Projekt in Emtmannsberg Bayerns kleinster Dorfladen startet

EMTMANNSBERG. Klein aber fein – wenn diese Redensart passt, dann auf den neuen Dorfladen in Emtmannsberg. Denn mit gerade gut 40 Quadratmetern Verkaufsfläche ist er der kleinste seiner Art in ganz Bayern, sagen die Verantwortlichen. Noch läuft eine Art Probebetrieb, am kommenden Wochenende ist dann die offizielle Eröffnung.

Emtmannsberg ist überschaubar. Gut 1000 Einwohner zählt die Gemeinde, rund die Hälfte davon lebt im Kernort. Da sprechen sich Neuigkeiten schnell herum. Und so geben sich die Kunden die Klinke in die Hand an diesem Vormittag, obwohl der Dorfladen doch eigentlich noch gar nicht richtig offen ist und noch ein Probebetrieb läuft. Doch die Emtmannsberger wollen sehen, was da in dem kleinen Raum gleich neben dem Torbogen des Schlosses entstanden ist. „Am Freitag um 6.12 Uhr war der erste da“, sagt Reiner Willmitzer, einer von 35 Ehrenamtlichen, die sich bereit erklärt haben, den Laden zusammen mit dem hauptamtlichen Geschäftsführer Stefan Bauernfeind zu schmeißen.

Überraschend großes Angebot

Als Waltraud Woelk in den kleinen, aber hellen Laden mit dem hohen Gewölbe tritt, in dem naturbelassene Mauersteine und weiße Wände einen interessanten Kontrast bilden, ist sie erst einmal „überrascht, wie vielfältig das Angebot ist“. Milchprodukte, Käse, Wurst, Fleisch, Saft, Backwaren, Gemüse und vieles mehr sind in den Regalen und Kühlschränken untergebracht. Die überwiegende Mehrzahl davon stammt aus der Region. „Das haben sich die Emtmannsberger so gewünscht“, sagt Gerhard Herrmannsdörfer, Zweiter Bürgermeister und Vorsitzender des Dorfladenbeirats. Das wissen die Macher aus einer Umfrage, bei der fast 500 Fragebögen abgegeben wurden.

Regionales etwas teurer als Supermarktware

Und die Kunden seien bereit, dafür auch ein bisschen mehr zu zahlen, als im Supermarkt. Das bestätigen an diesem Morgen auch Waltraud Woelk und Sabine Preiß, die „ganz begeistert“ ist, denn: „Jetzt müssen wir nicht immer in die Stadt fahren zum Einkaufen. Hier kann ich hinlaufen.“ Und nicht nur die beiden hoffen, dass der Dorfladen ein neuer Anziehungspunkt im Ort wird. „Man trifft Leute“, freut sich Waltraud Woelk, während sich Sabine Preiß von Geschäftsführer Bauernfeind einen Kaffee machen lässt und dabei erzählt, dass sie das Regionalkonzept besonders gut findet, „weil man da weiß, von wem die Sachen kommen und wen man unterstützt“.

Honig aus der Nachbarschaft

Zwar gibt es auch ein kleines Sortiment an Waren, „die man gerne mal vergisst und die nicht regional sind“, sagt Herrmannsdörfer. Doch die Mehrzahl kommt aus der Umgebung, einiges sogar aus der unmittelbaren. Zum Beispiel der Honig, der keine 50 Meter vom Schloss entfernt gewonnen wird. Die frische Milch kommt aus dem Ortsteil Oberölschnitz, Säfte aus dem benachbarten Lehen, Joghurt einmal über den Berg aus Würnsreuth. Die Lieferanten für Gemüse, Backwaren oder Wurst und Fleisch sitzen in Bayreuth, Dosenwurst kommt aus Zochenreuth in der Fränkischen Schweiz und frisch gerösteter Kaffee aus Hollfeld. Den weitesten Weg unter den Regionalprodukten hat die Marmelade aus Kasendorf.

Regioautomaten rund um die Uhr nutzbar

Die Verantwortlichen haben sich entschieden, erst einmal recht breite Öffnungszeiten anzubieten und später eventuell nachzusteuern. Zumal draußen auch noch zwei Regioautomaten stehen, die ebenfalls mit frischen Produkten gefüllt sind und rund um die Uhr zur Verfügung stehen. „Da kann man am Sonntagmorgen noch schnell ein komplettes Essen ziehen“, sagt Bauernfeind: „Schweinebraten in der Dose, Sauerkraut, Kloßteig.“ Die 25.000 Euro teuren Automaten stehen schon seit gut einer Woche und wurden in der Zeit rege genutzt. „Obwohl wir keinerlei Werbung gemacht haben, gab es schon 350 Verkaufsvorgänge. Der Kloßteig war als erstes ausverkauft“, sagt der Geschäftsführer, der auf rund 20 Jahre Erfahrung im Einzelhandel zurückblicken kann. Und deshalb weiß, das der Probebetrieb dringend nötig ist, damit sich alle Abläufe einspielen.

180.000 Euro Jahresumsatz nötig

Das große Interesse macht ihm und Gerhard Herrmannsdörfer Hoffnung, dass sich der Dorfladen schnell von alleine trägt. Ab einem Jahresumsatz von rund 180.000 Euro sei ein kostendeckender Betrieb möglich, sagen sie. Umgerechnet heißt das, dass jeder Emtmannsberger Bürger im Schnitt pro Woche für rund 3,50 Euro hier einkaufen müsste. Doch sind die beiden überzeugt, dass das Einzugsgebiet über die Ortsgrenzen hinausreichen wird.

98 Anteilseigner haben bislang Anteile in Höhe von insgesamt rund 33.000 Euro gezeichnet, berichtet Herrmannsdörfer. Dem 100., so er sich denn noch findet, winkt ein Einkaufsgutschein. Hinzu kommen für den Start gut 30.000 Euro aus dem Leader-Förderprogramm sowie ein Anteil der Gemeinde, so dass zusätzlich lediglich ein Kredit in Höhe von 10.000 Euro nötig war.

Anteilseigner haften nur bis zur Höhe ihrer Einlage

Sollte doch etwas schiefgehen, haften die Anteilseigner übrigens nur bis zur Höhe ihrer Einlage, eine Nachschusspflicht besteht nicht. Doch glauben die Verantwortlichen auch angesichts des jetzt schon erkennbaren Interesses fest an den Erfolg ihres Projekts. Wie übrigens auch Wolfgang Gröll, der als der „Dorfladen-Papst“ gilt. Der Unternehmensberater hat schon rund 170 entsprechende Gründungen begleitet und sagte dem Kurier bei der Gründungsversammlung der Betreibergesellschaft in Emtmannsberg: „Das läuft wirklich gut hier. Die wissen, was sie wollen.“

INFO:Der Dorfladen Emtmannsberg hat unter der Woche von 6.30 bis 12 Uhr und von 16 bis 19 Uhr sowie am Samstag von 7 bis 13 Uhr geöffnet. Derzeit läuft ein Probebetrieb, offizielle Eröffnung ist am Samstag, 24. November. Tags darauf findet parallel zum Adventsmarkt ein Tag der offenen Tür statt.

 

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