Kulmbach - Auf dem EKU-Platz wollen Demonstranten ein buntes Fest feiern, während Björn Höcke in der Stadthalle vor AfD-Anhängern spricht. Die Sicherheitskräfte sind für alle Fälle gerüstet.

Michael Otte und Matthias Hahn sind diejenigen, die mit ihren Namen die Gegenveranstaltung zu dem Auftritt des AfD-Rechtsaußen Björn Höcke am morgigen Freitag in Kulmbach stehen. Doch sie repräsentieren ein breites Bündnis, das ein buntes Fest auf dem EKU-Platz feiern will und dazu die ganze Bevölkerung einlädt. Das Fest findet von 17 bis 21 Uhr statt. "Beteiligt sind alle Parteien außer der AfD; sprich SPD, Grüne, FDP, CSU, WGK, Freie Wähler, Linke, Gewerkschaften, Kirchen, Künstler und viele mehr", teilt Matthias Hahn mit. Er lädt im Namen derer, die sich beteiligen, alle demokratischen Bürger ein: "Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie sich Faschisten wie Höcke und Co. in Deutschland und Kulmbach ausbreiten. Deswegen stehen wir am Freitag bereit."

Bereit steht auch die Kirche. Sowohl evangelische wie auch katholische Kirchengemeinden machen mit beim Protest gegen die AfD. Dekan Thomas Kretschmar wird die Glocken der Kirchen in der Innenstadt und auch die der Friedenskirche läuten lassen. Von 19.33 Uhr an wird das Geläut minutenlang zu hören sein. Die Spitalkirche wird am Freitag zum Gebet geöffnet sein.

Mehrere Gründe haben den Kulmbacher Dekan bewogen, sich für diesen Protest zu engagieren. "Wenn mich später mal meine Enkel fragen, was wir denn damals gemacht haben, dann möchte ich gerne Auskunft geben können." Und den Geistlichen bewegen noch andere Dinge: "Wenn man in einer offenen und toleranten Gesellschaft leben will, dann muss man denen, die das zerstören wollen, deutlich Kante zeigen." Jesus Christus habe auch niemanden ausgesperrt. Wer in der Nachfolge von Jesus Christus stehen will, der müsse sich für eine Gesellschaft starkmachen, in der alle einen Platz haben und nicht nur einige wenige.

Die Polizei rüstet sich bereits für die Veranstaltung, seit bekannt geworden ist, dass Björn Höcke in Kulmbach auftreten wird. Zahlreiche Besprechungen und Planungssitzungen haben, das bestätigen auch die Vertreter der anderen Sicherheitsbehörden, inzwischen stattgefunden. Peter Hübner, Leiter der Kulmbacher Polizeiinspektion, hatte schon frühzeitig beruhigt: Die Polizei sei auf alles vorbereitet und werde die Lage auch dann im Griff haben, sollte es zu Störungen kommen. "Egal, was kommt." Bislang, so Hübner am Mittwoch gegenüber unserer Zeitung, gebe es keine Hinweise darauf, dass etwa Personen von außerhalb der Region zur Demonstration in Kulmbach kommen. Es gebe auch keine Hinweise auf mögliche Störer. Die Gegendemo auf dem EKU-Platz sei mit etwa 300 Teilnehmern angemeldet worden. "Wir rechnen aber damit, dass es mehr werden", machte Hübner deutlich. Das Landratsamt als zuständige Behörde für die Genehmigung der Gegendemo ist nach Aussagen von Oliver Hempfling sowohl mit der Stadt Kulmbach als auch mit der Polizei in enger Verbindung. Eine Versammlung sei bislang angemeldet worden.

"Die wird versammlungsrechtlich abgearbeitet", erklärte Hempfling. Standardgemäß werde es Auflagen für die Demo geben. Eine genügend große Anzahl von Ordnern gehöre ebenso dazu wie die Festlegung, wie lang etwa Stangen sein dürfen, an denen Transparente befestigt werden. Auch der Lärmschutz werde berücksichtigt. "Viel mehr können wir als Landratsamt da nicht tun. Hempfling machte auch deutlich, dass das Landratsamt in Bezug auf die AfD-Veranstaltung mit Björn Höcke gar nicht zuständig ist und deshalb auch nicht tätig wird. "Das ist keine Veranstaltung unter freiem Himmel, deswegen unterliegt uns das nicht."

