Radeln in Bayreuth Wo die Autos in die Stadt brettern

BAYREUTH. Man muss vorausschicken, dass Karin Dierkes in drei Städten gelebt hat, in denen Fahrradfahrer nicht nur gelitten, sondern sogar dem motorisierten Verkehr bevorzugt werden: Münster, Kopenhagen und Amsterdam. Natürlich lässt sich Bayreuth nicht mit diesen fahrradfreundlichen Städten vergleichen. Und es wäre verwunderlich, wenn Karin Dierkes mit ihren Erfahrungen keine Kritik an Bayreuths Situation für Radfahrer hätte. Trotzdem sagt sie, dass es in der „Stadt langsam besser für uns Radfahrer wird, aber noch viel, viel getan werden muss“.

Ihr täglicher Weg zur Arbeit führt vom Roten Hügel zum Wilhelmsplatz. Im Mittelpunkt ihrer Kritik steht ein überschaubarer Bereich der Bayreuther Innenstadt: das Areal rund um Rotmain-Center und Cineplex, das sie zweimal am Tag befährt.

Gefahr übersehen zu werden, ist groß

Ihr erster Kritikpunkt: Die Einmündung des Radweges entlang der Mistel hinter dem Rotmain-Center auf den Radweg, der stadtauswärts auf der linken Seite der Hindenburgstraße verläuft. Radfahrer, die aus Richtung Innenstadt (Mühltürlein) kommend auf diesen Radweg einbiegen wollen, würden oft die Kurve schneiden und damit geradezu einen Zusammenprall mit entgegenkommenden Radlern provozieren. Dieser Gefahr bewusst, pirscht sich Karin Dierkes langsam an die Einmündung heran.

Auf ihrem weiteren Weg in die Casselmannstraße hat die passionierte Radfahrerin zwei Alternativen. Geradeaus über die Hindenburgstraße oder rechts abbiegen zur Ampel zwischen Rotmainhalle und Cineplex. Die zweite Variante wählt sie, wenn der Verkehr auf der Hindenburgstraße das Überqueren erschwert. Dann fährt sie vor bis zur Rotmainhalle, dort über die Ampel bis zur gegenüberliegenden Verkehrsinsel und weiter über die Ampel Am Mainflecklein. Wenn sie, drüben angekommen, auf die Straße Am Mainflecklein einbiegen will, muss sie auf den Verkehr achten, der aus Richtung Hohenzollernring kommend rechts in die Straße Am Mainflecklein einbiegt. Die Gefahr, hier übersehen zu werden, ist für Radfahrer groß.

Eine Seite markiert, die andere nicht

Zuvor muss Karin Dierkes jedoch noch an einer nach ihrer Meinung großen Gefahrenstelle vorbei: Die Ein- und Ausfahrt des Parkhauses. Ausfahrende Autofahrer würden wohl durch Schilder auf den Radverkehr hingewiesen. Trotzdem würden viele, wie ihre Erfahrung zeigt, nicht damit rechnen, dass Radfahrer von beiden Seiten kommen. Erschwert werde die Situation dadurch, dass der Verkehrsspiegel fast blind sei und dringend ausgetauscht werden müsse. Außerdem sollte der Radweg an der Ausfahrt rot markiert werden, um ihn für Autofahrer sichtbarer zu machen. Warum man diese Stelle bisher ausgespart, die Ausfahrt der Brauerei Maisel auf der anderen Seite der Mistel hingegen rot markiert hat, erschließt sich Karin Dierkes nicht. Die Überquerung der Hindenburgstraße ist nicht ganz ungefährlich, weiß Karin Dierkes. Schuld daran seien zwei Faktoren.

Eine breitere Verkehrsinsel

Zum einen würden viele Autofahrer auf dieser Einfallstraße gerne in Richtung Innenstadt „brettern“, also mit überhöhter Geschwindigkeit diese Stelle passieren. Über die Hindenburgstraße zu fahren, werde den Radfahrern wohl erleichtert durch eine Verkehrsinsel in der Mitte der Straße. Diese sei jedoch, betont Karin Dierkes, viel zu schmal. Um die Situation an dieser Stelle zu entschärfen, hat sie drei Vorschläge: Erstens sollte die Verkehrsinsel verbreitert werden, um gefahrlos dort verweilen zu können, bis sich eine Lücke im Verkehr auftut. Zweitens sollte auch hier ein rot markierter Streifen quer über die Straße Autofahrer zu mehr Wachsamkeit animieren. Und drittens sollte das Tempo verringert werden auf 30 Stundenkilometer. „Der Verkehr muss entschleunigt werden“, sagt Karin Dierkes. Viele Autofahrer würden stadteinwärts 60 und mehr Stundenkilometer fahren.

