Nach mehr als zweistündigen Gesprächen war dann Schluss. Von Kim kein Wort, aber von Trump spätabends noch ein Tweet. Er sprach von einem "großartigen Treffen". Im O-Ton: "Sehr guter Dialog. Morgen weiter." Zeitgleich gab das Weiße Haus bekannt, dass am Donnerstag, wieder im "Metropole", eine gemeinsame Abschlusserklärung unterzeichnet werde. So weit geht man in der internationalen Politik nur, wenn man sich praktisch sicher ist.
Beiden Seiten ist klar, dass nach dem eher symbolischen Auftakt vor acht Monaten nun mehr erwartet wird. Was könnte das sein? Denkbar wäre, dass Trump und Kim den Koreakrieg (1950-1953) in einer großen Geste für formell beendet erklären.
Man muss nicht unbedingt sofort verstehen, was das nach mehr als sechs Jahrzehnten soll. Tatsächlich befinden sich beide Länder völkerrechtlich aber immer noch im Krieg miteinander. Dies wäre also eine vertrauensbildende Maßnahme von historischer Dimension - die zudem wenig kostet. Für einen richtigen Friedensvertrag müssten noch China und Südkorea dazu.
Möglich wäre auch, dass die USA und Nordkorea im jeweils anderen Land sogenannte Verbindungsbüros eröffnen - gewissermaßen die Vorstufe zu Botschaften. Für zwei Länder, die noch nicht einmal diplomatische Beziehungen miteinander haben, wäre das ein wichtiger Schritt. Auch über eine Schließung des nordkoreanischen Atomkomplexes Yongbyon, die Zulassung von internationalen Atom-Inspekteuren und die Wiederaufnahme innerkoreanischer Wirtschaftsprojekte wird spekuliert.
Für die vielen Leute, die in der Dunkelheit vor dem "Metropole" warteten, ist das aber ferne Politik. Sie wollten vor allem eins: einen Blick auf die beiden Hauptdarsteller erhaschen. Schließlich ist das alles auch eine große Show. Neben all den Fähnchen hängen in Hanoi auch Plakate mit stilisiertem Handschlag. Das soll die Hände von Kim und Trump symbolisieren. Aber wer genauer hinschaut, erkennt: Es ist aus älterer, klassisch sozialistischer Produktion.