Positivenquote bei fünf Prozent Viele Tests liefern klares Bild

Mit möglichst vielen Tests ein möglichst genaues Bild zeichnen: Das ist die Strategie, mit der der Landkreis Wunsiedel der Pandemie Herr werden will. Das Testzentrum in Selb steht allen Bürgern offen. Ingrid Badzim-Imme vom Betreiber 21 Dx erklärt Landrat Peter Berek und Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch den Ablauf (stehend von links). Foto: Florian Miedl

Der Landkreis Wunsiedel fährt die Testkapazität hoch. Aktuell liegt die Positivenquote bei fünf Prozent. Die Einführung einer Pendlerquarantäne soll die Lage bessern. Eine entsprechende Allgemeinverfügung ist in Arbeit.

Selb/Wunsiedel - Fünf Prozent von 2200 – das sind doch mal Zahlen, mit denen sich was Anfangen lässt. Etwa 2200 Menschen lassen sich im Landkreis Wunsiedel durchschnittlich pro Tag auf eine Infektion mit dem Corona-Virus testen. Bei fünf Prozent fällt der Test positiv aus. Wobei sich, wie der Wunsiedler Landrat Peter Berek am Mittwoch bei einem Pressetermin in Selb erklärte, diese Positivenquote bei deutschen und tschechischen Bürgern nur marginal unterscheidet. Es sind Zahlen, mit denen der Landkreis Wunsiedel jetzt in Vorleistung gegangen ist, und die – um eine wirkliche Vergleichbarkeit herzustellen – auch alle anderen Landkreise veröffentlichen müssten. So direkt sagte Berek das natürlich nicht, aber: „Wie andere Regionen testen, vermag ich nicht zu beurteilen.“

Testmöglichkeiten ausgeweitet

Mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 256 (Stand Mittwoch) hat der Landkreis Wunsiedel einen der höchsten Werte in der Bundesrepublik. Er zählt mit den Nachbarlandkreisen Tirschenreuth und Hof zu den Corona-Hotspots. „Die Situation im Landkreis geht uns allen an die Nieren“, sagte Peter Berek. Jetzt hat der Landkreis die Testmöglichkeiten für die Bürger ausgeweitet. Seit Montag betreibt er ein stationäres Testzentrum in Selb – neben dem in Schirnding und dem in Marktleuthen nun das dritte. In der Roland-Dorschner-Halle kann sich jeder Bürger auf eine Corona-Infektion testen lassen. „Wir sind jeden Tag auf der Suche nach weiteren Instrumenten, um die Pandemie in den Griff zu bekommen“, erklärte der Landrat. Wichtige Bausteine seien ein engmaschiges Testnetz und kurze Testintervalle. „Bei vielen Tests werden wir natürlich auch viele positive Ergebnisse bekommen, gleichzeitig erhalten wir ein gutes Bild von der Lage“, sagte Berek. „Wir müssen alles, was positiv ist, rausfischen.“ Im Umkehrschluss bedeutet das für den Landrat: Rein kommt nur noch, wer ohne Infektion ist.

Pendlerquarantäne kommt

Um das sicherzustellen, können und müssen sich die tschechischen Grenzpendler alle 48 Stunden testen lassen. Bislang galt für Arbeitnehmer aus dem Nachbarland, dass sie auf dem Weg zur Arbeitsstelle und zurück nach Hause noch Besorgungen erledigen durften. Das soll eine neue Allgemeinverfügung verhindern. Nachdem Peter Berek am Dienstag im bayerischen Gesundheitsministerium um weitere Unterstützung angefragt hatte, bereitet das Landratsamt Wunsiedel aktuell eine sogenannte Pendlerquarantäne vor. Der Grenzübertritt ist dann nur noch aus zwei Gründen gestattet: zum Testen und um zur Arbeit zu gelangen. Einkaufen oder Besuche sind dann nicht mehr möglich. Arbeitnehmer beiderseits der Grenze sollen schnellstmöglich den Heimweg antreten.

Zusätzlich intensiviert der Landkreis Wunsiedel die Zusammenarbeit mit den ansässigen Unternehmen. In mehr als 190 Firmen würden derzeit Mitarbeiter getestet. „Außerdem werden wir mit den Firmen die Hygienekonzepte schärfen“, sagte Landrat Peter Berek.

Bis zu 1000 Tests möglich

Bis zu 500 Personen lassen sich durchschnittlich pro Tag in Selb testen. Wobei laut Betreiber 21 Dx problemlos 1000 Test möglich sind. Die Münchner Firma betreibt auch das Testzentrum in Schirnding, hier ist der Andrang deutlich größer: 1500 Tests führen die Mitarbeiter dort jeden Tag durch, sagte Ingrid Badzim-Imme, Director Operations bei 21 Dx und verantwortlich für die Testzentren. Die Schnelltests werden vor Ort ausgewertet, die PCR-Tests liefern Kuriere zwei Mal täglich zum Bearbeiten ins Eurofins-Labor in Ebersberg. „Die Positivquote variiert natürlich“, sagte Ingrid Badzim-Imme. „Kurz vor Weihnachten lag sie bei zehn Prozent, jetzt bei rund fünf.“ Mehr Tests würden ein klareres Bild der Lage ermöglichen.

Dem stimmte Peter Berek zu: „Wenn wir wenig testen, haben wir schönere Zahlen. Aber das hilft uns nichts. Wir müssen testen und Kontakte beschränken.“

Keine Schuldzuweisungen

Die „klare Linie“ des Landrats könne er nur unterstützen, sagte der Selber Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch. „Jeder fragt sich, woher diese hohen Zahlen kommen.“ Richtig erklären ließen sie sich nicht. Pötzsch warnte davor, trotz der immens hohen Inzidenzen im Nachbarland allein dort nach den Schuldigen zu suchen. Wichtig für die Bürger sei es, zu wissen, dass sich die Politik kümmere. Die Zusammenarbeit der Städte und Gemeinden sei gut, die kommunale Familie funktioniere. Es bedürfe, so Pötzsch, vieler Bausteine, um die Situation in den Griff zu bekommen. „Testmöglichkeiten bestehen. Dann wird es ums Impfen gehen. Auch da wird es weitere Angebote geben“, kündigte der Selber Oberbürgermeister an.

Den Kontakt zum Hallenbesitzer Adem Cebeci hatte Ulrich Pötzsch hergestellt. Der war froh, eine sinnvolle Nutzung für seine Immobilie gefunden zu haben, immerhin fanden dort seit März keine Veranstaltungen mehr statt. Die Kosten liefen trotzdem weiter. Jetzt hat der Landkreis die Halle zunächst bis Mitte Mai angemietet.

Ängste der Bevölkerung

„Man schläft nicht jede Nacht gut“, sagte Landrat Peter Berek mit Blick auf die Pandemie. „Wir müssen auch die Gefahren sehen.“ Fast jeder habe Angst. Angst um die Gesundheit, Angst um die wirtschaftliche Existenz. Es werde weiter Probleme mit Kindergärten und Schulen geben. „Darum muss sich die Politik kümmern“, sagte Berek und versprach: „Alle Entscheidungen, die wir treffen, sind wohlüberlegt.“

Mit einer Aufschlüsselung der Positivquote nach Herkunft der Testpersonen ist laut Auskunft des Landratsamtes kurzfristig nicht zu rechnen. Die Auswertung der Zahlen sei aufwendig und liefe noch, sagte eine Sprecherin.

 
 

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