Von kirchlicher Seite wird es zusätzlich noch eine besondere Veranstaltung geben: Diese Woche laden die Kulmbacher christlichen Vereinigungen, Verbände, Kirchengemeinden und Jugendkreise wieder zu einem "Jesus Unplugged" ein: Am Freitag, 14. Februar, kommt um 19.30 Uhr Stephan Münch mit seinem Team von Lebenstraum nach Kulmbach. Sein Thema "DU bist geliebt" sei nicht nur an diesem Tag hochaktuell, heißt es in einer Information der Veranstalter. "Bewusst haben wir uns entschieden, den Gottesdienst nicht abzusagen, sondern auch damit ein weiteres, buntes und hoffnungsvolles Zeichen in Kulmbach gegen Hass und Hetze zu setzen." Mit von der Partie sind wie immer die Jesus Unplugged Band und viele junge Leute aus und um Kulmbach herum. "Wer Lust bekommen hat: Los geht’s ab 19.30 Uhr, diesmal in der Jesus-Live-Gemeinde, Albert-Ruckdeschel-Straße 14; gegenüber vom Real-Einkaufsmarkt in Kulmbach", heißt es in der Einladung.

AfD-Kreisvorsitzender Georg Hock, der als Freund von Björn Höcke gilt und sich selbst auch zum rechten Flügel innerhalb der AfD zählt, sieht die ganze Protestbewegung gelassen. Im Gegenteil: Die jüngsten Ereignisse rund um die Wahl des schon wieder zurückgetretenen thüringischen Ministerpräsidenten sieht Hock als weiteren Anlass, dass seine Veranstaltung in Kulmbach ein Erfolg wird. Mehrere hundert Gäste erwartet Hock in der Kulmbacher Stadthalle, wenn um 17 Uhr dort der Höcke-Auftritt beginnt. "Das gibt unserer Veranstaltung einen zusätzlichen Zug."

Damit in der Kulmbacher Stadthalle am Freitag alles geordnet abläuft, kündigt Georg Hock "intensive Einlass- und Personenkontrollen" an. Der Gegenveranstaltung direkt gegenüber der Stadthalle sieht er mit Gelassenheit entgegen. "Seit sieben Jahren hat es keine großen AfD-Veranstaltungen ohne Gegendemonstrationen gegeben. Die Polizei wird das schon meistern", sagt der AfD-Kreisvorsitzende.

Programm auf dem EKU-Platz

Parteien, Vereine, Kirchen, Gewerkschaften und viele mehr haben sich zusammengetan, um am Freitag gemeinsam gegen den Auftritt des Thüringer AfD-Vorsitzenden und Flügel-Gründer Björn Höcke in der Kulmbacher Stadthalle zu demonstrieren. Um 17 Uhr, wenn in der Stadthalle die Veranstaltung der AfD beginnt, starten auch die Gegendemonstranten ihr buntes Protest-Fest auf dem EKU-Platz. Das Programm sieht folgendes vor: 17 Uhr Eröffnung durch die Veranstalter Michael Otte und Matthias Hahn. Moderatorin ist Dagmar Keis-Lechner. Danach gibt es Live-Musik auf dem EKU-Platz. Um 17.40 Uhr folgt eine Lesung, danach wird Karl Graf Stauffenberg eine Ansprache halten. Später gibt es Jazz, und von 18.50 Uhr bis 19.20 Uhr heißt es dann "offenes Mikrofon". Jeder darf dabei zu Wort kommen. Danach werden Musiker, die in der Gößmannsreuther Schule proben, spielen. Von 19.33 Uhr bis 19.45 Uhr werden die Kulmbacher Kirchenglocken läuten. Es wird eine Beamer-Show an Häuserfassaden geben. Kleine Stände und "Acts" zwischendurch sind ebenfalls eingeplant, informiert Matthias Hahn.