Mehr als zweieinhalb Stunden braucht die Staatsanwaltschaft, um die Anklage runter zu rattern. Erst da offenbart sich so richtig, um was für ein professionelles Diebesquartett es sich handelt. Seit 2007 sind sie laut Anklage schon zusammen, die ersten Raubzüge sollen ihnen seit 2014 nachgewiesen werden. Etwa im oberpfälzischen Pressath ihr Vorgehen war immer ganz ähnlich: Die Telekomkabel wurden zerstört, dann der Geldautomat in dem Einkaufszentrum mit einem Winkelschleifer aufgeflext. In Pressath wurden so knapp 11 000 Euro erbeutet. Tage später waren es im nordhessischen Edermünde 95 000 Euro bei einem Spielcasino. Die vier Männer hatten laut Anklage eine klare Aufgabenteilung: Zwei standen vor den Tatorten Schmiere, die beiden anderen gingen vor Ort zu Werk – mit Brecheisen, Sägen, Gartenscheren und anderem Equipment. Immer trugen sie Sturmhauben und Ganzkörper-Overalls, um auf Überwachungsbildern nicht erkannt zu werden. Sie stahlen laut Staatsanwaltschaft quer durch die Republik und auch darüber hinaus wie der Vorsitzende Richter Konrad Kliegl nebenbei sagte. Die Planung der Raubzüge und die Auskundschaftung der Orte war laut Staatsanwaltschaft äußerst akkurat durchgeführt. Zur Ausspähung mieteten sich die Angeklagten Autos. Sie nächtigten teils unter falschen Namen in Hotels, die aber einige Dutzend Kilometer von den Tatorten entfernt waren. Potenzielle Ziele lagen meist in kleinen Orten, nie in ihrem Schweriner Umkreis. Sie bevorzugten entlegene Gegenden wie Gewerbegebiete. In der Nähe musste ein Fluss oder ein See sein, um Werkzeug und Kleidung zu entsorgen. Auch wurde Wert gelegt auf einen Autobahnzugang, um rasch fort zu kommen.