Eigentlich war Höcke für 19 Uhr in Kulmbacher Stadthalle angekündigt, aber erst um 21 Uhr trat der Thüringer AfD-Vorsitzende auf. Auf der Bühne vor 338 AfD-Anhängern war er auf Attacke gebürstet: Markus Söder bezeichnete er als „Politikkasper“, Pfarrer und Kirchen, die sich gegen den Auftritt stellten, quittierte er mit dem Satz: „Pfaffen sollen beten, nicht regieren.“ Und auch die Konfrontation mit den Gegendemonstranten, laut Höcke die „Opfern der Bildungskatastrophe“, blieb nicht aus. Auch es Höcke nur bei Worten beließ: Für den Weg in die Kulmbacher Stadthalle wählte er den Hintereingang durch die Tiefgarage.

Vor der Halle protestieren derweil rund 1000 Menschen auf dem EKU-Platz. Ein breites Bündnis aus Parteien, Gewerkschaften, den Kirchen und Vereinen hatte zum Protest gegen den Auftritt Höckes aufgerufen. Die Menschen protestieren vielfältig: Etwa 300 bis 400 Personen standen an dem der Stadthalle zugeneigten Teil des EKU-Platzes, pfiffen AfD-Anhänger aus und skandierten „Nazis raus!“ oder „Björn Höcke ist ein Lügner und Faschist“. Der Rest wandte sich der Bühne auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes zu, wo Musik gespielt und Videos gezeigt wurden. Auf der Bühne sprach auch der FPD-Politiker Karl Graf Stauffenberg.

Ein besonders ergreifender Moment ereignete sich zwischen 19.33 Uhr und 19.45 Uhr. Die Glocken aller Kulmbacher Kirchen läuteten in Andenken an die Opfer des Nazi-Regime. Auf dem EKU-Platz wurde es still, die Menschen lauschten dem Glockenleuten. Der Kulmbacher Dekan Thomas Kretschmer sagte jede Minute ein neues Jahr der Terror-Herrschaft an. Die Demonstranten auf dem EKU-Platz bildeten spontan eine Menschenkette. Nach der angespannten Stille lagen sich einige noch in den Armen.

Beide Veranstaltungen waren von einem starken Polizeiaufgebot begleitet worden. Zahlreiche Polizeibeamte sorgten dafür, dass sich die beiden Lager nicht zu nahekommen konnten. Beide Veranstaltungen verliefen ohne nennenswerte Zwischenfälle, zog der Kulmbacher Polizeichef am Ende des Abends zufrieden Bilanz.