Professionalität zeigen Ein Netzwerk der Kreativität

Gut besucht war das erste Treffen eines neuen Kreativ-Netzwerks, das von Unternehmerin Kerstin Rank und Oliver Wittmann von Bayern Kreativ (oben rechts) organisiert wurde. Foto: Andreas Harbach

BAYREUTH. Stimmengewirr im Nebenraum des Café Florian. In kleinen Gruppen sitzen Menschen an Tischen, tauschen sich angeregt aus. Gut 30 sind es. Visitenkarten wechseln zu Dutzenden die Besitzer. Manche kennen sich bereits, andere lernen sich hier kennen - bei Kaffee und Müsli, bei Semmeln mit Lachs und Rührei. In Bayreuth hat ein erstes Kreativfrühstück der Kultur-und Kreativwirtschaft stattgefunden, aus dem sich ein stabiles Netzwerk entwickeln soll.

Initiatorin ist die Unternehmerin Kerstin Rank, bekannt durch ihre aus ausrangierten Rettungswesten gefertigten Taschen und Accessoires. Sie ist zufrieden mit dem Auftakt. "Weil er so lebendig war", sagt sie. Und meint damit unter anderem, dass es in einer ersten Runde neben einigen eingeplanten Kurzvorstellungen auch viele spontane Wortmeldungen gab.

Spontane Wortmeldungen

Astrid Köppel vom Forum Kreativwirtschaft Fichtelgebirge etwa lud die Teilnehmer zur Jahreskonferenz der Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland ein, die Ende September in Röslau stattfindet. Der Bayreuther Dietmar Rieß, Mitinhaber einer Werbeagentur, stellte kurz den Marketingclub Oberfranken vor, dessen Präsident er ist. Magdalena Aderhold verwies darauf, dass sich der revitalisierte Reichshof für kreative Veranstaltungen mieten lasse. Oder Paul Redetzky, der an der Uni Bayreuth den Master-Studiengang „Computerspielwissenschaften“ studiert und mit einigen Kommilitonen gerade erst ein eigenes Computerspiel auf den Markt gebracht hat. Er wollte "einfach mal darauf hinweisen, dass es uns auch gibt". Und dass man in Bayreuth ein Gegengewicht zu Nürnberg und München bilden müsse.

Arbeitsgruppen

Eine bunte Mischung also, der es nun gilt, auch die eine oder andere Struktur zu geben. Was unter anderem mit sogenannten Meetups gelingen soll, also Arbeitsgruppen, die sich Gedanken zu bestimmten Themen machen und bei regelmäßigen Treffen mit den anderen Netzwerk-Mitgliedern austauschen. Die Bayreuther Goldschmiedin Julia Förster-Oetter etwa will ergründen, wie sich die Wagner-Festspiele noch besser als Markt für Kreative nutzen lassen. Philipp Vogler von der Stabsstelle Entrepreneurship und Innovation an der Uni zeigte auf, welche Möglichkeiten einer Vernetzung es mit Lehrstühlen und Studenten gibt. Uwe Glaser, erklärter Fan der SpVgg Bayreuth, verwies auf das Potenzial, das die Sportstadt Bayreuth Kreativen biete: "Allein die Medi-Basketballer, die Eishockeyprofis und eben die Altstadt-Fußballer haben rund 150.000 Zuschauer pro Saison." Und schließlich Kerstin Rank selber, die sich um das Thema Kreativität und Umwelt kümmern will.

Image ändern

Ein Ziel des Netzwerks soll sein, die Sichtbarkeit der Kreativbranche in ihrer Professionalität nach außen zu stärken. Und auch das Image ein Stück weit zu ändern. Denn oft würden Kreative immer noch als die mit den tollen Ideen gesehen, die sich dann aber doch nicht umsetzen lassen. "Aber wir wollen ja unser Geld damit verdienen." Und schließlich sei es doch so, "dass unsere Innovationskraft und Kreativität niemals durch Künstliche Intelligenz ersetzt werden kann und in Zeiten der Digitalisierung umso wichtiger ist".

Zusammenarbeit erwünscht

Kerstin Rank hofft, dass es über die Vernetzung der regionalen Kreativschaffenden hinaus zu Verbindungen in andere Branchen, zu Unis und über ganz Oberfranken hinweg kommt. Dabei sei eine Zusammenarbeit mit bereits erfolgreichen Initiativen wie etwa der Künstlerkolonie Fichtelgebirge erwünscht, betonten Rank und Oliver Wittmann. Der Leiter von Bayern Kreativ, einer dem Wirtschaftsministerium eingerichteten Initiative, die beruflich Kreative im Freistaat unterstützen soll, hofft, "dass sich aus dem guten Start hier etwas Dauerhaftes entwickelt. Das muss aber vom Engagement der Akteure vor Ort getragen werden. Wir können dabei unterstützen."

Die Unterstützung der Stadt jedenfalls haben sie. Auch der neue Kulturreferent Benedikt Stegmayer war gekommen. Und er wünscht sich, "dass wir in Bayreuth eine enge Verknüpfung zwischen Kreativwirtschaft und Kultur schaffen und als gemeinsame Stimme einiges für die Stadt erreichen".

Die Kreativwirtschaft

Unter dem Oberbegriff Kultur- und Kreativwirtschaft werden elf Teilbranchen definiert. Dabei handelt es sich um Architektur, Bildende Kunst, Buchmarkt, Darstellende Kunst, Design, Film, Games und Software, Musik, Presse, Rundfunk und Fernsehen sowie Werbung. Diese Branchen beschäftigen in Bayern rund 200.000 Mitarbeiter in etwa 40.000 Unternehmen, die auf einen Jahresumsatz von 30 Milliarden Euro kommen. In Stadt und Landkreis Bayreuth sind nach einer Untersuchung (Zahlen von 2015) rund 3500 Menschen in dem Bereich beschäftigt (inklusive geringfügig Beschäftigte und Mini-Selbstständige bis 17.500 Euro Jahresumsatz). Beim Umsatz liegen die Buch- und Presseverlage mit 40 Millionen Euro vor den Werbeagenturen mit 32,5 Millionen Euro.

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Passwort vergessen?
  2. * = Pflichtfeld
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!

Wenn Sie einen Kommentar verfassen, so wird dieser unter Ihrem Klarnamen, also dem von Ihnen angegebenen Vor- und Nachnamen veröffentlicht. Sollte Ihr Kommentar nicht sofort erscheinen, bitten wir Sie um etwas Geduld. Wir behalten uns vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen. Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Netiquette.

loading