Radeln in Bayreuth Die "mordsgefährliche" Königsallee

BAYREUTH. Die Sorgen sind groß bei den beiden Müttern, wenn ihre Töchter am Morgen auf der Königsallee und der Friedrich-Ebert-Straße in ihre Schulen radeln. Katharina Krauß mit ihren Töchtern Judith und Sarah sowie Annette Urban mit ihren Töchtern Christina und Annika zeigen dem Reporter die kniffligen Stellen auf der Radler-Strecke zwischen der Kreuzung Kemnather und Frankenwaldstraße und der Kreuzung Friedrich-Ebert-Straße und Äußere Badstraße. Vorweg sei gesagt: Auf einer Teilstrecke verspürte auch der radelnde Reporter heftiges Magengrimmen.

Doch der Reihe nach: Treffen in Grunau zum Start in Richtung Innenstadt. Wir fahren auf dem stadteinwärts auf der linken Seite der Kemnather Straße liegenden Rad- und Fußgängerweg. Auf der rechten Seite in Richtung Rollwenzelei gibt es keinen Radweg. Die erste Gefahrenstelle kommt in Sicht: die Schwarzwaldstraße. In diese Straße einbiegen können nur Autofahrer, die stadtauswärts fahren. Dabei müssen sie die aus der Innenstadt kommenden Radfahrer beachten, aber auch die ihnen aus Aichig entgegenkommenden Radfahrer. Was sie vielleicht nicht wissen, aber Katharina Krauß, die mit ihrer Familie in Grunau wohnt, Sorgen bereitet: Die Einbahnstraße darf von Radlern in beide Richtungen befahren werden.

Ein unsicherer Radweg führt bergab

Das Schildchen, das darauf hinweist, ist kaum sichtbar am rechten Fahrbahnrand angebracht. Im Moment wird der Hinweis sogar von Zweigen verdeckt. Radler, die aus der Schwarzwaldstraße auf den Radweg einbiegen wollen, sollten sich vorsichtig vorantasten. Denn, sagt Katharina Krauß, von oben kommen viele Radfahrer in schnellem Tempo den Weg herunter. Wir fahren weiter bergauf: Oben, kurz nach der Rollwenzelei, mündet von links der Hühlweg ein. Am rechten Rand des Fuß- und Radweges steht ein Schild, das etwas kryptisch den weiteren Verlauf des Radweges erklärt. Die Mädchen kennen den Weg und halten an einer Bedarfsampel an. „Wir müssen hier über die Königsallee fahren und links weiter am Straßenrand“, erklärt die zehnjährige Judith, Schülerin am Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasium (MWG). Hier trennt sich der gemeinsame Weg mit ihrer Schwester Sarah, die auf dem gefahrlosen Radweg weiter zur Schule in St. Johannis fährt. Der mit einer leicht verblassten weißen Linie von der Straße abgetrennte, schmale Randstreifen führt bergab. Kurz vor der Autobahnbrücke wechselt man von der Straße auf einen Geh-/Radweg. Hier kommt die nächste Gefahrenstelle: Menschen, die an der Bushaltestelle wartend im Weg stehen. „Man muss bergab immer die Hände an den Bremsen haben“, empfiehlt Karin Unterburger, die ihren früheren Arbeitsweg bestens kennt.

Radfahrer müssen auf der Straße fahren

Hat man die Bushaltestelle passiert, kommt sofort die Einmündung zum Einkaufsmarkt. Die Kreuzung birgt besonders am Morgen große Gefahren, sagen die Radlerinnen unisono, weil hier auch Autofahrer aus dem Hasenweg auf die Königsallee einbiegen oder geradeaus zum Supermarkt fahren. Man sollte sich hier nur langsam über die Straße wagen, sagen die erfahrenen Radlerinnen. Es geht weiter bergab bis zur nächsten Gefahrenstelle: die Bahnüberführung. Hat man die Schienen überfahren, beginnt die eigentliche Gefahr. An dieser Stelle werden Fußgänger und Radfahrer getrennt. Erstere dürfen weiter auf dem asphaltierten, durch einen Grünstreifen von der Königsallee getrennten Weg laufen. Radfahrer hingegen müssen sich durch eine Engstelle auf die abschüssige Straße zwängen. Der Übergang auf die Königsallee sei so schmal, dass sie mit ihrem Radanhänger schon mal an der Leitplanke entlangschrammt, sagt Katharina Krauß. Wer an dieser Stelle nicht eine Lücke im Verkehr abwartet, bevor er sich auf die Straße einfädelt, läuft Gefahr, zumindest mit einem rechten Außenspiegel Bekanntschaft zu schließen. Es könnte ihm aber auch passieren, in eine sich öffnende Beifahrertür zu krachen. Bei morgendlichem Stop-and-go-Verkehr, wissen meine Mitfahrerinnen aus Erfahrung, nutzen manche Autoinsassen die Stop-Phase, um den Beifahrer aussteigen zu lassen und sich so den Weg über das Schulzentrum zu sparen. Am Morgen sei dieser Abschnitt des Schulweges ihrer Mädchen der gefährlichste, betont Annette Urban, die mit ihrer Familie nicht weit von hier wohnt.

