Staatsanwalt Dominik Pyka rückte entsprechend des rechtlichen Hinweises der Jugendkammer vom Mordvorwurf ab und beantragte für Teilnahme an einem verbotenen Rennen und wegen fahrlässiger Tötung vier Jahre Jugendstrafe für den 21-jährigen Angeklagten, der am 6. Februar in Selb einen 19-jährigen Berufsschüler aus Kulmbach überfuhr.

Der Nebenklageanwalt Frank Stübinger sieht den Tötungsvorsatz ebenfalls nicht als erwiesen an und beantragte Schuldspruch wegen eines verbotenen Einzelrennens mit Todesfolge - allerdings nach Erwachsenenstrafrecht. Vier Jahre beantragte Stübinger.

Die Plädoyers der Verteidigung werden gegen 10.15 Uhr erwartet. Auch die Verkündung des Urteils sei geplant, teilte ein Justizsprecher mit.

Schon vorab sah die Jugendkammer den Mordvorwurf gegen den Autofahrer nicht bestätigt. Stattdessen komme eine Verurteilung wegen Gefährdung des Straßenverkehrs und fahrlässiger Tötung in Frage. Der 21 Jahre alte Angeklagte ist demnach wieder auf freien Fuß.

Der Deutsche war Anfang Februar 2020 mit überhöhter Geschwindigkeit durch das Stadtgebiet von Selb (Landkreis Wunsiedel) gerast. Vermutlich wollte er mit seiner riskanten Fahrweise einer Gruppe Berufsschüler imponieren. Dabei erfasste er einen 19 Jahre alten Fußgänger frontal, der trotz sofortiger Reanimationsversuche noch an der Unfallstelle starb. Zum Prozessauftakt bedauerte der Angeklagte die Raserei, er sei jedoch kein Rennen gefahren.

Mord wird bei einem Erwachsenen mit lebenslanger Freiheitsstrafe geahndet. Nach Jugendstrafrecht droht eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren. Eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung fällt deutlich milder aus: Der Strafrahmen liegt bei einer Geld- oder Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren.