Preis für gute Lehre "Ich bin nicht brutal, sondern fair"

Preis für gute Lehre 2019: Wissenschaftsminister Bernd Sibler zeichnete Informatiker Fabian Stehn von der Uni Bayreuth in Passau aus.

BAYREUTH. Sie können komplexe Sachverhalte besonders gut erklären: 15 Männer und Frauen, die an Bayerns Universitäten unterrichten, erhielten jetzt den Preis für gute Lehre 2019. Jeder erhält 5000 Euro wie Fabian Stehn, 38, Informatiker an der Uni Bayreuth.

Herr Stehn, wie sehr hat es Sie überrascht, zu den Preisträgern 2019 zu gehören?

Fabian Stehn: Nun, ich gehöre als Informatiker zum akademischen Mittelbau. Den Fachschaftspreis "Die goldene Kreide" habe ich allerdings schon fünfmal gewonnen. Dafür wird man jährlich von den Studenten nominiert. Es ist eher ungewöhnlich, dass der Preis an einen Dozenten verliehen wird. Normalerweise erhalten ihn Professoren.

Was machen Sie anders oder besser als andere?

Stehn: Ich möchte mich nicht selbst beweihräuchern. Meine Tür ist immer offen. Ich freue mich über jeden, der Fragen stellt, wenn ich da bin. Zuweilen wundern mich die Auszeichnungen, da ich anspruchsvolle Vorlesungen halte. Es ist keine Seltenheit, dass fünfzig Prozent durchfallen. Meine Philosophie ist, in den Vorlesungen zu arbeiten. Ich mache Projekte, die später den praktischen Herausforderungen in der Wirtschaft ähnlich sind. So viel ich fordere, so viel erkläre ich aber auch, man könnte sagen: Ich gebe mir große Mühe, also erwarte ich, dass sich meine Studenten auch große Mühe geben. Wer nicht mitkommt, dem erspare ich Zeit und Leid. Ich bin nicht brutal, sondern fair und ich versuche, überraschende Elemente einzubauen, damit die Hörer nicht einschlafen. Ich sage zum Beispiel: "Es wird drei Monate dauern, bis Sie zwei Zahlen addieren können." Oder ich baue Spiele ein.

Bei mir wäre Hopfen und Malz verloren. Eine einfache Erklärung bitte, was Sie unterrichten?

Stehn: Meine Aufgabengebiete sind Algorithmen und Datenstrukturen und Mathematik für Informatiker. Die Studenten lernen die formalen Grundlagen, um Probleme auf abstrakte Art zu lösen. Das ist wie beim Hausbau: Ein Algorithmiker entwirft den Plan, ist also der Architekt, kümmert sich ums Design und die Effizienz und garantiert die Funktionsweise. Das Haus selbst baut aber jemand anderes, jemand der den abstrakten Plan in ein konkretes Programm überführt. Dafür muss man Muster erkennen können, präzise arbeiten und Freude am Rätsellösen haben. Informatik ist nicht nur das Bedienen eines Computers und das Schreiben von Programmen. Informatik ist eine Wissenschaft, die diesen Namen auch verdient.

 

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