Poller oder Beton? Beton-Lego macht Markt sicher

Es bleibt vorerst bei den Beton-Quadern, die Veranstaltungen sicher machen sollen. Die sind flexibel einsetzbar und auch stapelbar, wie hier Bauhof-Mitarbeiter Josef Sting zeigt. Foto: Eric Waha

BAYREUTH. Eine gute Botschaft kann man aus der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses mitnehmen: Die Zahl der Straftaten in Bayreuth ist rückläufig, die Stadt ist „sicherste Großstadt Oberfrankens“, wie die Polizeidirektorin Christine Götschel sagt. Trotzdem müssen gerade Großveranstaltungen weiter gesichert werden: Das sollen Beton-Quader richten. Weiterhin.

Der CSU-Stadtrat Christian Wedlich hat einen Antrag gestellt, der darauf abzielt, Großveranstaltungen künftig mit absenkbaren Pollern zu sichern. Die Verwaltung hat die Thematik aufgearbeitet, sagt der berufsmäßige Stadtrat und Rechtsreferent Ulrich Pfeifer. Denn es sei unstrittig, dass sich die Menschen seit den Anschlägen in Frankreich und seit dem Attentat mit einem Lastwagen auf den Weihnachtsmarkt in Berlin 2016 „stärker bedroht fühlen als vorher“, wie Pfeifer sagt.

Pflanzkübel waren der erste Test

Nach ersten Versuchen mit „großen und schweren Pflanzkübeln“ in den Jahren 2016 und 2017 bei den verschiedensten großen Veranstaltungen habe die Stadt im vergangenen Jahren ein neues System angeschafft: Rund 1,5 Tonnen schwere Betonquader, die auf unterschiedlichste Weise aufgestellt und sogar gestapelt werden können. Wie Pfeifer sagt, habe sich diese Lösung durch große Flexibilität auf der einen und als kostengünstig einsetzbar auf der anderen Seite ausgezeichnet.

Poller kosten pro Stück mindestens 25.000 Euro

Pfeifer macht die Rechnung auf: Der Stadtbauhof habe für die unterschiedlichen Veranstaltungen Szenarien entwickelt: Für die Veranstaltung des Viktualienmarktes bräuchte man 20 Poller, für den Christkindlesmarkt 32 und fürs Bürgerfest rund 50 Poller – bei einem Stückpreis von aktuell rund 35.000 Euro plus Betriebs- und Folgekosten. Bei 50 Pollern müsste die Stadt rund 1,75 Millionen Euro allein für die Anschaffung zahlen. Es gebe als Alternative flexibel einsetzbare Schutzpoller, die nicht in den – in Bayreuth massiv mit Leitungen bestückten – Boden eingebaut werden müssten. Kostenpunkt: rund 25.000 Euro pro Stück.

Beton-Quader kosten 100 Euro

Die Beton-Blöcke kosten laut Pfeifer pro Stück 100 Euro – das Aufstellen sei mit „50 Euro als innere Verrechnung mit dem Bauhof anzusetzen“. Beim Konzert der Toten Hosen in Bayreuth sei man mit 69 Blöcken im Einsatz gewesen, was unterm Strich rund 3600 Euro gekostet habe. Pfeifer zieht als Fazit, dass man an der Praxis mit den Beton-Blöcken festhalten solle. Nicht zuletzt, weil sie flexibler einsetzbar seien als fest installierte Poller. Gleichwohl: „100-prozentige Sicherheit kann es nicht geben. Wer anderes behauptet, ist ein Scharlatan“, sagt Pfeifer.

Bayreuth ist sicher, sagt Christine Götschel

Ein besonderes Fazit zieht auch Christine Götschel, Leiterin der Polizeiinspektion Bayreuth-Stadt, in ihrem Bericht, den sie vor dem Hauptausschuss zieht: Die Zahl der Straftaten in Bayreuth gehe – mit Ausnahme vor allem der Fahrraddiebstähle und der Sachbeschädigung beispielsweise durch Graffiti – zurück.

Massiven Anstieg gebe es gerade in dem Jahr bei Enkeltrick-Betrügereien, oder bei Anrufern, die sich als Polizeibeamte ausgeben und auf dem Weg große Summen bei vor allem älteren Menschen ergaunern würden. Auch wenn hier viele Taten wegen der Aufmerksamkeit der Bürger im Versuchsstadium stecken bleiben würden.

BG-Fraktionsvorsitzender rüffelt Hohl

Fraktionsübergreifend gibt es Lob für die Arbeit der Polizei – und einen Misston: Der BG-Fraktionsvorsitzende Stephan Müller rüffelt Alt-Oberbürgermeister Michael Hohl (CSU). Der habe gelacht, als es um das Thema Enkeltrick-Betrüger gegangen sei, beschwert sich Müller.

Einstimmig für die Beton-Quader

Die CSU, die sich – Hohl ebenso wie Franz-Peter Wild – für die Poller-Lösung nach Wedlichs Wunsch stark gemacht hatte, kann sich zum Schluss auch mit dem Zusatz zum Beschluss anfreunden: Die Verwaltung möge am Ball bleiben, was die technischen Lösungen am Markt angehe. Deshalb bleibt es bei einem einstimmigen Votum für eine weitere Absicherung von Veranstaltungen mit Beton-Quadern.

 

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