Der Weg zum GCE wird gefährlich

Bis zur Einmündung der Friedrich-Ebert-Straße verläuft die Strecke relativ gefahrlos. Allerdings müssen die Mädchen hier auf der Straße fahren und in der Rechtsabbiegespur ein bisschen nach links ausholen, um in einem guten Winkel auf den Radweg entlang des Tennisgeländes auffahren zu können. Ab hier ist die elfjährige Christina allein unterwegs: Ihre Schwester ist zur Jean-Paul-Schule abgebogen, Freundin Judith zum MWG. Ein Schulweghelfer und die Ampel garantieren, dass die Mädchen sicher zur Schule kommen. Weil Christina das Gymnasium Christian-Ernestinum (GCE) besucht, wartet auf sie noch eine letzte Gefahrenstelle: Die Kreuzung Friedrich-Ebert-Straße und Äußere Badstraße. Im morgendlichen Berufsverkehr herrsche hier immenser Trubel, sagt Mutter Annette Urban. Aus allen Richtungen kommen Autos, die zur Handwerkskammer und zum Schulzentrum abbiegen oder aus der Äußeren Badstraße kommend die Straße geradeaus überqueren. Auf Radfahrer werde hier wenig Rücksicht genommen. Und zwar auf beiden Seiten. Schüler sind aber viele unterwegs: Aus der Hammerstatt in Richtung Jean-Paul-Schule und MWG oder wie Christina zum GCE. Es sind zwar Radstreifen aufgezeichnet, sagt Annette Urban, die seien aber nicht auffällig genug. Deshalb, wünscht sie sich von der Stadt, solle hier der Radfahrstreifen dringend rot markiert werden. Dann wüssten Autofahrer gleich, dass sie hier auf Radfahrer achten müssen. Übrigens: auch entlang der Friedrich-Ebert-Straße müssen Radfahrer, aber auch Fußgänger, jederzeit mit sich plötzlich öffnenden Beifahrertüren rechnen.

Radweg am Volksfestplatz viel zu schmal

Verschärft wird das Problem dadurch, dass der Gehsteig entlang des Volksfestplatzes für Radfahrer freigegeben, aber viel zu schmal ist, sagen die erfahrenen Radlerinnen. Resümee: Von der Rollwenzelei hinab in Richtung Innenstadt braucht man Gottvertrauen und einen Schutzengel. Besonders die Verkehrsführung für Radfahrer nach dem Bahnübergang geht eigentlich gar nicht. Hier sollte der Fußweg für eine gemeinsame Nutzung verbreitert und das Fahren mit dem Rad auf der Königsallee zugunsten der Gesundheit der Kinder verboten werden. Christian Schulz sieht es wohl nicht anders: Der im Eremitenhof wohnende Radfahrer hat dem Kurier zur Königsallee Folgendes geschrieben: „Die Situation an der Königsallee stadteinwärts ist gefährlich. Hier fädelt man sich nach dem Bahnübergang vom Radweg auf den Schutzstreifen auf der Straße ein. Dabei ist der Übergang so eng, da rechts Leitplanken sind und links die Straße, dass man befürchten muss, zwischen der Leitplanke und dem Verkehr eingequetscht zu werden. Hier wäre eine bauliche Verbesserung hilfreich. Insgesamt ist die Königsallee für Schüler sowieso mordsgefährlich und ich musste schon mehrere Unfälle hier mit ansehen.“


Teil 1 der Serie "Radeln in Bayreuth" finden Sie hier.

Teil 2 der Serie "Radeln in Bayreuth" finden Sie hier.

 

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