Radeln in Bayreuth Die Angst fährt mit

Bei einer gemeinsamen Tour Anfang August wiesen die Mütter Annette Urban (rechts) und Katharina Krauß (Mitte) auf die gefährliche Situation auf der Königsallee ab dem Bahnübergang hin. Entschärfen könne man die Situation, wenn man den Gehweg verbreitere und für Radfahrer öffne, sind sie überzeugt. Foto: Archiv/Gunter Becker

BAYREUTH. Die Sorgen von Katharina Krauß und Annette Urban um die Gesundheit ihrer Töchter sind seit Dienstag noch größer geworden. Ausgerechnet zum Schulbeginn wurde ein Radfahrer auf der Königsallee verletzt, als sich eine Beifahrertür öffnete, gegen die der Mann prallte. Die Königsallee ist auch der Schulweg von Judith und Christina.

Annette Urban hatte sich auf den Aufruf des Kuriers, für Radfahrer gefährliche Stellen in der Stadt zu nennen, gemeldet. Was ihr und den Müttern Katharina Krauß und Anja Burkhardt besondere Sorgen bereitet, ist die Situation für Radfahrer auf der Königsallee (der Kurier berichtete). Neben dem aus ihrer Sicht viel zu schmalen Schutzstreifen fürchten sie besonders die Gefahr, die von sich plötzlich öffnenden Beifahrertüren ausgeht. Diese Situation wurde am Dienstag einem 39-jährigen Radfahrer zum Verhängnis, der auf der Königsallee in Richtung Innenstadt radelte, als sich plötzlich eine Beifahrertür öffnete. Der Mann flog über Lenker und Autotür und zog sich leichte Verletzungen zu.

Letztes Jahr schon ähnlicher Unfall

Im vergangenen Jahr, hat Anja Burkhardt erfahren, sei das auch einem Schüler passiert. Er sei mit dem Kopf gegen die Kante der geöffneten Beifahrertür geprallt. Weil er einen Helm getragen hätte, sei er mit leichten Blessuren davongekommen. Die in Aichig wohnende vierfache Mutter hat aus der für Radler gefährlichen Situation auf der Königsallee ihre Konsequenzen gezogen: Sie untersagt ihren 14 und elf Jahre alten Kindern, mit den Rädern in die Schulen zu fahren. „Es gibt jeden Morgen Diskussionen, aber ich bleibe dabei: Rad fahren auf der Königsallee geht überhaupt nicht. Mir ist die Gesundheit meiner Kinder einfach wichtiger“, sagt Anja Burkhardt. Katharina Krauß hat am Dienstag fünf Minuten zuvor zusammen mit ihrer Tochter Judith die Stelle passiert, an der sich der Unfall ereignete. „Ich bekomm’ noch immer ein mulmiges Gefühl, wenn ich daran denke. Es hätte auch meiner Tochter passieren können, wäre sie etwas später losgefahren“, sagt sie. Sie habe, nachdem sie vom Unfall erfahren habe, mit Judith noch mal über die Situation Königsallee gesprochen und ihr eingeschärft, nur im Schneckentempo an den Autos vorbeizufahren, um jederzeit bremsbereit zu sein.

Das mulmige Gefühl geht nicht mehr weg

Solange die Situation für Radfahrer auf der Königsallee nicht entschärft wird, wird Katharina Krauß ihr mulmiges Gefühl nicht mehr loswerden, wenn Judith morgens in die Schule fährt. Und Anja Burkhardts Kinder müssen weiterhin den Bus benutzen. Sollte jedoch der Fußgängerweg ab dem ehemaligen Feustelgelände in Richtung Innenstadt auch für Radfahrer geöffnet werden, könnte sie ihre Meinung ändern. Nach ihrer Ansicht sei der Weg breit genug, sagen Katharina Krauß und Anja Burkhardt.

Der auch nach Meinung von Stefan Steurer, Vorsitzender des ADFC-Kreisverbandes Bayreuth, zu schmale Schutzstreifen werde in absehbarer Zeit auf eine Breite von 1,50 Meter erweitert, sagt Ulrich Meier zu Helligen. Eine hundertprozentige Sicherheit könne es nicht geben, betont der Leiter des Stadtplanungsamtes. Wenn aber alle, Auto- wie Radfahrer, ihrer Sorgfaltspflicht nachkommen, könnten auch solche Unfälle wie der von Dienstagmorgen vermieden werden. Eine Verbreiterung des Gehwegs, wie ihn die Mütter fordern, könne nur erfolgen, wenn die Bäume an der Königsallee gefällt werden. Er sei aber weiterhin davon überzeugt, dass es für Radfahrer sicherer ist, wenn sie am Straßenrand fahren. „Weil sie dann besser gesehen werden“, sagt Meier zu Helligen. Für Radler, denen dieser Abschnitt der Königsallee zu gefährlich sei, empfiehlt er die beiden Alternativstrecken über das Schulzentrum.

Annette Urbans Tochter Christina wird auch nach dem Unfall weiterhin auf der Königsallee mit dem Rad in die Schule fahren. „Ich habe mit ihr über den Unfall gesprochen und sie dringend gebeten, langsam und vorausschauend zu fahren“, sagt Annette Urban. Sie würde sich jedoch sicherer fühlen, wenn der Schutzstreifen nicht nur verbreitert, sondern auch rot markiert werden würde. „Dann würden die Autofahrer bestimmt auch besser aufpassen“, ist sie überzeugt.

 

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