Denn dieser „Parsifal“ in Coburg ist schlank, nicht schmalbrüstig. Regisseur Peters-Messer und sein Bühnenbauer und Lichtdesigner Guido Petzold arbeiten mit einfachen Mitteln, aber das genau: Gebärden und Mimik unterstützen die Botschaft der Musik und des Textes, der in Coburg so gut verständlich über die Rampe kommt, dass es der Übertitel kaum bedarf. Am Ende des zweiten Aktes ist da kein Zauber, Parsifal nimmt den Speer einfach aus den Händen Klingsors, damit hat sich’s im Wesentlichen. Das ist kurz ein wenig hilflos; andererseits hat Parsifal ja auch längst begriffen, was der Zuschauer erst noch lernen muss: da ist viel weniger zwischen Himmel und Erde, als unser Kinderglaube sich träumen lässt. Da bedarf es dann keiner schwebenden Speere mehr. Durchaus schlüssig: dass Michael Bachtadze sowohl Amfortas als auch Klingsor verkörpert. Allmählich verwandelt sich der Böse in den sündhaften Guten, man merkt, dass die beiden nur zwei Seiten einer Medaille sind, die an einen Mann namens Jesus Christus erinnert. Klingsor zum Amfortas gewandelt, steht da als Gekreuzigter. Eine Pose, die Parsifal gleich darauf nachahmt: Mitleiden durch nachempfinden.