vorhandene Nebengebäude des Pfarrhauses abzureißen und ein neues Erschließungsbauwerk zur Verbindung mit dem Erweiterungsbau zu erreichten. Dort könnte eine Sitzungs- und Veranstaltungshalle entstehen. Auch neue, öffentliche sanitäre Anlagen würden errichtet. „Das Bestandsgebäude und der Neubau sollen in einen Dialog treten“, erklärte er. Barocke Teile des Baudenkmals würden mit aufgenommen und ein geschützter Innenhof entstehen. Die Anbindung solle erdgeschossig erfolgen, ein Abstand zur Basilika eingehalten werden. „Angedacht ist eine harmonische Entwicklung der Erweiterung“, sagte Schoener. Zur Raumplanung ergänzte er, dass im Erdgeschoss auf Basilikaseite das Pfarramt, auf der anderen Seite die Touristinfo denkbar seien. Im ersten und zweiten Obergeschoss wäre dann die Rathausverwaltung. Eine Vorstellung der Vorentwurfsplanung plane er für September dieses Jahres ein. „Unser Ziel ist eine größtmögliche Kostensicherheit für das Projekt“, betonte er.

Baukostensteigerung wurde berücksichtigt

Die Frage von Gerhard Wolf, ob bei der Kostenschätzung von gut acht Millionen Euro die Baukostensteigerung berücksichtigt wurde, bejahte der Bürgermeister. Parkplätze gebe es am Friedhof und in der Burgstraße, von der es nur ein paar Schritte seien, erwiderte er auf die Nachfrage von Albrecht Schuh. Regionalkantor Georg Schaffer wollte wissen, warum überhaupt ein Erweiterungsbau notwendig ist? „Die Statik im Pfarrhaus ist nicht ausreichend und die Kaminzüge im Obergeschoss müssen denkmalschutzrechtlich geschützt werden“, so Zimmermann. Deshalb könne das dritte Obergeschoss auch nur als Lagerraum für nicht so schwere Dinge genutzt werden.

Auf Kostenrahmen achten

„Wir brauchen einen Planer, der auf den Kostenrahmen achtet“, appellierte Josef Neuner. Bedenken, dass sich die Außendarstellung sehr verändere, äußerte Martin Redel. Caro Keller forderte nachdrücklich dazu auf, endlich mit dem neuen Rathaus anzufangen. „Wir haben schon lange genug diskutiert.“ Das sah auch Stefan Bogner so. „Das Risiko beim alten Rathaus ist da, die Kosten können weiter steigen, aber wir haben jetzt zig Möglichkeiten geprüft“, sagte er. Jetzt habe sich die Chance aufgetan, einen Anziehungspunkt für Bürger und Gäste im Ort zu schaffen.

Gemeinderat Bernhard Vogel regte noch an, über die Betriebskosten im Hinblick auf die energetische Situation bei einem so alten Bestandsgebäude nachzudenken. „Wir wollen nichts kaputtsanieren“, entgegnete Architekt Schoen, „das ist eine tolle Bausubstanz.“

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