Ursachen: Der gegenwärtige Bauboom werde durch die Nachfrage von Städten und Gemeinden noch angeheizt, so die Ansicht einiger Bürgermeister. Ausschlaggebend dafür seien wiederum die staatlichen Zuschussprogramme, denkt Pottensteins Bürgermeister Stefan Frühbeißer. Von Wahltermin zu Wahltermin würden immer neue Fördertöpfe aufgestellt. Das stimuliere die Nachfrage, so Frühbeißer. Sein Kollege Unglaub in Bischofsgrün spricht von einem regelrechten „Run“ auf die Programme.
Einfach abwarten? Während der Beratung über den Kreishaushalt im Februar empfahl der Mistelgauer Kreisrat Karl Lappe (WG), angesichts der hohen Baupreise abzuwarten. Und zwar so lange, bis die Preise wieder gesunken sind. Ähnlich denkt auch Hummeltals Bürgermeister Patrick Meyer (CSU). Die Gemeinden sollten antizyklisch, also entgegen dem Verlauf der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung, in Bauprojekte investieren, so Meyer.
Dagegen halten Praktiker, die Bürger hätten dafür wenig Verständnis. Bauen werde auch ohne Boom von Jahr zu Jahr teurer. Und wenn ein Kindergarten gebraucht werden, so müsse er halt gebaut werden.
Andreas Gaß, Referatsleiter beim Bayerischen Gemeindetag in München warnt: Die Baukonjunktur werde andauern, weil der Wohnungsbau gefördert wird. Mit sinkenden Preisen ist demnach nicht zu rechnen.
Wer zahlt das? Für die höheren Baukosten kommen die Bürger auf, sagt Wilfried Schober vom Gemeindetag. Entweder über ihre Beiträge und Benutzungsgebühren oder über Steuern.
Verband der Bauwirtschaft: Preisanstieg seit 2006
Die in den vergangenen Jahren gestiegenen Preise räumt die Bauwirtschaft ein. Die Leistungen des Bauhauptgewerbes, das sich auf den Rohbau und den Tiefbau konzentriert, seien während der Baurezession zurückgegangen. Erst ab 2006 gelang es nach Angaben der Bauindustrie wieder, Preiserhöhungen am Markt durchzusetzen. Von 1995 bis 2016 stiegen die Preise für Leistungen des Bauhauptgewerbes nur um 23 Prozent.
Die Zunahme der Baupreise war zwischenzeitlich auch auf starke Preissteigerungen bei Baumaterialien und Energie zurückzuführen, so die Branche. Von 1995 bis 2012 stieg der Erzeugerpreisindex für Energie um 77 Prozent, für Betonstahl in Stäben um 116 Prozent und für Bitumen aus Erdöl um 490 Prozent.
Über die konjunkturbedingten Steigerungen in der jüngsten Zeit schweigt der Verband der Bauindustrie.