Patrick Söllner kennt genau den vorgezeichneten Weg so mancher Band: "Wir hatten Glück. Wir hatten einen Proberaum in St. Georgen. Dann hat der Eigentümer Eigenbedarf angemeldet und wir mussten raus. Ein Dreivierteljahr haben wir gesucht - und nichts gefunden." Das, sagt Musiker und Gesangslehrer Patrick Söllner, habe bei ihm und seinen Bandkollegen, zu denen Henrik Vorbröker ebenso gehört wie Alex Krimalowski und Moritz Podlech, den Ausschlag gegeben, ein Projekt anzupacken, das jetzt im Bindlacher Gewerbegebiet Wirklichkeit geworden ist: "Wir wollten was für die ganze Kulturszene in Bayreuth und Umgebung machen. Weil wir wissen, wie schwer die Musiker es haben. Entweder sie müssen in nassen Kellerlöchern oder auf zugigen Dachböden spielen", sagt Söllner.

Zig Bands haben die gleichen Probleme

"Wir haben von zig Bands gehört, dass sie die gleichen Probleme haben, wie wir sie hatten", sagt Henrik Vorbröker, der bei der Patrick Söllner-Band für die Tasteninstrumente zuständig ist. Als die Musiker die Räume im Bindlacher Gewerbegebiet anschauen, zucken sie erst einmal zurück. "Das war eigentlich drei Nummern zu groß für uns", sagt Söllner. Aber: Die Musiker schlagen zu. Und sie packen an. Aus den Büroräumen werden vier Proberäume. "Alle akustisch optimiert. Und zwar so, dass man hier drin auch Aufnahmen machen kann. Haben wir selber schon probiert. Klappt ausgezeichnet", sagt Söllner. Aus den vier Musikern wird eine Gesellschaft des bürgerlichen Rechts, die den Betrieb stemmen soll. Und es gibt einen Namen: He!Paloma Probe(t)räume.

Schlagzeug und Anlage in jedem Raum

"In jedem Raum steht ein Schlagzeug und eine Anlage. Es gibt einen Online-Kalender, in den sich die Bands eintragen können. So kann man sich perfekt aus dem Weg gehen, wenn man will", sagt Vorbröker. Aber durch die akustische Trennung der Räume geht es auch anders: "Jede Band kann die Tür hinter sich zumachen und loslegen. Man stört sich gegenseitig nicht", sagt Söllner. Zudem sind die Räume untereinander vernetzt und mit dem Mischpult des Toningenieurs Alex Krimalowski verbunden. Söllner: "Jede Band, die sich hier einmieten möchte, unterschreibt einen Mietvertrag, der die Bands und ihr Equipment absichert. Strom, Heizung, Wasser, ist da inbegriffen. Selbst Dusche und Küche sind vorhanden, die können wir mit nutzen." Was die Bands aus eigener Erfahrung wissen: Es macht auch Sinn, einen Raum zu haben, in dem man Equipment lagern kann. Den gibt es auch in den Proberäumen in Bindlach.

Künstlernetzwerk soll entstehen

Wie Söllner und Vorbröker sagen, sind sie fast fertig mit den Arbeiten, die sie alle in Eigenregie und auf eigene Kosten gestemmt haben. Am vergangenen Wochenende haben sie eine inoffizielle Weihnachtsfeier für ihre Freunde und die Bands gemacht. "Wir möchten, dass hier auch ein Treffpunkt für die Künstler aus Bayreuth und der Region entsteht. Eine Art Künstlernetzwerk, in dem sich die Bands austauschen können." Das He!Paloma-Projekt sei "nicht so auf Profit ausgelegt. Wir machen das, um die Kulturszene zu unterstützen. Wichtig ist uns, dass sich das trägt und wir das Geld, das übrig bleibt, wieder investieren können", sagt Vorbröker.

Platz für 24 Bands

Knapp ein Dutzend Bands nutzt das Angebot bereits, "wir können etwa das Doppelte unterbringen", sagt Söllner. Und: "Was richtig gut ist: Hier draußen stören wir niemanden." Auch nicht, wenn hier bis in die Nacht geprobt wird.

Musiker können unter hepaloma@akaudio.de Kontakt aufnehmen.