Prügel-Prozess Ein Trinker außer Kontrolle

Das Landgericht Bayreuth verhandelt gegen einen 32-Jährigen, der im März 2918 bei einem Zechgelage in Bischofsgrün einen 48-jährigen Mann, so schwer verletzt, dass dieser im Krankenhaus starb. Foto: Manfred Scherer

BISCHOFSGRÜN/BAYREUTH. Der mutmaßliche Schläger, nach dessen Prügelattacke im März 2018 in Bischofsgrün ein Mensch starb, war bei der Tat vermindert schuldfähig. Das erklärte Gerichtspsychiater Prof. Thomas Kallert am Dienstag.

Demnach ist der 32-jährige Angeklagte seit etwa 20 Jahren alkohol- und drogenabhängig. Am Tag der Prügelattacke im Christian-Schwarz-Weg war der Mann mit 2,6 bis 2,9 Promille so stark betrunken, dass er sich und seine Aggressionen nicht mehr habe kontrollieren können, erklärte Kallert. Für den Angeklagten, der aufgrund einer Reihe von Gewalt- und Alkoholdelikten vorbestraft ist, lägen die Voraussetzungen für eine gerichtlich anzuordnende Alkohol- und Drogentherapie vor.

Der Prozess vor dem Schwurgericht dreht sich um eine zentrale Frage: Wird der Mann wegen Körperverletzung mit Todesfolge oder „nur“ wegen gefährlicher Körperverletzung schuldig gesprochen? Wie berichtet, hatte der 32-Jährige am 27. März 2018 zwei Zechkumpane plötzlich angefallen. Während ein 60-Jähriger mit dem Bruch seiner Gesichtsknochen davon kam, verlies das zweite Opfer, ein 48-Jähriger, das Krankenhaus nicht mehr und starb am 6. April an den Verletzungsfolgen.

Rechtsmediziner Prof. Peter Betz erklärte, die Todesursache sei eine Lungenentzündung gewesen, hervorgerufen durch mehrere Rippenbrüche. Betz sagte, die Schilderung, dass der Angeklagte auf dem Brustkorb seines Opfers gekniet habe, als er auf den Mann einschlug, passe sehr gut zu diesem Verletzungsbild.

Dass sich das Schwurgericht dennoch eingehend mit der zentralen Prozessfrage befasst, liegt daran, dass das Opfer im Krankenhaus ein laut dem damals behandelnden Arzt „völlig ungewöhnliches“ Verhalten zeigte. Der Schwerverletzte, ein Gewohnheitstrinker in ohnehin schlechtem körperlichen Zustand, habe mit Vehemenz einen Beatmungsschlauch abgelehnt. Dies könne daran gelegen haben, dass der Mann einige Zeit zuvor eine Zungenkrebsoperation gehabt hatte, auf die eine lange Zeit mit „äußerst schmerzhafter“ Beatmung folgte.

Hat der Verstorbene durch seine Weigerung sein eigenes Todesurteil unterschrieben und kann man dem Angeklagten deshalb den Tod nicht anlasten?

Vermutlich wird sein Verteidiger Wolfgang Schwemmer am kommenden Montag in seinem Plädoyer so argumentieren.

 

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