Wildunfälle Teuer für den Fahrer, tödlich für das Tier

Zusammenstöße mit Rehen, Hirschen oder Wildschweinen verursachen oft hohen Sachschaden und enden für die Tiere in der Regel tödlich. Die Polizei appelliert an Verkehrsteilnehmer, umsichtig und vorausschauend zu fahren. Foto: Patrick Pleul

Die Zahl der Wildunfälle ist so hoch wie nie. 2020 ereigneten sich in Deutschland circa 300 000 solcher Zusammenstöße, 30 000 mehr als im Vorjahr. Allein im Bereich der Polizeiinspektion (PI) Pegnitz kam es im vergangenen Jahr zu 603 Karambolagen mit Rehen, Rot- und Damwild, wie die Polizeiinspektion auf Anfrage mitteilte. Damit machten Wildunfälle 2020 mehr als die Hälfte aller 1086 Unfälle im südwestlichen Landkreis Bayreuth aus.

Pegnitz - Vor allem im Herbst und Frühjahr wirken sich die Zeitumstellung und der veränderte Tagesrhythmus auch auf Wildtiere aus: Hirsche, Rehe und Wildschweine suchen nach Deckung und sind mehr unterwegs als üblich – auch auf den Straßen, die ihren Lebensraum zerschneiden. Das hat oft dramatische Folgen: Fast 300 000 Zusammenstöße pro Jahr meldet der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Statistisch gesehen bedeutet dies jeden Tag 800 Wildunfälle. Trotzdem unterschätzen immer noch viele Autofahrer die Gefahr.

Häufung der Unfälle im Herbst

Obwohl es seit einem Jahr fast durchgehend Ausgangsbeschränkungen wegen der Corona-Pandemie gibt, bleiben Wildunfälle im Landkreis ein Problem. Kollidiert ein Verkehrsteilnehmer mit Wild, geht das meist tödlich für das Tier aus. „Glücklicherweise nicht für die Verkehrsteilnehmer“, informiert Kriminalhauptkommissarin Verena Wörlein, die Leiterin der Polizeiinspektion Pegnitz. Allerdings habe es bei den Wildunfällen verletzte Fahrer, Beifahrer und Autoinsassen gegeben.

Der Blechschaden am Auto ist oft recht hoch. 2019 vermeldeten die deutschen Versicherer eine Schadenssumme bei Wildunfällen von 885 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr summierten sich 603 Wildunfälle in den Statistiklisten der Polizei Pegnitz. 2019 kollidierten 574 Tiere mit Fahrzeugen, 2018 wurden 597 Karambolagen gezählt. 2017 und 2016 waren es mit 538 und 506 Zusammenstößen mit Wildbeteiligung noch deutlich weniger. Die meisten Unfälle ereignen sich laut Wörlein hauptsächlich an Werktagen während der Morgendämmerung und in den Abendstunden. „Die Ursache dürfte hier wohl im vermehrten Berufs- und Pendlerverkehr an Werktagen liegen.“ Eine Häufung der Unfälle sei immer zur Brunftzeit im Herbst festzustellen.

Bei circa drei Viertel aller Wildunfälle seien Rehe, Rot- und Damwild betroffen – meist kracht es neben Feldern und an Waldrändern. Immer öfter sind auch Wildschweine in Unfälle verwickelt. In diesen Fällen kann es wegen der Masse der Tiere für die Wagenbesitzer besonders gefährlich werden. Im Bereich der Polizeiinspektion Pegnitz wurden überdurchschnittlich viele Wildunfälle auf der Bundesstraße 2 zwischen Creußen und der Abzweigung Haag, zwischen Zips und Buchau sowie zwischen Vorderkleebach-Poppendorf und Waischenfeld-Oberailsfeld registriert. „Bei der Unfallaufnahme zeigt sich immer wieder, dass Wildunfälle durch eine angepasste Geschwindigkeit vermieden werden könnten“, verdeutlicht die Polizeichefin. Es gelte, sich nicht nur an die Geschwindigkeitsbegrenzungen zu halten, sondern die Geschwindigkeit auch den Witterungs- und Sichtverhältnissen sowie den örtlichen Gegebenheiten anzupassen.

Jagdpächter erlöst verletzte Tiere

Was ist zu tun, wenn es zu einer Karambolage mit einem Tier gekommen ist? „Nach einem Wildunfall ist die Unfallstelle abzusichern und der Unfall bei der Polizei zu melden. Dies gilt auch, wenn am Fahrzeug kein Schaden entstanden ist und das Wild trotz des Zusammenstoßes weiterläuft“, betont Wörlein. Wenn jemand nach einem Crash, bei dem außer dem Tier scheinbar niemand zu Schaden kam, einfach weiterfährt, ist dies zwar laut Gesetz kein „Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort“, aber eine moralische Pflicht gegenüber dem eventuell verletzten Tier. Die Nichtmeldung des Wildunfalls sei zumindest ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. „Wenn wir von einem Unfall mit einem verletzten Tier erfahren, melden wir es an den Jagdpächter und der kann das Tier erlösen.“

Anders verhält es sich, wenn es zu einem Sach- oder Personenschaden bei Dritten gekommen ist, zum Beispiel, wenn durch ein Ausweichmanöver oder durch den Zusammenstoß weitere Schäden verursacht werden. „Dann muss der Crash auf jeden Fall gemeldet werden.“

Immer noch unterschätzen viele Autofahrer die Gefahr eines Wildunfalls. Aus diesem Grund haben der ACV (Automobil-Club Verkehr) und der Deutsche Jagdverband 2019 gemeinsam die Kampagne „Tiere kennen keine Verkehrsregeln“ ins Leben gerufen. Der Schwerpunkt liegt auf Prävention.

Speziell junge Fahrer und Fahrschüler sollen für die Gefahr durch Wildunfälle sensibilisiert werden. Im Mittelpunkt steht der Vergleich mit afrikanischen Wildtieren. Die Kraft von circa fünf Tonnen wirkt auf das Fahrzeug ein, wenn es bei 60 Kilometern pro Stunde zu einem Zusammenstoß mit einem Rothirsch kommt. Diese enorme Wucht wird durch das einprägsame Motiv eines ausgewachsenen Elefanten veranschaulicht.

Neben einer Webseite und Informationsmaterialien umfasst die Kampagne den Spot „Wie schwer ist ein Elefant?“. Darin wird die Geschichte eines jungen Autofahrers erzählt, der ohne jegliches Gefahrenbewusstsein in einen düsteren Wald fährt und alle Warnsignale am Straßenrand ignoriert. Plötzlich kommt es zum Zusammenstoß.

Zu den Inhalten der Webseite gehören auch Tipps zur Unfallvermeidung, etwa „Gekonnt verjagen“, „Gefahrenzonen erkennen“ oder „Geschwindigkeit anpassen“. Zu den Unterstützern der Kampagne zählen der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) und die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände. Der Spot ist auf der Kampagnen-Webseite www.wildunfall-vermeiden.de zu sehen. uf

 

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