Viele Stellen, an denen Radfahrer im Nirgendwo stehen

Die zweite Variante, um in Richtung Casselmannstraße zu fahren, führt Karin Dierkes hinter dem Parkhaus in Richtung Main-Radweg und auf dem bis zur Brücke über den Roten Main, wo der Radweg abrupt endet. Dass sie hier absteigen muss, ist für sie nicht das Problem. Vielmehr die Tatsache, dass sich hier Radfahrer, die auf dem Gehsteig über die Brücke fahren und rechts auf den Main-Radweg abbiegen oder geradeaus zum Cineplex fahren wollen, und Fußgänger, die in beiden Richtungen laufen, in die Quere kommen. An dieser Stelle die Straße zu überqueren, sei im morgendlichen Berufsverkehr kaum möglich, sagt Karin Dierkes. Also schiebe sie ihr Rad über die Brücke bis zur Überquerungshilfe am anderen Ende der Brücke.

Es gebe viele Stellen in der Stadt, wo Radler plötzlich im Nirgendwo stehen, sagt Karin Dierkes. Und hat einen Vorschlag, wie sich viele brenzlige Situationen entschärfen lassen: „Die Stadt sollte dringend mit uns Radfahrern ins Gespräch kommen. Wir haben gute Ideen und kennen die Stadt aus einer schönen Perspektive.“


Das sagt das Stadtplanungsamt

Die von Karin Dierkes angeführten Probleme im Umfeld des Rotmain-Centers und des Cineplex sind für Ulrich Meyer zu Helligen, dem Leiter des Stadtplanungsamtes, nicht neu. Abgesehen vom Verkehrsspiegel an der Parkhaus-Ausfahrt. Sollte dieser beschädigt sein, müsse der Parkhausbetreiber ihn auswechseln. Die Anregung, den Radweg vor der Ausfahrt rot zu markieren, werde man umsetzen, wenn möglich. Wo es Sinn mache, sollte man die rote Markierung auch einsetzen, sagt Meyer zu Helligen.

Gute Nachricht hat Meyer zu Helligen bezüglich der Querung der Hindenburgstraße. Das Radverkehrskonzept der Stadt sehe vor, auf 3,75 Meter zu verbreitern und auf sechs Meter zu verlängern. Eine Rotmarkierung sei nicht vorgesehen. Eine Verbesserung werde es auch auf der Hindenburgstraße ab der Kreuzung Hohenzollernring geben. Auf der Fahrspur stadtauswärts soll ein Schutzstreifen für Radfahrer aufgebracht werden, der bei der vergrößerten Querungsinsel endet. Hier müsse der Radfahrer über die Straße auf den links weiterführenden Radweg wechseln.

Eine Verbesserung der Einmündung des Main-Radweges in die Straße Am Mainflecklein werde sich nicht durchführen lassen. Weil gegenüber eine Straße einmündet. lasse sich keine Querungshilfe anlegen. Meyer zu Helligen: „Da muss man eben absteigen.“


Das sagt der ADFC

Er sei „schwer dafür“, etwa ab/bis Höhe Herzogkeller Tempo 30 auf der Hindenburgstraße einzuführen, sagt Stefan Steurer, Kreisvorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC). Dort befänden sich mehrere Querungen und Ausfahrten (unter anderem Rotes Kreuz, Parkhäuser, Tankstelle). Darüber hinaus werde der Abschnitt zwischen Roxy/Kino und Enchilada gern als „Posermeile“ genutzt. Das hätte er auch bereits bei der Stadt vorgebracht. Weil das aber eine Bundesstraße sei, wolle man es nicht angehen beziehungsweise meine, es ließe sich nicht durchsetzen. Steurer: „Vielleicht muss es erst noch einen Toten geben.“

Zur Ausfahrt der Tiefgarage sagt Steurer: „Wenn der Spiegel blind ist, muss er ersetzt werden. Die Ausfahrt ist gefährlich, weil die Ausfahrenden meist eher nur nach links gucken, weil mit Gehsteigradlern von rechts weniger gerechnet wird. Eine zusätzliche Rotmarkierung kann nichts schaden.“ Eine Verbreiterung der Aufstellfläche auf der Hindenburgstraße hält Steurer für schwierig ob der Breite der Straße. Eine Rotmarkierung der Überwege sei nicht verkehrt.

Zur Auf- und Abfahrt des Main-Radweges führt Steurer aus: Diese Lösung sei bescheiden und ärgere auch ihn. Sie lasse sich aber nicht ändern. Außer man reiße die historische Treppe ab.

 

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