Prognosen zeigen: Bayreuth hat den Status als größte Stadt Oberfrankens auf Jahre hinaus verloren Bamberg bleibt auf Dauer vorn

Von Frank Schmälzle

Jetzt haben die Bamberger in Oberfranken die Nase vorn: Zum Jahresende 2014 hatte die Nachbarstadt 505 Einwohner mehr als Bayreuth. 72.194 in Bamberg, 71.689 in Bayreuth. Bamberg wird seinen Vorsprung behalten, voraussichtlich sogar noch ausbauen. Ein Problem für Bayreuth? Nein, sagen Experten wie der Bayreuther Universitätsprofessor Manfred Miosga. „Nur keine Panik.“ Einer muckt auf: Bayreuth muss raus aus der Lethargie, sagt der SPD-Landtagsabgeordnete Christoph Rabenstein.

Kein Baby-Boom in Sicht: Die Bayreuther werden weniger und sie werden älter. Das prognostiziert das Bayerische Statistische Landesamt. Foto: dpa Foto: red

Das Bayerische Statistische Landesamt hat die Zahlen. Bis zum Jahr 2005 legte Bayreuth bei der Einwohnerzahl zu. Der Höchststand lag bei 74.500 Bürgern. Diese Marke wird in Zukunft unerreicht bleiben. Nach der Prognose des Landesamtes hat Bayreuth im Jahr 2032 nur noch 68.100 Einwohner. Das heißt auch: Bamberg wird auf Dauer die Spitzenposition der oberfränkischen Städte behalten. Das Statistische Landesamt sagt Bamberg für das Jahr 2032 68.900 Einwohner voraus.

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Was hat Bamberg vor?

In Bamberg selbst ist man sogar noch deutlich zuversichtlicher: Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) stellte gestern die Pläne der Stadt für das freiwerdende Gelände der US-Garnison in Bamberg vor. Nach Starkes Worten bietet das Areal Raum für 5000 Menschen. Erklärtes Ziel der Stadt Bamberg ist es, im Jahr 2025 etwa 75.000 Einwohner zu haben.

Verliert Bayreuth an Bedeutung?

Zumindest in einer Hinsicht nicht: „Bayreuth ist oberfränkische Bezirkshauptstadt und wird es bleiben“, sagt Regierungspräsident Wilhelm Wenning. Dass Bamberg Bayreuth jetzt überholt hat, hat seiner Meinung nach vor allem zwei Gründe: Bamberg liegt im wirtschaftlich stärkeren Westen Oberfrankens. Und: „Viel hängt auch davon ab, in welchem Maß es einer Universitätsstadt gelingt, seine Studenten zur Ummeldung des ersten Wohnsitzes zu motivieren. Die Bamberger waren da wohl gerade etwas erfolgreicher.“

Dass Bayreuth und Bamberg die beiden großen Zentren der Region bleiben werden, dass die Regierung beide Städte gerecht behandeln werde, daran werde sich nichts ändern, sagt Wenning.

Verliert Bayreuth Geld?

Aber vielleicht leiden die Einnahmen der Stadt? Vielleicht leiden die Schlüsselzuweisungen unter der abnehmenden Bevölkerungszahl? Nicht zwangsläufig, sagt der Pressesprecher der Stadt, Joachim Oppold. „Grundsätzlich spielt die Einwohnerzahl eine wichtige, aber nicht die allein maßgebende Rolle.“  Genauso wichtig ist die Steuerkraft einer Kommune. Nach dem Prinzip: Je höher die Steuerkraft ist, desto geringer die Schlüsselzuweisungen. Außerdem ist die Höhe der Gesamtschlüsselmasse, die der Freistaat Bayern an die Kommunen ausschüttet,  von Bedeutung.  „Tatsächlich könnte sich also trotz eines Bevölkerungsrückgangs die  Schlüsselzuweisung positiv entwickeln“, sagt Oppold.

Dies wäre der Fall, wenn sich die Gewichtung der Einwohnerzahl, die Gesamtsumme der Schlüsselmasse, die Steuerkraft und vieles weitere im Verhältnis Bayreuths zu anderen Städten verändert. „Im Umkehrschluss ist eine steigende Bevölkerungszahl – auch Bayreuth konnte ja in jüngster Vergangenheit wieder steigende Einwohnerzahlen vermelden – kein Garant für höhere Schlüsselzuweisungen.“ Konkret: In diesem Jahr erhält die Stadt Bamberg 23 Millionen Euro an Schlüsselzuweisungen vom Freistaat, ein Plus von zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bayreuth bekommt 21 Millionen, 17 Prozent mehr als im Vorjahr.

Welche Chancen hat Bayreuth?

Es kommt nicht auf die schiere Größe an, sagt Manfred Miosga. Wichtiger als die Frage, ob eine Stadt mehr oder weniger Einwohner hat, ist für den Professor für Stadt- und Regionalentwicklung an der Universität Bayreuth die Handlungsfähigkeit als Oberzentrum. Dass Bayreuth Schwergewicht bei den Arbeitsplätzen und bei der Versorgung der Bevölkerung bleibt, darauf kommt es an. Und dafür stehen die Chancen gut: „Bayreuth wird sich mit der Universität als Wissenschaftsstandort weiterentwickeln. Das ist ein Stabilitätsanker.“  Auch im Schrumpfen liegen Chancen, sagt Miosga. Ein Grund: Immer mehr, das geht nicht – die ökologischen Belastungsgrenzen sind in Sicht.

Was läuft schief in Bayreuth?

Einer muckt auf: „Dass wir nicht mehr größte Stadt Oberfrankens sind, muss endlich ein Weckruf sein“, sagt der Bayreuther SPD-Landtagsabgeordnete Christoph Rabenstein. Und er sagt: „Bamberg hat sich in den vergangenen Jahren ziemlich gut verkauft.“ Das Image der Nachbarstadt ist besser als das Bayreuther. Bamberg hat den Status als Weltkulturerbe besser genutzt, als Bayreuth dies bislang getan hat. Bamberg hat geschafft, was Bayreuth zerredet hat. Ein Kongresszentrum zum Beispiel. „Wir haben die Tendenz, große Pläne zu schmieden und sie anschließend nicht umzusetzen.“ Ran an die wichtigen Themen, das fordert Rabenstein für Bayreuth. „Natürlich ist es wichtig, dass Oberfranken insgesamt vorankommt. Aber der Wettbewerb der Städte tut uns gut. Wir müssen ihn annehmen.“

Und was sagen die Bayreuther? Wir haben uns umgehört: