Private Jagdschulen schießen gegen den Verband Zoff um den Jagdschein

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Zoff auf dem Hochsitz: Mit Vollgas zum Jagdschein oder im Bummeltempo – die Jäger sind zerstritten. Die konservativen vom Bayerischen Jagdverband und die privaten beschießen sich gegenseitig. Mit Vorwürfen. Die einen bieten Kurse an, die Jahre dauern, die anderen sind in ein paar Wochen fertig. Die Unterschiede sind groß: in Praxis und Theorie. Wer bildet die künftigen Jäger besser aus? Ein Vergleich.

„Meine Schüler leben drei Wochen lang Jagd“: Alexander Becker vom Jagdzentrum Oberfranken und der Bayerische Jagdverband gehen andere Wege bei der Ausbildung der Jäger von morgen. Foto: Lapp Foto: red

Dauer

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Vor den bayerischen Jagdschülern liegen mindestens 120 Unterrichtsstunden und 60 Praxisstunden im Freien, das schreibt die bayerische Jägerprüfungsordnung vor. Die Ausbildung bei den etwa 80 Kreisgruppen des bayerischen Jägerverbandes zieht sich über acht Monate, mit einigen Stunden in der Woche an den Abenden oder am Wochenende.

Die Betreiber der etwa 400 privaten Jagdschulen in Deutschland aber geben Vollgas. Alexander Becker, Inhaber des Jagdzentrums Oberfranken, der Berufsjäger, Wildschutzmeister und im Landesvorstand des Deutschen Wildschutzverbandes ist, peitscht seine Schüler in 21 Tagen durch das Programm. 168 Stunden lang, mehr als vorgeschrieben. "Meine Schüler leben drei Wochen lang Jagd", sagt Becker.

Egbert Urbach, Leiter der Landesjagdschule des Bayerischen Jagdverbandes, hält dagegen, dass das Wissen in den privaten Schulen nur im Kurzzeitgedächtnis lande. Jagd sei ein Handwerk, da „sollte man länger lernen“ als drei Wochen.

Praxis

In Bayern müssen die Jagdschüler 60 Praxisstunden absolvieren. Die seien manchmal „von nicht allzu hohem Wert“, kritisiert Becker. Die Schüler sollen zum Beispiel Trophäen herrichten oder Hochsitze bauen. „In der Praxis sieht es oft so aus, drei bauen den Hochsitz, weil sie es schon können und 20 schauen zu.“ Aber er räumt ein, dass es „riesige Unterschiede“ bei Jagdlehrgängen gebe.

Egbert Urbach, Bayerns oberster Jagdlehrer sieht das anders: „Ich sehe keinen Sinn darin, dass eine Sekretärin einen Hochsitz baut.“ Wer den ganzen Tag am Schreibtisch sitze, werde so etwas in der Regel nicht können. Er geht mit seinen Schülern zwei Tage ins Revier, auf den Hochsitz, bricht Wild auf und die Schüler üben, wie man Wildbret verwertet.

Prüfung

Die privaten Schulen machen ihre Prüfungen in Hamburg. Sie „sei nicht leichter als in Bayern“, sagt Becker. Aber deutlicher geprägt vom Tierschutzgedanken. In Bayern etwa muss keine Schrotschussprüfung abgelegt werden. „Wenn wir keine Schrotschusskenntnisse nachweisen, wie wollen wir dann Flugwild richtig treffen?“, fragt Becker. „Dann schießen die die Tiere krank“, könnte irgendwann ein Argument der Jagdgegner sein.

Dem widerspricht Egbert Urbach. Er räumt zwar ein, dass innerhalb Deutschlands die Bayerische Jägerprüfung als die schwerste gilt. Aber das Interesse an der Jägerprüfung in Bayern sei groß, Tendenz steigend. Waren es vor sieben Jahren 1300 Bewerber zur Prüfung, sind es jetzt 400 mehr. Der Frauenanteil bei den Kursen beträgt im Durchschnitt 16 Prozent. Von gut 1700 Kandidaten haben im vergangenen Jahr 307 nicht bestanden – meist wegen des Schießens. In Hamburg gebe es natürlich keine schlechteren Jäger. Urbach lobt auch die Ausbilder bei den Privaten. Aber die Gefahr sei die kurze Zeit: wer nach drei Wochen Kurs in die Prüfung gehe und die Prüfung in Hamburg „relativ leicht ist, ist das relativ schnell vergessen“. In Bayern etwa müsse der Jagdschüler 250 Tontauben schießen. „An zwei Tauben“ in der Prüfung hänge es nicht.

Kosten

Becker verlangt für seine Ausbildung 2490 Euro, dazu kommen 154 Euro Prüfungsgebühren. Das ist viel Geld. Doch dafür erhalten die Schüler ein „Rundum Sorglos Paket“ argumentiert er. Er hält viele Waffen für seine Schüler vor für Kleine, Dicke, Linkshänder, Große mit langen Armen oder kleine mit kurzen Armen. Die Schüler müssen sich also im Vorfeld keine Waffen kaufen, zahlten keine Munitionskosten oder Schießstandgebühren für die gesamte Ausbildung.

Bei der Ausbildung über die Vereine müssten die Schüler sich um alles selbst kümmern und sich einen großen Teil der Unterlagen selbst kaufen, genau wie Flinte und Munition. Die Kosten bei den Jägervereinen liegen bei rund 2000 Euro, davon etwa 1000 Euro für Kursgebühr, der Rest ist für Lehrmaterial und die Schießausbildung.

Anerkennung

Beide Jagd-Prüfungen sind in Bayern gleichermaßen anerkannt. Urbach: „Der bayerische Jagdschein gilt mehr in Bayern.“ Aber keinem Jungjäger werde ein Revier verwehrt, wenn er die Hamburger Prüfung abgelegt habe. Es komme auf den Kerl an, der dahinterstehe. „Jede Ausbildung hat was für sich“, sagt Urbach. Nicht jeder könnte wegen seines Berufes sich monatelang in den Unterricht setzen. Becker sagt auch, jeder solle selbst entscheiden, welche Variante einer Ausbildung er wähle. „Denn das Jägerleben fängt nach der Prüfung erst an.“