Ein Webcam-Girl darf sich nicht mehr in ihrem Wohnhaus gegen Geld vor der Internet-Kamera ausziehen. Nach der mündlichen Verhandlung vom Vortag teilte das Verwaltungsgericht München am Donnerstag mit, dass die 24-Jährige ihre Arbeit in dem oberbayerischen 6000-Einwohner-Dorf Ampfing aufgeben muss, weil «die Tätigkeit in nicht unerheblichem zeitlichen Umfang stattfindet und dem am Wohnort angemeldeten Gewerbe der Klägerin, also der dauerhaften und regelmäßigen Erwerbstätigkeit, dient». Dies allerdings kollidiere mit dem Baurecht, das für das Gebiet nur eine Wohnnutzung vorsieht. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Das Landratsamt hat Hot per offiziellem Bescheid verboten, sich in ihrem Haus vor der Kamera auszuziehen und ein Zwangsgeld von 2000 Euro angedroht, sollte sie sich daran nicht halten. Die Begründung: Ihr Haus befindet sich in einem Baugebiet - und der Bebauungsplan sieht eine gewerbliche Nutzung nicht vor. Das Zimmer, in dem die Frau sich räkelt, sei als Kinderzimmer vorgesehen.

Anwohner hatten zuvor beispielsweise «Lärmentwicklung» beklagt, wie es im Bescheid der Behörde heißt. Nachbarn gaben demnach an, dass dort Pornos gedreht werden - und belegten das mit einer Fotostrecke. Sie sagten, dass Kinder wegen des Jobs ihrer freizügigen Nachbarin in der Schule gehänselt würden. «Stöhnverbot für Webcam-Girl», hieß es bei Sat.1.

«Es beschweren sich ständig irgendwelche Leute wegen irgendwelcher Gründe», sagt Natalie Hot, die ihren echten Namen ungern in der Zeitung lesen will, der Deutschen Presse-Agentur. «Lichtbelästigung, ich sei zu laut, die Kinder könnten nicht schlafen - lauter solche Sachen.» Im vergangenen Jahr, so sagt sie, sei ihr sogar die Haustür eingeschlagen worden. Die Nachbarn hätten Unterschriften gegen sie gesammelt. «Die schreiben die Kennzeichen der Leute auf, die zu uns kommen und hetzen andere Nachbarn gegen uns auf», erzählt die junge Frau, die gemeinsam mit ihrem Ehemann, der auch ihr Manager ist, in ihrem Haus lebt.

dpa