Public Viewing: Beim ersten Spiel der deutschen Nationalmannschaft üben die Bayreuther Singen und Stimmung EM: Bayreuth übt Jubeln

Von Katharina Wojczenko

Jetzt ist wirklich EM. So hat es sich zumindest beim ersten Spiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen die Ukraine angefühlt. Auf den Straßen ist am Abend viel Platz, die Innenstadt wie ausgestorben. Beim Public Viewing üben die Bayreuther das mit der Stimmung aber noch.

Beim Tor von Shkodran Mustafi hält es doch einen Großteil der Gäste auf dem Herzogkeller nicht mehr auf den Bierbänken. Ein Wort gellt durch den Gastraum, ein gewaltiges „Ja!“. Was der Fernsehkommentator zu sagen hat, geht unter. Mainwelle-Moderator Christian Höreth brüllt irgendetwas ins Mikro, das mit „Shkodran“ endet – und ein paar Dutzend sehr laute Männer mit „Mustafi“ ergänzen.

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Langsam kommt diese enthemmte Euphorie durch, welche die „Deutschland! Deutschland! Deutschland!“-Rufe übertrifft, die Höreth fordert und bekommt. Drei Leinwände, drei Bildschirme haben sie auf dem Herzogkeller drinnen und draußen angebracht. Wenn die Nationalhymne erschallt, klingt es lustig. Dann singen ein paar Hundert Leute unter Fahnen aller EM-Länder zeitversetzt.

Götze, Blumenketten und auf die Schnelle Gesichtsbemalung

Beim hiesigen Publikum ist Mario Götze der Favorit. Kein Spieler-Trikot sieht man so häufig. Dazu ein paar schwarz-rot-goldene Blumenketten, ein paar ausgefallene Hüte.

„Schade, dass es in der Innenstadt kein Public Viewing gibt“, sagt Mareike Eck (23). Wie viele hat sie sich schnell vor Anpfiff noch schnell eine Fahne ins Gesicht gemalt. Sie ist auf dem Herzogkeller, „weil hier immer Stimmung ist“. Wenn nicht von selbst, dann aus der Anlage.

Johlt das Fernseh-Stadion oder der Herzogkeller?

Die ist so laut aufgedreht, dass man ganz genau hinhören muss, ob das Stadion in Frankreich johlt oder die Bayreuther. Schon vor Anpfiff sind viele Seidla fast leer. Die Blicke sind konzentriert. Jede vergebene Chance ein Raunen, ein Stöhnen. Bei jeder guten Aktion Applaus.

Was Fangesänge betrifft, ist das Repertoire machbar: Super-Deutschland, olé, olé, olé, Deutschland, Deutschland. Die Sicherheitskräfte spazieren bequem durch die Reihen, selbst von den 300 Sitzplätzen drinnen sind noch ein paar frei. Von den 400 Stehplätzen auch noch viele.

Am Uni-Strand sind die Studenten nicht singfreudig

Beim Gesang geht auch an der Uni noch mehr. „Ich habe überlegt, in der ersten Halbzeit etwas anzustimmen“, sagt Zweitsemester Mirco Ade (20). Er hat’s dann doch gelassen. „Bei dem ersten Tor sind von den vorderen Reihen am Strand ein paar aufgestanden, aber das wird mit fortschreitender EM sicher mehr.“

Maximilian Memmert vom Orga-Team des Summer Feeling ist froh, dass es eine Stunde vor Beginn zu regnen aufgehört hat. „Da saßen erst 20 Leute hier, dann wurden es etwa 250.“ Im Audimax fiebern noch einmal rund 600 mit. „Die Stimmung war gut, aber da geht noch was“, sagt Dirk Schädlich vom Technik-Team.

Jubeln bis der Glaskasten beschlägt

Im Glaskasten hat er den Überblick. „Bei der letzten WM war der von außen richtig beschlagen.“ Am Sonntag war nur ein Bierspritzer dran. Auch auf dem Ring bleibt es die erste halbe Stunde nach dem deutschen 2:0-Sieg bis auf einzelne hupende Autos ruhig. Das hat selbst die Polizei erstaunt. Sie vermutet, es lag am fehlenden großen Public Viewing in der Innenstadt.